Die historischen Rathäuser, die Bahnhöfe, die Schulen oder die ehemaligen Behördengebäude sind Bauten, die einst eine repräsentative Funktion erfüllten. Einst mit großem Schwung gebaut, sollten sie den Rang und den Wohlstand der Stadt zeigen, und häufig an ihre charakteristischsten Denkmäler anknüpfen. Vor allem sollten sie aber den Menschen dienen und viele davon erfüllen diese Funktion immer noch. In Pommern finden Sie Beispiele von wirklich besonderen Bauten. Das von 1900 stammende Gebäude des Danziger Bahnhofs ist ein Architekturwerk aus der europäischen Spitze in seiner Kategorie; ähnlich wie das gotisch-renaissance Rathaus der Hauptstadt oder das Gebäude der Technischen Universität. Doch die wunderbare Architektur ist nicht nur in Gdańsk (Danzig) zu bewundern. Die Rathäuser in Chojnice (Konitz), Lębork (Lauenburg), Wejherowo (Neustadt), Tczew (Dirschau), Słupsk (Stolp)oder die sorgfältig erneuerten Bahnhöfe in Gdynia (Gdingen) und Malbork (Marienburg) sind nicht nur regional gesehen echte Perlen der Architektur.

 

     Sehen Sie, wie die historischen öffentlichen Gebäude aussehen, entdecken Sie ihre Geheimnisse, schauen Sie herein, halten Sie für eine Weile inne, Sie nutzen sie doch alltäglich.

Altstädtisches Rathaus in Danzig

Eine Perle des niederländischen Manierismus des herausragenden Danziger Baumeisters Anton van Obberghen.

Es wurde in den Jahren 1587-1594 als neuer Sitz der Verwaltungsbehörde der Altstadt errichtet. In den Jahren 1641-1687 amtierte hier Johannes Hevelius, zunächst als Schöffe, später als Ratsherr. Das Rathaus hat glücklicherweise den 2. Weltkrieg, als einziges Gebäude der Pfefferstadt überstanden. Leider sind unweit gelegene Häuser, die Hevelius gehörten und wo sich das Observatorium und die Arbeitsräume des berühmten Astronomen befanden, nicht erhalten geblieben. Der Baukörper des Rathauses zeichnet sich durch eine Leichtigkeit aus, die durch einen filigranen Turm unterstrichen wurde und an den Turm des Schlosses Kronborg in Dänemark anknüpft. Die erhaltenen Elemente der Inneneinrichtung stammen von unterschiedlichen Danziger Bürgerhäusern. Das schöne Portal in der unteren Diele stammt aus dem Haus in der Langgasse 28. Es wurde 1517 erbaut und ist das älteste Renaissanceportal in Danzig. Am schönsten präsentiert sich die obere Diele, deren Wände mit authentischen Kacheln aus Delpht verziert wurden.

Die Decke schmückt ein Plafond mit Bildern aus dem 17. Jahrhundert von der Malerwerkstatt von Hermann Hahn, der ebenfalls aus einem anderen Haus hierher verlegt wurde. Die fein verzierte steinerne Arkade von 1560, welche die Südwand der Diele schmückt, wurde aus dem Haus in der Langgasse 45 hierher verlegt. Direkt von der Diele gelangt man zum Bürgersaal, wo einst das Gericht tagte. Heute finden hier Konzerte, Konferenzen und andere Kulturveranstaltungen statt. Die Wände werden von einem kostbaren Zyklus von 12 Sibyllen von Adolf Boy geschmückt, der auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts datiert wird. Eine wertvolle Inneneinrichtung weist auch das Arbeitszimmer des Bürgermeisters auf, wo sich ein Plafond aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert befindet. Aufmerksamkeit verdient auch das Relief an der Tafel im Eckbereich der Frontfassade. Es wird angenommen, dass es den Rathausarchitekten - Anton van Obberghen darstelle.


tłum. EuroInterpret D. Moser