Vom Weihnachtsmann bis Christmette. Weihnachten im Werder, in der Kaschubei und in Kociewie.

Vom Weihnachtsmann bis Christmette. Weihnachten im Werder, in der Kaschubei und in Kociewie.

Eine lustige Gruppe Sternsinger mit einem Weihnachtsmann hinter einer Kalbsledermaske, das Warten auf den ersten Stern am Himmel, 12 Weihnachtsgerichte auf dem Tisch… . Weihnachten und die Vorfreude auf den besonderen Moment des Jahres, das ist die Zeit der Bräuche und Sitten, die in der Kaschubei, in Kociewie und im Werder mit besonderer Hingabe gepflegt werden.

Das große Erwarten auf Weihnachten fällt in die besondere Adventszeit – lateinisch „Ankunft”. Es ist die Zeit, in der die Bauern ihre Arbeit niederlegen, die Landfrauen zupfen keine Federn und spinnen keine Leinfaser mehr, dafür bereiten sich alle zusammen vor auf die Ankunft des Sohn Gottes. Im Werder schlachtete man Schweine und bereitete sorgsam die Traditionsgerichte zu. In den Werder-Küchen dufteten Lebkuchen- und Zuckerkugeln oder Krapfen mit Rosinen.  In der Kaschubei blubberte im Topf die traditionelle Suppe aus Trockenfrüchten (poln. zupa brzadowa) und in Kociewie warteten die Naschkatzen auf die mit Pilzen gefüllten Heringe.

Foto:konkolpolny.pl

Advent ist auch die Zeit des Gebets, der Besinnung und der auf dem Brummbass gespielten Weihnachtslieder. Das Instrument wird aus einem kleinem Fass gemacht, dessen Unterseite mit Leder bespannt wird, und aus dem Loch in der Mitte ein Pferdeschwanz heraushängt. Die Brummbassspieler propagieren damit die kaschubischen Weihnachtslieder. Lieder, die die Geburt Christi loben erklingen auch im Werder und in Kociewie, jedoch meistens in moderner Aufmachung.

Weihnachtsmann verteilt Geschenke

Kaschubische Kinder kannten keinen Nikolaus und warteten am 6 Dezember auf den Sternmann. Es war eine geheimnisvolle und nicht gerade junge Person, die einen Pelzmantel mit einem Strohgürtel zugeschnürt trug. In der Hand trug er eine Peitsche, auf dem Kopf hatte er ein Mütze und auf den Füssen Gummistiefel.  Sein Gesicht versteckte sich hinter einer Maske aus Kalbsleder. Der Sternmann, ähnlich dem Nikolaus, brachte den Kindern Geschenke. Natürlich nur für die braven Kinder. Die unartigen bekamen eine Rute.

Fröhliche Sternsinger

Die Adventszeit ist auch für das fröhliche Wandern der Sternsinger bekannt. Das Werder, die Kaschubei, das Kociewie – überall dort konnte man (und kann es auch heute noch) vom 8 Dezember an (dem Tag der Unbefleckten Empfängnis Marias) die Sternsinger antreffen. Sie sind die Anführer der lustigen Gruppen von als Tiere wie Ziege, Ziegenbock, Storch und Stier bis hin zu Engeln und Teufel verkleideten Menschen. Den Umzug schließt immer der Tod mit der typischen Sense. In Begleitung mehrerer Musikanten gehen sie singend, tanzend und Streiche machend vom Haus zu Haus und vom Hof zu Hof. Sie besuchten jeden und garantierten ihm damit Wohlergehen im kommenden Jahr. Selbstverständlich machten sie es nicht umsonst. Sie erwarteten im Gegenzug eine kleine Gabe bzw. eine Weihnachtsleckerei.

Weihnachtsessen

Die Krönung der Adventszeit ist der Heiliger Abend. Das Weihnachtsabendmahl am 24 Dezember ist ein besonderes Fest in jedem Haus in der Kaschubei, im Werder und in Kociewie. Der festlich geschmückte Tisch mit Stroh unter der Tischdecke erinnert an die Krippe, in die Maria das Kind Jesu gelegt hatte und symbolisiert den Reichtum der Feldfrüchte im kommenden Jahr. Der Hausherr darf dabei das Anschüren des Hauskamins nicht vergessen - das neugeborene Kind muss sich ja aufwärmen!  Der freie Platz am Tisch ist für den erschöpften Wanderer gedacht, der jederzeit an der Tür anklopfen kann.
Auf den Tisch kommen 12 traditionelle Gerichte. Darunter vor allem Fische, Nudeln mit Mohn, Kraut und Pilzen, Borschtsch und Pilzsuppe. Alles ohne Fleisch, denn die Fastenzeit ist erst am ersten Weihnachtsfeiertag zu ende.
Wenn am Himmel der erste Stern erscheint, brechen alle miteinander eine Oblate und tauschen ihre Weihnachtswünsche aus als Zeichen christlicher Einheit. Dieser Brauch knüpft an die seit dem XVIII Jhd. in der Kaschubei üblichen Flammkuchen, die mit wenig Salz und ohne Sauerteig gebacken und als Beilage zum Salzhering gegessen wurden. Anschließend werden gemeinsam Weihnachtslieder gesungen: "Cëchô noc", "Gwiôzdeczko, Biżaha", "Jezusku", "Wesoła nowina" – um nur die bekanntesten in kaschubischen Häusern zu nennen.

Aber der Heilige Abend ist ja nicht nur für Menschen ein Fest. An dem Tag werden auch Tiere mit besondere Fürsorge umgeben.  Der Bauer mistete den Stall aus und die Kühe genossen die Krümeln des Weihnachtsbrotes. Christen glauben doch daran, dass am 24 Dezember die Tiere menschliche Stimme bekommen. Wenn man sie mit Leckereien motiviert, werden sie mit Sicherheit einige interessante Geschichten erzählen.
Nach dem Weihnachtsessen kommt der Weihnachtsmann mit Geschenken. Jedoch immer öfter tauscht er seine Arbeit mit dem Hl. Nikolaus, der die Geschenke unter den Tannenbaum legt.
Interessanterweise verteilt in den traditionsreichsten Häusern des.