Werder. Wo die Nebel und die Sonnenuntergänge am schönsten sind

Das Werderland – zwischen Danzig, Marienburg und Elbing. Ein besonderes Land wegen seiner Geschichte, Architektur und Menschen, die es bewohnen. Wegen seiner geographischen Lage in einer Senke, muss es künstlich entwässert werden. Durchkreuzt  von Flüssen, Kanälen und Entwässerungsgraben, verbindet man das Werdergebiet auch mit Nebel, Sonnenaufgängen, Sonnenuntergängen und Weiden. Solche Landschaften regen das Vorstellungsvermögen und das Herz an – sagt Marta Antonina Łobocka, Vorsitzende des Verbandes „Kochamy Żuławy”(Wir lieben das Werder) und Bloggerin. Mit ihr reden wir darüber, was man im Werder unbedingt gesehen haben muss.

Die Region Pomorskie ist bekannt und sehr beliebt. Am bekanntesten ist natürlich die Dreistadt, danach die Kaschubei, doch wenn wir die Touristen nach dem Werdergebiet fragen, wissen sie oft gar nicht, wo es liegt…

- Es ist in der Tat so, doch zum Glück ändert es sich langsam. Solche Landschaften und solche Architektur findet man sonst nirgendwo. Es genügt nur an die Schmalspurbahn und ihre Drehbrücke in Rybina zu denken, die per Hand von zwei Menschen bedient wird. Sie ist ein Unikat in ganz Europa.

Wasserfreunde besuchen sehr gerne die sog. Werderschleife, eine besonders malerische Wasserstraße, die man u.a. mit einem Hausboot abfahren kann. Und weil die Danziger Werderaner ein sehr freundliches Völkchen sind, werden die Besucher sicher wiederkommen wollen…vielleicht beim zweiten Mal mit einem Fahrrad, denn das Werder ist ja bekanntlich flach und somit zum Radfahren bestens geeignet.

Holzhäuser und Vorlaubenhäuser. Das Werder hat seine eigene charakteristische , für die es bekannt und auf die es auch stolz ist.

- Die Architektur im Werder ist einmalig. In jedem Dorf haben wir hier alte Bauernhütten, in vielen alte Kirchen, und manche sehen aus wie ein lebendiges Freilichtmuseum. In anderen Regionen Polens gibt es das nicht. Diese Architektur ist interessant als Ganzes, aber auch im Detail. Und eben, zum Thema Detailarbeit im Werder – die Anzahl der Verzierungen und die Qualität ihrer Anfertigung kann einem die Sprache verschlagen. Man findet u.a. Holzzierden an den Dachgiebeln und Fenstern, die mit der Laubsäge gefertigt wurden. Angebracht wurden sie meistens an der Dachspitze, an den Fensterrahmen und Veranden, aber auch an Viehställen und Speichern, was uns deutlich macht, welch großen Wert man damals  auf die Ausschmückung von Wirtschaftsgebäuden legte. 

Sind Sie ein Werder-Liebhaber? Was sollte man in der Region unbedingt gesehen haben?

- Es lohnt mit Tiegenhof (Nowy Dwor Gdański), der Hauptstadt des Werders, zu beginnen. Wir haben hier das Werder-Museum, in dem man die Geschichte der Region kennenlernen kann.

Unbedingt sollte man eine Tour mit der Schmalspurbahn machen. Von den offenen Waggons aus, können wir die Landschaft bewundern und von Tiegenhof bis an die Weichsel kommen.

Gerne fahre ich mit Touristen und Journalisten nach Neuteich (Nowy Staw), wo es zwei Marktplätze und den charakteristischen Bleistift-Turm der ehemaligen evangelischen Kirche gibt. In Neuteich sollte man auch unbedingt die dortigen Jagodzianki (Blaubeertaschen) probieren.

