Gdynia /Gdingen/ eine Stadt, die aus der See und den Träumen der Vorkriegsgeneration der Polen hervorgegangen ist,  wie es der polnische Schriftsteller aus dieser Zeit, Stefan Żeromski, zu sagen vermochte: „… ein Meisterstück, das in Holz, Stein, Beton und Eisen geschaffen wurde – dieses übermächtige Drama, das zu zeigen vermag, wie dem Meer sein Wasser, Kraft, Tiefe und Macht entrissen wird…“. Heute stellt es eine moderne und sich dynamisch entwickelnde Stadt mit einer modernen Architektur und ihrer zur See hin ausgerichteten Wirtschaft dar.

tłum. EuroInterpret-D. Moser

"Dar Pomorza"

     Die Weiße Fregatte – Legende polnischer Segelschifffahrt und Verkörperung der Träume der Polen von einem Seeabenteuer – steht in ihrer Eigenschaft als Schiffsmuseum am Kai in Gdynia /Gdingen/. Das Schiff fährt längst nicht mehr, ist jedoch weiter vom Seealltag und den Geschichten von den ersten Seeerfahrungen tausender Adepten der Seemannszunft erfüllt.

Vor über einem Jahrhundert wurde in der Hamburger Werft ein neues Schiff gebaut, das als Schulungsschiff für die deutsche Handelsmarine dienen sollte. Es wurde damals "Prinzess Eitel Friedrich" genannt, zu Ehren der deutschen Prinzessin, der Schwiegertochter von Kaiser Wilhelm II. Unter deutscher Flagge fuhr es lediglich 10 Jahre und wurde danach von den Franzosen übernommen und an einen Aristokraten weiterveräußert, der aus ihm eine Hochseeluxusjacht machen wollte. Zwei Jahre später wurde es durch die Polen gekauft und so begann die Geschichte der Weißen Fregatte als "Dar Pomorza". Der erste Name des Schiffs unter polnischer Flagge hieß "Pomorze" (Pommern) jedoch schon bald wollte man all jene ehren, die für den Kauf des Schulungsschiffs zusammengelegt haben, und da gerade die Einwohner von Pommern zu den großzügigsten Geldgebern gehörten, so wurde "Pomorze" zu "Dar Pomorza" (Gabe Pommerns) umgetauft.

Das neue Schiff wurde im ebenso neuen Gdinger Hafen getauft und im Jahre 1930 stieß es zum ersten Mal auf eine Schulungsfahrt in See und nahm dabei Studenten der Seeakademie an Bord, die in jener Zeit von Tczew /Dirschau/ nach Gdynia verlegt wurde. Bei seinem Dienstantritt ersetzte "Dar" eine andere Legende polnischer Marine, die Bark "Lwów" (Lemberg), auf der die zukünftigen polnischen Seeleute ihre ersten Schritte machten.

Innerhalb eines halben Jahrhunderts wurden an Bord von "Dar Pomorza" über zehntausend Studenten ausgebildet, die insgesamt 102 Schiffsfahrten unternahmen und eine halbe Million Seemeilen zurückgelegt haben und somit die Erde 25 Mal umrundet haben. Nach zweiundfünfzig Jahren wurde das Schiff zur verdienten Ruhe gesetzt und in ein Museum umgewandelt, das heute die Anfänge der polnischen Flotte darstellt.

Die Besichtigung des "Dar Pomorza" gehört zum Pflichtprogramm während eines Besuchs in Gdynia, vor allem deswegen, weil es schwierig ist, anderswo so viel über die polnische Seegeschichte zu erfahren und gleichzeitig den Ruf der See zu verspüren, der die Menschen dazu bewegt, die Weiten der Ozeane zu durchdringen.


tłum. EuroInterpret D. Moser