Südkaschubei. Das Land der Hügeln und Seen

Von Seen und Hügeln bis zu den Mohnwiesen und den rasenbewachsenen Tälern. Vom klassischen Tabak bis zur Kaschubischen Erdbeere. Von der alten kaschubischen Hütte bis zu den zahlreichen Museen, die uns die reiche Tradition dieser Region näher bringen. Die südliche Kaschubei, das Gebiet zwischen Żukowo und Przechlewo, begeistert mit ihrer Landschaft und Kultur.

Die südliche oder die nördliche Kaschubei? Würde man die Frage den Kaschubei-Fans stellen, könnten sie sie gar nicht beantworten. Es sind zwei völlig unterschiedliche Gebiete mit unvergleichbarer Geschichte und unterschiedlicher Natur.

Die Kaschubische Schweiz

Die Kaschubische Schweiz – so nennt man das zentrale Gebiet der Kaschubei. Der Name ist kein Zufall. Es ist der Teil mit dem facettenreichsten Gelände, voller Hügeln und Seen. In der Nähe von Turmberg (Wieżyca) befindet sich die höchste Erhöhung der Norddeutschen Ebene (329 m über dem Meeresspiegel). Hier befindet sich auch der Kaschubischer Landschaftspark mit seinen Tannen-, Buchen- und Fichtenwäldern, den besonderen Vogelarten (Säger, Raufußkauz), Fledermäusen und gar der Kreuzotter. Durch die Kaschubische Schweiz verläuft die Rote Route, die jedes Jahr von Wanderern als auch von Radfahreren zurückgelegt wird. Im Winter wird die Gegend um Turmberg zum Traumgebiet für Skifahrer.  Im Sommer dagegen lohnt es, auf den Turmberg zu gehen und vom dortigen Aussichtsturm die Gegend zu bewundern.

Foto: Kaszubski Park Krajobrazowy, M.Karczewska

Die Kaschubische Schweiz ist jedoch nicht nur eine hügelige Landschaft mit Seen. Sie ist auch Kultur und Tradition, die man hier auf Schritt und Tritt sieht. Die Ortsnamen werden hier in zwei Sprachen geschrieben, der polnischen und der kaschubischen. Überall hier man auch die Kaschubische Sprache, eine Mischung aus dem Polnischen und Deutschem. Es ist schwer zu verstehen, was uns ein Kaschube sagt. Zum Glück sind die Leute hier freundlich und bei Unklarheiten übersetzen sie gerne.

Hauptstadt der Kaschubei

Und Welch Stadt ist die Hauptstadt der Kaschubei? Das weißt niemand, denn seit Jahren sind die Meinungen diesbezüglich geteilt. In der Regel nimmt man jedoch an, es sei Karthaus, obgleich es viele gibt, die für Berent plädieren. Und wenn wir nach Danzig reinfahren, sehen wir neben dem Ortseingangsschild die Aufschrift in Kaschubischer Sprache: Danzig, die historische Hauptstadt der Kaschubei! Und wie soll man daraus schlau werden?

Foto: UM Kościerzyna

Unumstritten ist jedoch die Tatsache, dass Karthaus – die Stadt, die an vier Seen liegt- eine der Städte ist, die am meisten die kaschubische Kultur pflegt. Bereits vor dem II Weltkrieg war Karthaus das Zentrum der Kaschubischen Schweiz. Touristen besuchten die Stadt das ganzer Jahr über, besuchten die Stiftskirche und schwammen in den vier Seen. Heute gibt’s hier das Kaschubische Treder-Museum mit einer Sammlung zum Thema Geschichte und Kultur.

Kaschubien - Kultur, Bräuche, Tradition

In der Gegend um Karthaus, im Kaschubischen Landschaftspark, befindet sich Chmielno. Eine kleine Ortschaft, die unter den Wassersport- und …. den Porzellanliebhabern sehr beliebt ist. Seit Generationen funktioniert hier die Töpferei der Familie Necel. Und so produziert von Hand die Familie bis heute traditionelle kaschubische Vasen, Tischgedecke und Schüsseln mit typischen für die Region Mustern: Tulpen, Lilien, Fischschuppen und dem Kaschubischen Stern.

Diese Verzierungen sind zugleich traditionelle Glasmalerei- und Stickereimotive in der Kaschubei. Es gibt über zehn Kaschubische Stickereischulen, deshalb je nachdem, wo wir uns gerade befinden, unterscheiden sich die Muster voneinander.

Auf der Weiterreise ins Innere der Region, an Berent (Kościerzyna) vorbei, mit seiner restaurierten Altstadt und der Alten Brauerei, kommen wir  nach Wdzydze Kiszewskie. Es ist ein touristischer Anziehungspunkt, Paradies für Wasserliebhaber und Geschichtsfans. In Wdzydzen, das am Gołuń-See gelegen ist, befindet sich auch seit 1906 das älteste ethnografische Freilichtmuseum Polens.

Foto: Jezioro Wdzydze

Die Südkaschubei hypnotisiert und begeistert. Sie ist die Liebe auf den ersten Blick und wer sie ein Mal lieben lernt, wird sie ein Leben lang lieben.

Schnupftabak und Hornhandwerk

Schnupftabak und Hornhandwerk

Dem kaschubischen Aberglauben nach ist alles Böse ein Teufelswerk, deswegen schrieb man den Tabakanbau den Mächten der Finsternis zu. Die Tabakpflanze war leicht anzubauen und dadurch wurde die Vielfalt von diesen Sträuchern beängstigend vergrößert.    

