Vom Reichtum und von der Verbundenheit der ehemaligen Pommernbewohner an den Wohlstand zeugen vor allem die bis heute aufbewahrten Bürgerhäuser sowie die Patritzenhäuser und –sitze. Gdańsk (Danzig) war unter dieser Hinsicht ein besonderer Ort, an dem die Bürgerhäuser einen der wertvollsten Bestandteile der Stadtarchitektur schufen. Die reichen Bewohner Danzigs bauten ihre Häuser mit besonderem Schwung und nahmen dabei die Dienste der berühmtesten Architekten und Bildhauer in Anspruch. Vom Ausmaß dieser Unternehmung kann die Tatsache zeugen, dass die polnischen Könige, die die Stadt am Fluss Motława (Motlau) besuchten, die Patritzenhäuser bewohnten, weil sie oft viel bequemer als die für die Könige bereitgestellten Gebäude (z.B. das Grüne Tor) waren. Somit können wir in Danzig die wundervollsten Beispiele von Bürgerhäusern landesweit bewundern. An interessanten historischen Häusern fehlt es auch nicht in anderen Städten: in Słupsk (Stolp), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) bzw. Wejherowo (Neustadt). Ein spezifisches Beispiel ist dagegen Gdynia (Gdingen), wo fast die ganze Innenstadt mit monumentalen, modernistischen Bürgerhäusern aus den 20-ger und 30-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bebaut ist. Heute stellen sie ein großartiges Beispiel von diesem Stil europaweit dar. Zu erwähnen ist auch die Kurortarchitektur in Sopot (Zoppot) und Ustka (Stolpmünde), wo die eklektischen und Sezessionsgebäude ein einzigartiges Klima schaffen.


     Besichtigt man die pommerischen Städte, lohnt es sich auf die interessanten, oft einzigartigen Wohngebäude aufmerksam zu werden, die raffinierten Verzierungen und architektonischen Details zu entdecken, die einzelnen Stils zu erkennen und wie die Menschen über Jahrhunderte gelebt haben zu erfahren.

Vorlaubenhaus Löwenhof (Lwi Dwór)

Adresse:

Ul. Trakt Św. Wojciecha 297

80-009 Gdańsk

Der Löwenhof ist das älteste Vorlaubenhaus im Werder, das im Stadtviertel Lipce /Guteherberge/ gelegen ist. Seine Entstehung wird auf das Jahr 1600 datiert.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der breite Laubengang, der neun Pfeiler aufweist. Im Werdergebiet herrschte einst der Brauch, den materiellen Status durch eine möglichst große Anzahl von Pfeilern darzustellen. Das bedeutet, dass der Eigentümer des Löwenhofs ein vermögender Mensch war. Die Lage dieses wertvollen historischen Objekts in der verkehrsstarken Straße ist leider unvorteilhaft. Die Straße liegt fast am Laubengang und die Straßenschwingungen infolge der durchfahrenden Fahrzeuge wirken sich negativ auf die Stabilität der Holzkonstruktion des Hauses aus.


Das Haus befindet sich gegenwärtig in privater Hand, was es vor der Vernichtung bewahrte. Der Hauseigentümer hatte vor ein paar Jahren die an ihm erforderlichen Restaurierungsarbeiten durchgeführt, um in der Zukunft dort ein Wirtshaus einzurichten.


tłum. EuroInterpret D. Moser