In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Westerplatte

Westerplatte

     Der kleine Landstreifen, der nicht vor allzu langer Zeit durch Weichsel- und Meeresströmungen geschaffen wurde, ist ein Ort, von dem jeder im Zusammenhang mit dem Ausbruchs des 2. Weltkriegs schon Mal gehört hat. Er hat aber eine etwas weiter zurückreichende und sehr interessante Geschichte.

Die heutige Westerplatte, ein Stück Festland, das nach und nach über Jahrhunderte aus dem Wasser herauswuchs, war zunächst nur ein Teil von einer ganzen Reihe kleinerer und größerer Inseln, die in ständiger Bewegung waren und über mehrere Jahrhunderte hinweg auftauchten und wieder verschwanden. Natürliche Prozesse, die charakteristisch sind für den Bereich eines großen Flusses, der ins Meer mündet, sowie aktives menschliches Bemühen, um diesen Prozessen entgegenzuwirken, führten mit der Zeit zur Entstehung zweier großer Inseln auf beiden Seiten der Weichselmündung. Flache sandige Landstreifen wurden in Danzig als "Platten" bezeichnet. Die zwei Inseln wurden einfach Ostplatte und Westplatte genannt. Mit der Zeit hat sich die Ostplatte mit dem Festland im Bereich der Festung Weichselmünde verbunden und ist somit als Insel verschwunden. Es blieb die Westplatte übrig, die schon damals als "Westerplatte" bezeichnet wurde.


In den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde auf der bereits waldbedeckten Insel ein Strandbad eingerichtet, das schnell zu einem der Lieblingsausflugsorte der Danziger avancierte. Es gab zwar zu diesem Zeitpunkt bereits den Badestrand und Kurort Zoppot, es fehlte jedoch an guten Verbindungsmöglichkeiten zwischen ihm und Danzig. Die Westerplatte dagegen konnte man vom Stadtzentrum aus schnell und relativ bequem über den Wasserweg erreichen.


Der Badeort Westerplatte war letztlich auch eine "Miniausgabe von Zoppot", es fehlte nämlich an nichts, was man von einem Kur-und Badeort des 19. Jahrhundert erwarten würde. Es gab ein Café, ein Restaurant, Pensionshäuser, Männer-, Damen- und Familienbäder, ein Seesteg und eine Heilwasseranstalt. Bald nach der Entstehung der Kurinfrastruktur auf der Insel Westerplatte, wurde die alte Weichselmündung zugeschüttet, wodurch die Insel zu einer Halbinsel wurde. Als Kurort funktionierte die Westerplatte bis zum Ende des 1. Weltkriegs, nach dem sie trotz Proteste des Danziger Senats und der Danziger selbst, Polen zugesprochen wurde, um dort ein Depot für Waffen und Munition einzurichten. Die Einrichtung hat die Westerplatte vom Danziger Stadtgebiet getrennt.


Die bewegendsten Momente für die Westerlplatte brachten die 30-er Jahre des 20. Jhd. mit sich, als dunkle Wolken über Europa aufzogen, die den unabwendbaren Krieg ankündigten und die polnische Regierung dazu bewegten, die Halbinsel insgeheim für ihre Verteidigung vorzubereiten. Unter Wahrung größter Verschwiegenheit wurde in einigen Jahren vor dem Ausbruch des 2. Weltkriegs ein herausragender Plan der Umwandlung des Lagergeländes in eine perfekt geplante Feldfestung umgesetzt. Die Qualität des Projekts und seiner Durchführung sowie die Kampfleistung der Stützpunktmannschaft wurden während der sechs langen Tage der Verteidigung im September 1939 unter Beweis gestellt. Die Einstellung der Verteidiger und ihre Effizienz angesichts der hoffnungslosen Lage während der Verteidigung des polnischen Stützpunktes begannen noch vor seiner Aufgabe eine Legende zu werden.


Die Westerplatte ist unterteilt in den Hafenbereich, den militärischen Stützpunkt und das Museum des Kampffeldes und verwandelt sich langsam aus dem in den 60-er Jahren des 20. Jh. eingerichteten Mausoleum in ein interessantes Freilichtmuseum, das zwar weiterhin zum Pflichtprogramm der Ausflüge in Danzig gehört, aber sich gleichzeitig ständig hinsichtlich seiner Freilichtausstellungen, die ganzheitlich die Geschichte der Halbinsel und nicht nur die Kriegsepisode behandeln, weiterentwickelt.

Übers. EuroInterpret - D. Moser

Foto: Dep. Turystyki, UMWP