Laut historischer Quellen kam der Schnupftabak nach Pommern im 18. Jahrhundert durch Handelskontakte mit Westeuropa, aber auch dank dem Adel und Klerus, da das Schnupfen von Tabak unter Vertretern beider Stände in Mode war. Bei den Kaschuben war diese Pflanze sehr beliebt, trotz der Tatsache, dass Schnupftabak größtenteils aus Tabak bestand. Dies hat ihnen das Schnupfen nicht verleidet. Die Kaschuben glauben, dass das Tabakschnupfen gesünder sei als das Tabakrauchen. Sie meinen: "der Mensch habe keinen Schornstein im Kopf, um Rauch auszulassen". Dagegen ist die Nase an das Einatmen richtig gut gewohnt.

Im Grunde genommen ist das "teuflische Kraut" ein Pulver aus den getrockneten Tabakblättern und zusätzlichen geheimnisvollen Zutaten, die im richtigen Mengenverhältnis miteinander vermischt werden. Zuerst hat man geglaubt, der Schnupftabak sollte heilende Wirkung haben. Solche Überzeugung regte die Gesellschaft zum Schnupfen noch intensiver an. Als der Schnupfbrauch populär geworden ist und die Tabakeinnahmehäufigkeit die heilende Wirkung des Schnupftabaks übertroffen hat, begann man zu glauben, dass dieser abhängig machen und der Gesundheit schaden könne.

Das Geheimnis des Schnupftabaks versteckt sich in der entsprechenden Auswahl einzelner Zutaten. Man darf nicht vergessen, dass der nach traditioneller, alter Familienrezeptur selbsterzeugte Schnupftabak viel größere Geschmacksvorzüge und Stärke aufweist als der Schnupftabak, der in Fabrik hergestellt wird. Die Zusammensetzung des selbsterzeugten Schnupftabaks wird vom jeweiligen Inhaber strengstens geschützt. Sie wird auch ihren nächsten Angehörigen nicht verraten. Von der Außergewöhnlichkeitdes traditionellen kaschubischen Schnupftabaks zeugen u.a. junge Kirschblätter, getrocknete Pflaumen, Wacholderbeeren, Bohnen- und Puffbohnenhülsen, aber auch Kaffee, Bernstein und Kräuter, wie Minze, Kamille und Lorbeer.

Zur Erzeugung des Teufelskrautsbrauchte man einen Topf zum Zerkleinern, der von den lokalen Töpfern hergestellt wurde, einen "tabacznik" d.h. einen Knüppel, mit dem die Tabakblätter zerstampft wurden, sowie ein kleines Sieb. Für die zur Erzeugung diesen Knüppel beste Holzart hielt man den Wacholder, denn er mahlte so gut, dass der Tabak an ihm haften blieb. Das letzte Element, das zum Mahlen (kaschubisches "kachlowanie") unentbehrlich war, war ein Sieb, d.i. ein Holzrahmen mit dem auf ihn gespannten Pferdehaar. Mit diesem Sieb siebte man mehrere Male Hopfen durch, wobei zur weiteren Verwendung nur die am besten gemahlenen Pflanzen genommen wurden. Pulverisierte Blätter gewannen an Dichtheit durch ein 24-28 stündiges Bad in einem speziellen Extrakt, nachdem der Stoff über ein vorzügliches Aroma verfügte. Der Schnupfbrauch war so populär, dass sogar der Pfarrer vor der Predigt einen Schnupfzug zu nehmen pflegte. Dann brachte er die Tabakdose in Umlauf und begann zu predigen.

Und wie hat man das Schnupftabak aufbewahrt?In einem Behälter durfte man keine große Mengen aufheben, von denendann kleinere Mengen für den Tagesbedarf entnommen wurden, weil der so aufbewahrte Tabak seine Stärke verlor. Man schüttete also den Tabak in kleinere Behälter um, von denen dann erst geschnupft wurde. Der Schnupftabak war ein wertvolles Geschenk und deswegen sollte er nicht in einem gewöhnlichen Behälter aufbewahrt werden. Das spornte die Hornhandwerker zur Arbeit an. Man begann, gebogene Hörnchenzu erzeugen, die jeder Kaschube schätzte.

Für die Erzeugung der Hörnchen waren nicht nur große Fähigkeiten und Präzision des Handwerkers erforderlich, sondern auch gute Idee für die Form des Tabakbehälters.Als Material dienten am meistens einige Zentimeter lange Kuhhörner. Sie wurden mehrere Stunden lang im Wasser aufgeweicht und daraufhin in einem Schraubstock abgeflacht. So wurde an der endgültigen Form gearbeitet. Nach dem Erstarren des Materials wurden verschiedene Verzierungen vom Hornhandwerker geschnitzt, gebohrt und poliert. Die schönsten Tabak-Hörnchen nahmen an ihrer Spitze die Form einer Tulpe, eines Vogel- oder Fischkopfs oder gar eines Schweinerüssels an. Genau aus diesem "Schnabel" wurde eine entsprechende Schnupf-Portion entnommen. Aus den Hörnern wurden auch sogenannte "dozy" hergestellt, d.h. abgeflachte, längliche Dosen aus dem unteren Teil des Kuhhorns, mit einem Verschluss in Fischform.

Die Horntabakdosen mit den schönsten Formen werden von den Kaschuben üblicherweise an den größten Feiertagen verwendet. Im Alltag tragen die Kaschuben mit sich weniger prachtvolle Behälter - jeder echte Kaschube hat in der Tasche immer das teuflische Kraut.