Ich empfehle auch Palczewo zu besuchen, wo es eine kleine Holzkirche und eine Hollandmühle gibt. Diese Kirche ist auch außergewöhnlich. Von außen  unscheinbar  doch innen wunderschön bemalt, mit einer alten Orgel, die immer noch funktioniert. Und was für einen herrlichen Klang sie hat. Als ich sie das Erste Mal hörte, war ich zutiefst gerührt und bekam Gänsehaut. Man soll auch die Stodolarnia in Oleśno besuchen. Dortige Bürger haben in Eigeninitiative den alten Stall renoviert, mit eigenen Möbeln und Werkzeugen eingerichtet und nutzen ihn jetzt als Treffpunkt, für Kulturevents, doch gleichzeitig haben sie dort eine Bibliothek und Gästezimmer eingerichtet.

Werder, das sind Windmühlen und Dörfer, die Zeugen der Geschichte sind.

- Ja, zu solchen Orten gehören Żuławki und Drewnica, die man als lebendige Freilichtmuseen bezeichnen kann. Und an diese Stelle soll man auch die Vorlaubenhäuser erwähnen, die Visitenkarten des Werders. Vor allem in Trutenau und Marienau (Trutnowy und Marynowy) gibt es die schönsten Beispiele dieser Architektur. In Cyganek kann man eine Mittagspause machen und was essen. Im Kleinen Holländer bekommen wir eine Klopssuppe oder den Mennonitentopf. Man kann hier auch selbstgemachten Käse kosten-neben den klassischen Sorten, gibt es hier auch den original Werderkäse, der nach alter Rezeptur aus der Vorkriegszeit hergestellt wird.

Suchen wir alte Muehlen, so sollten wir die zwei bekanntesten in Palczewo und Żuławki ansehen. Grundsätzlich lohnt es sich, die Danziger Werderaner Dörfer  zu besuchen. Es sind originelle Orte mit Charme und Seele.

Apropos, Orte mit Seele…die Danziger Werderaner Nekropolen sind doch auch geschichtsträchtig.

- Wenn jemand gerne die Steinmetzkunst der Grabsteine bewundert, so soll er unbedingt den Friedhof in Stogi bei Marienburg besuchen. Es ist der größte, bekannteste und am besten erhaltene Mennoniten-Friedhof im Werder. Dafür ist der Friedhof in Stawiec ist kleiner und stimmungsvoller. Die Mennonitengräber sind ganz besonders. Dort gibt es reichverzierte Stele, die sehr stark von der Symbolik geprägt sind. Bei der Gelegenheit sollte man auch die Kirchenruinen in Fiszewo und Steblewo beachten.

Werder, ist das vor allem eine ländliche Gegend?

- Ländliche und landwirtschaftliche. Und es sind eben die Landschaften, die so stark von Mensch und Natur geprägt werden, die dann am meisten in Erinnerung bleiben. Hier überraschen die Landschaftsansichten mit ihrer Vielfältigkeit zu jeder Jahreszeit.

Das Werder ist eine Gegend voller Überraschungen und Geheimnisse. Es zu entdecken wird immer zu einem faszinierendem Abenteuer.

Weichselwerderring

Weichselwerderring

Der Weichselwerderring (Pętla Żuławska) bildet eine touristisch und naturlandschaftlich sehr attraktive Wasserroute, die Wasserstraßen auf der Weichsel, der Toten Weichsel, der Scharpau, der Königsberger Weichsel, der Nogat, dem Weichseldurchbruch, der Tiege, der Mottlau, dem Kraffohlkanal, der Elbing und der Passarge sowie den Gewässern des Frischen Haffs (Zalew Wiślany) miteinander verbindet. Es sind 303 Kilometer des unvergesslichen Abenteuers, das man mit dem Kajak, einem Segelboot, einem Motorboot oder einem Hausboot erleben kann. 

Dabei sollte hervorgehoben werden, dass der Weichselwerderring Teil der Wasserstraße E 70 ist, die von Rotterdam über den Berliner Wasserstraßenknotenpunkt, Nordpolen, bis nach Kaliningrad und weiter über die Wasserstraße der Memel (über die Pregel und Deime nach Klaipeda /Memel/) führt.

