In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Rechtsstadt

Rechtsstadt

     Die Rechtsstadt stellt den repräsentativsten Teil von Danzig. Der nach dem Krieg wiederaufgebaute unschätzbare Architekturkomplex offenbart die einstige Größe von Danzig, als der im 16. und 17. Jahrhundert reichsten Stadt des Königreichs Polen und einem mächtigen Handels-, Wissenschafts- und Kulturzentrum des damaligen Europas.

Vom Reichtum des einstigen Danzig zeugen herausragende architektonische Bauwerke, wie etwa: Rechtsstädtisches Rathaus (Ratusz Głównego Miasta), Marienkirche, Artushof oder Langgasser Tor (Złota Brama). Heute lockt die Rechtsstadt (Główne Miasto) vor allem Unmengen an Touristen an, die die Magie dieser Stadt verspüren möchten.

Das, was in vielen historischen Städten Polens als Altstadt bezeichnet wird, stellt in Danzig die Rechtsstadt. Dies ist wahrscheinlich der einzige Fall weltweit, wo der älteste Teil der Stadt nicht mit der Altstadt gleichgesetzt wird. Die Altstadt ist der Stadtteil, wo sich u.a. die Katharinenkirche, die Große Mühle oder das Handelszentrum Madison befinden. Dagegen umfasst die Rechtsstadt das Gebiet der Langgasse (Długa), des Langen Markts (Długi Targ) und ihrer Umgebung.

Die wichtigste Kommunikationsachse dieses Stadtteils stellen die Langgasse und der Lange Markt. Seit Jahrhunderten ist das die repräsentativste Danziger Meile. Hier lebten die vermögendsten Stadteinwohner in ihren stattlichen Bürgerhäusern. Hier fuhren polnische Könige mit ihrem Gefolge in die Stadt ein. Das wichtigste Bauwerk des Königswegs ist das Rechtsstädtische Rathaus mit einem 80 m hohen Turm, der die Stadt überragte. Der Lange Markt stellt den Salon der Stadt, wo sich der prunkvolle Artushof sowie eines der Wahrzeichen der Stadt - der Neptunbrunnen, wie auch das manieristische Grüne Tor (Zielona Brama), das den Eingang zum alten Hafen an der Mottlau bildet, befinden. Entlang des Flusses führen Lange Brücke (Długie Pobrzeże) und Fischbrücke (Rybackie Pobrzeże), die heute als Spaziermeile mit zahlreichen Restaurants und Cafés dient.

Das Straßennetz der Rechtsstadt erinnert an ein Schachbrett, alle Straßen kreuzen sich miteinander im rechten Winkel. Die restlichen Hauptstraßen sind parallel zum Königsweg angelegt, führen zur Mottlau und werden mit mittelalterlichen Wassertoren abgeschlossen. Die schönste unter ihnen stellt die Frauengasse (Mariacka) mit ihren charakteristischen Beischlägen und Bernsteingalerien, sie gilt als eine der reizvollsten Gassen in Europa. Die Jopengasse (Piwna) ist eine Spaziermeile voller Touristen und zahlreicher Biergärten und wird in der Sommersaison neben der Langgasse und dem Langen Markt zur wichtigsten Arterie der Stadt.

Sie beginnt mit der stattlichen manieristischen Fassade des Großen Zeughauses (Wielka Zbrojownia) und wird mit dem mächtigen Turm der Marienkirche, der größten Backsteinkirche der Welt, abgeschlossen. Etwas gemütlicher geht es in der Heilige-Geist-Gasse (Św. Ducha), wo sich die Königliche Kapelle befindet, und in der Johannisgasse (Świętojańska) mit ihren zwei Kirchen, der Nikolaikirche und der Johanniskirche, zu. Etwas vergessen (ungerechtfertigterweise) ist die Hundegasse (Ogarna), die mit dem gotischen Kuhtor (Bramia Krowia) abgeschlossen wird. Der Kohlenmarkt (Targ Węglowy) ist dagegen ein Ort zahlreicher Konzerte und Kulturveranstaltungen, der vom Stockturm (Wieża Więzienna) mit dem Peinkammer (Katownia) überragt wird. In direkter Nachbarschaft erhebt sich das Hohe Tor (Brama Wyżynna), das die monumentale Eröffnung des Königswegs bildet. Gegenwärtig befindet sich hier das moderne Zentrum für Touristische Information der Wojewodschaft Pomorskie.

Übers. EuroInterpret - D. Moser