In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Olivaer Park

Olivaer Park

     Der Olivaer Park, ein grüner Kleinod auf der Landkarte der Region, weist eine lange Geschichte auf. Er entstand als eine Gartenanlage wahrscheinlich bereits im Mittelalter, wobei die wunderschöne Form des durchdachten und gemäß allen Regeln der Kunst gestalteten Parks erst in der Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstanden ist. Die Autoren der Idee, den Park in seiner ursprünglichen Form, die bis heute erhalten geblieben ist, einzurichten, waren die drei letzten Äbte von Oliva: Jacek Rybiński sowie Karl und Josef von Hohenzollern. 

Man weiß zwar nicht, wie das Gebiet des heutigen Parks vor dem 18. Jahrhundert ausgesehen hatte, es ist aber bekannt, dass als Mitte des Jahrhunderts der Äbtepalast umgebaut wurde und ihm barocke Formen verliehen wurden, der damalige Abt Jacek Rybiński entschieden hatte, die umgebende Gartenanlage seinem neuen Sitz "anzupassen". So ist der barocke Teil des Parks entstanden, der als französischer Teil bezeichnet wird, weil seine Anordnung und seine jeweiligen Bereiche nach Mustern erschaffen wurden, die seinerzeit in Frankreich beliebt waren. In diesem Teil des Parks herrschen Geometrie und Ordnung. Zwischen dem Palast und der südlichen Grenze der Anlage befindet sich die sog. Parterre, ein Blumenarrangement in Form eines bunten, musterverzierten Teppichs, der von einer niedrigen Hecke mit regelmäßig ausgeschnittenen Strauchformen umrahmt wird. Gemäß den französischen Regeln der Gartenkunst sollte sich aus den Palastfenstern das Panorama auf den Park erstrecken, was im Falle von Oliva wegen dem kleinen Gelände auf der südlichen Seite nicht möglich war. Das Problem wurde dadurch behoben, dass die Aussichtsachse rechtwinklig zu der kurzen Geländeperspektive direkt vor dem Palast angelegt wurde. Die Ausnahme von den barocken Regeln wurde durch die grenzenlose Perspektive wieder gut gemacht, denn durch dieses findige Vorgehen entstand der Eindruck als ob das Teichgewässer nahtlos in die weiter entfernt liegende Ostsee übergehe, wodurch die Illusion der Unendlichkeit erzeugt wurde. Deshalb wundert es nicht, dass diese Anlage, die einst "fürstliche Aussicht" genannt wurde, der polnischen Redewendung "Wege zur Unendlichkeit" Pate stand. Den in einem künstlichen Tal gelegenen Parkbereich, der ebenfalls mit bunten Blumen verziert wurde, nannte man "Paradies".

Der vorletzte Abt von Oliwa, Karl von Hohenzollern-Hechingen, hat den nördlichen Teil des Parks, diesmal nach dem sog. englischen Muster, das sich nach der in England beliebten Vorstellung von chinesischen Gärten richtete, einrichten lassen. So ist ein Parkbereich entstanden, der völlig anderen Charakter aufwies, er war viel romantischer, erweckte den Eindruck einer gewissen Natürlichkeit, wurde mit typischen Parkattraktionen in Form von Lauben, Brücken und einer künstlichen Kaskade am Olivaer Bach ausgestattet. Der Abt Karl hatte auch die Idee dem Parksystem einen Teil der westlich von Oliva gelegenen Anhöhen einzuverleiben, ohne eine genaue Grenze zwischen dem Park und dem natürlichen Wald festzulegen. Auf der höchsten Erhebung, die Karlsberg (jetzt: Pachołek) genannt wurde, ist ein Aussichtspavillon entstanden, der später durch jeweils darauffolgende Aussichtstürme ersetzt wurde, von denen aus man den herrlichen Blick auf die grüne Umgebung und die Danziger Bucht (Zatoka Gdańska) genießen kann.

Unter der Verwaltung des letzten Abtes, Joseph von Hohenzollern-Hechingen wurde in den Park eine ganze Reihe von exotischen Pflanzen eingeführt, einige heruntergekommene Parkbereiche wurden geordnet und renoviert. Seit Anfang des 20. Jh. wurde der Parkkomplex, besonders in der Zwischenkriegszeit, allmählich mit neuen Anlagen vervollständigt, dazu zählen u.a. das Palmenhaus und der botanische Garten.

Der heutige städtische Park behielt einen Großteil der räumlichen Anordnung und Ausstattung, die in den letzten 250 Jahren hier eingerichtet wurden, bei und wird gerne sowohl von Danzigern, als auch von Touristen besucht. Ein Spaziergang durch den Park ist eine hervorragende Ergänzung zur Besichtigung der ehemaligen Zisterzienserklosteranlage, die heute die Erzbistumshauptkirche beherbergt.

Übers. EuroInterpret - D. Moser