Vom Reichtum und von der Verbundenheit der ehemaligen Pommernbewohner an den Wohlstand zeugen vor allem die bis heute aufbewahrten Bürgerhäuser sowie die Patritzenhäuser und –sitze. Gdańsk (Danzig) war unter dieser Hinsicht ein besonderer Ort, an dem die Bürgerhäuser einen der wertvollsten Bestandteile der Stadtarchitektur schufen. Die reichen Bewohner Danzigs bauten ihre Häuser mit besonderem Schwung und nahmen dabei die Dienste der berühmtesten Architekten und Bildhauer in Anspruch. Vom Ausmaß dieser Unternehmung kann die Tatsache zeugen, dass die polnischen Könige, die die Stadt am Fluss Motława (Motlau) besuchten, die Patritzenhäuser bewohnten, weil sie oft viel bequemer als die für die Könige bereitgestellten Gebäude (z.B. das Grüne Tor) waren. Somit können wir in Danzig die wundervollsten Beispiele von Bürgerhäusern landesweit bewundern. An interessanten historischen Häusern fehlt es auch nicht in anderen Städten: in Słupsk (Stolp), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) bzw. Wejherowo (Neustadt). Ein spezifisches Beispiel ist dagegen Gdynia (Gdingen), wo fast die ganze Innenstadt mit monumentalen, modernistischen Bürgerhäusern aus den 20-ger und 30-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bebaut ist. Heute stellen sie ein großartiges Beispiel von diesem Stil europaweit dar. Zu erwähnen ist auch die Kurortarchitektur in Sopot (Zoppot) und Ustka (Stolpmünde), wo die eklektischen und Sezessionsgebäude ein einzigartiges Klima schaffen.


     Besichtigt man die pommerischen Städte, lohnt es sich auf die interessanten, oft einzigartigen Wohngebäude aufmerksam zu werden, die raffinierten Verzierungen und architektonischen Details zu entdecken, die einzelnen Stils zu erkennen und wie die Menschen über Jahrhunderte gelebt haben zu erfahren.

Königliche Häuser

Die Königlichen Häuser, die nach dem 2. Weltkrieg wiederaufgebaut wurden, eröffnen den Długi Targ (Langer Markt), von ihren Fenstern aus eröffnet sich die schöne Aussicht auf den Neptunbrunnen und den Artushof.

Diese vier ersten Gebäude auf der rechten Seite des Langen Marktes stellten den Sitz der polnischen Könige, wenn sie Danzig besucht haben: Sigismund III.Vasa (er weilte hier 7 Mal), Wladislaus IV. Vasa, Johannes Kasimir, Johannes III. Sobieski, August II., Stanislaus Leszczyński.

Das Haus Nr. 1, ein historisches Objekt mit seiner klassizistischen Fassade war üblicherweise für die Hofdamen bestimmt. Das eigentliche Königsquartier stellte das Renaissancehaus Nr. 2, oder besser gesagt, sein Obergeschoss. Hier gebar im Jahre 1677 Königin Maria ihrem königlichen Gatten Sobieski seinen Sohn, Prinz Alexander. Die Gebäudespitze ist mit einer Neptunfigur geschmückt. Bemerkenswert ist auch der vor dem Eingang befindliche Beischlag, der mit einem Gitterwerk und mit zwei senkrechten Steinplatten aus dem 16. Jahrhundert geschmückt ist. Die Fassadenausgestaltung ist wahrscheinlich das Werk von Andreas Schlüter, dem königlichen Hofbildhauer.

Zur Jahrhundertwende vom 17. zum 18. Jahrhundert gehörte das Bürgerhaus dem königlichen Postmeister - Franz de Grata. Später ging das Haus in den Besitz der Familie Rosenberg, einer bekannten Danziger Patrizierfamilie über, die hier eine Privatbibliothek mit über 22 Tsd. Volumina eingerichtet hat. Während des Aufenthalts des Königs wurde die Diele des Hauses zum Thronsaal, der mit der Diele des Bürgerhauses Nr. 3, die als Speiseraum und Gerichtssaal diente, über einen zusätzlich geschaffenen Übergang verbunden wurde.

Im Haus Nr. 4, dessen Fassade von 1630 stammt, haben in der Regel königliche Ärzte und Mitglieder des Hofstaats gewohnt. Am Beischlag des Bürgerhauses wurden ebenfalls schmückende Steinplatten aus dem 18. Jahrhundert angebracht, die ein von den Wellen hin und her geschleudertes Schiff sowie den auf die glückliche Rückkehr des Schiffs wartenden Schiffseigentümer darstellen.


tłum. EuroInterpret-D. Moser