Der Weichselwerderring stellt schließlich ein Netz an Jachthäfen und Anlegestellen von höchster Qualität dar, die im Rahmen des Projekts "Weichselwerderring - Entwicklung der Wassertouristik. I. Etappe", das als eines der wichtigsten touristischen Unterfangen von überregionaler Bedeutung im Rahmen des Operationellen Programms Innovative Wirtschaft 2007 - 2013 Maßnahme 6.4 "Investitionen in touristische Projekte von überregionaler Bedeutung" gilt, entstanden sind. Das Projekt wird durch Partner der Regionalbehörden der Wojewodschaften Pomorskie und Warmińsko-Mazurskie durchgeführt.

Außer den Wasserrouten, die um das Weichseldelta und die Infrastruktur für Wassertouristen herum, abgesteckt wurden, verbindet der Weichselwerderring zahlreiche Sehenswürdigkeiten aus dem Bereich des Weichselwerder Kulturerbes miteinander. Es ist eine Region, in der landesweit einzigartige historische Objekte vorkommen: gotische Burgen oder Laubenganghäuser, aber auch historische hydrotechnische Objekte: Zugbrücken oder Schleusen.

Das Gebiet des Weichselwerders bietet ohne Zweifel viel Platz zum Ausspannen, zur aktiven Erholung wie auch ungewöhnliche Landschaften und faszinierende Natur.

Der Weichselwerderring umfasst größtenteils das Gebiet des Weichselwerders (Żuławy Wiślane), der Frischen Nehrung (Mierzeja Wiślana), der Subregion des Frischen Haffs samt der Elbinger Höhe (Tolkmicko /Tolkemit/, Frombork /Frauenburg/, Suchacz /Succase/, Elbląg /Elbing/) und Altpreußisches Küstenland (Nowa Pasłęka /Neu Passarge/, Braniewo /Braunsberg/), wie auch Kociewie (Tczew /Dirschau/, Gniew /Mewe/, Pelplin), das Marienwerder Tal sowie Untere Weichsel mit Sztum /Stuhm/ und Kwidzyn /Marienwerder/.


Der Weichselwerder, der sich um das Weichseldelta konzentriert, nimmt die Form eines umgedrehten Dreiecks ein, dessen Spitze die Gabelung der Weichsel mit der Leniwka und der Nogat, und dessen Grundlinie die Frische Nehrung stellen.

Die Frische Nehrung erstreckt sich von Gdańsk /Danzig/ bis nach Baltijsk /Pillau/ in Russland, trennt das Frische Haff vom offenen Gewässer der Danziger Bucht (Zatoka Gdańska) und schließt damit die Weichselmündung ab. Es handelt sich dabei um eine weitläufige Sanddüne, die durch die Seewellen gebildet wurde und stellenweise 30 m überschreitet. Einst war sie mit Fischerdörfern bedeckt, die sich mit der Zeit in Ferienorte wandelten. Zu den wichtigsten Städten der Frischen Nehrung gehören Gdańsk, Stegna /Steegen/, Sztutowo /Stutthof/, Krynica Morska /Kahlberg/.

Das Frische Haff bildet eine Bucht, die mit dem Streifen der Frischen Nehrung von der Ostsee getrennt wird. Durch das Gewässer verläuft die Grenze zwischen Polen und der Russischen Föderation. Der nationale Teil des Gewässers, der zu Polen gehört, umfasst 382 km².

Die Elbinger Höhe (Wysoczyzna Elbląska) ist eine Moränenkaupe im Danziger Küstenland (Pobrzeże Gdańskie), die mit ihren steilen Rändern in Richtung des Weichselwerders, des Frischen Haffs und des Ermländischen Flachlands (Równina Warmińska) weist. Der höchste Punkt der Anhöhe ist der Silberberg (Góra Srebrna), der 198,5 m hoch ist. Zu den wichtigsten Ortschaften dieses Gebiets gehören: Elbląg, Frombork, Tolkmicko, Kadyny /Cadinen/, Suchacz.