Heiliger SEERÄUBERBerg

Heiliger SEERÄUBERBerg

Wilde Natur, wunderbare Ausblicke, Seeräuber, Teufel und versteckte Schätze – heiliger Berg der Slovinzen und seine Geheimnisse.

Aus einer Entfernung sieht der Berg einem Vulkankegel zum Verwechseln ähnlich, der hoch über milde, kaschubische Landschaft hinausragt. Steht man am Fuße des Berges, erscheint dieser als gewaltige Grünmasse, die mit hohen Tannen und uralten Buchen dicht bewaldet ist. Der heilige Berg der Slovinzen Rowokół ist aus zwei Gründen bekannt: Dort herrschen atemraubende wilde Natur und alte Legenden, die Phantasie der Bewohner umliegender Dörfer und zeitweiliger Besucher beleben.

 

Wilde Natur am Fuße

Am Morgen in Nebel gehüllt und am Abend geheimnisumwittert erheben sich die Berghänge mild bis auf die Maximalhöhe von 115 Meter ü.d.M. Ihre fast ganze Fläche wird durch einen Wald bedeckt, der ein Naturreservat bildet. Das ist eine eigentümliche Visitenkarte eines benachbarten, sich am Meer in der Form eines breiten Bandes erstreckendes Slovinzer Nationalparkes. Die auf den Hängen der Stirnmoräne geführten Wanderwege hat man so geplant, damit die Touristen auch auf einem kürzesten Spaziergang die Spüren der wilden Bewohner dieser Gegend treffen könnten, z.B. dicke Stämme von Bibern geschnitzt oder Pfade von Rehen und Hirschen getreten

Rowokół, fot. M.Kraszewska

Stürmische Geschichte auf dem Gipfel

Erste Spuren menschlicher Tätigkeit auf den Berg stammen aus dem 9. Jahrhundert, als die uralten Slovinzer hier pflegten, der Feuergottheit dem Swarożyc Ehre zu erweisen. Auf dem südöstlichen Hang von Rowokół haben die Archäologen Überreste kreisförmiger Wälle mit einem großen Opferherd und Tierknochen entdeckt. Um die Wende zum 13. Jahrhundert hatte man auf dem Gipfel Sankt Nikolaus-Kapelle errichtet, die Mściwoj II den Stolpern Ordensbrüdern danach schenkte. Zwei Jahrhunderte später verwandelte sich kleine Kapelle in Marienheiligtum, das als eine von der drei Stationen für Pilger diente. Zur Zeit der Reformation hat man den Bau abgerissen, ein Teil der auf diese Weise wiedergewonnenen Steine hat zum Bau der Kirche in Smołdzino gedient.

Rowokół ist eine der höchsten Anhöhen in diesem Teil der Kaschubei. Hervorragend sichtbar vom Lande und Meer diente er als Orientierungspunkt für Wanderer und Seeleute. Nachts zeigten die Lichter der Lagerfeuer den Weg, bei Tag wurde der Weg mittels der Rauchsäule markiert. Der Leuchtturm in Czołpino übernahm diese Rolle im ausgehenden 19. Jahrhundert. Den Gipfel des Berges schmückt heutzutage eine Aussichtsturm, aus dem sich wunderbares Panorama in allen Richtungen ausbreitet.

Seeräuber, Teufel und Nadel
Immanenten Teil der Geschichte von Rowokół bilden seine Legenden. Laut mancher Überlieferungen ruht im Bergmassiv ein von den ehemaligen Seeräubern verborgener Schatz. Ausganspunkt für räuberische Reisen der Bandemer bildete der Hafen in Rowy. Der Weg zu den Kostbarkeiten sollte durch einen kleinen Kessel unter dem Gipfel führen. Dieser Kessel sollte jedoch vom Teufel bewacht werden. Während der Sonntagsgottesdienstes beginnt er morgens seine Streiche und aus diesem Grunde ist der Berg von dickem Nebel umwoben.

Der Leuchtturm in Czołpino, pomorskie.travel

Laut anderer Legende diente der Berg früher als Unterschlupf für die Räuberbande, die zu den Zeiten vom Fürst Raciborz das Gut hiesiger Kaufmänner plünderten, die Reisenden ausraubten und mit falschen Feuer Schiffe auf Sandbank lenkten. Der Fürst, der früher auch selbst Räuberfahrten unternahm, drückte die Augen beim Handeln seiner Untergebenen zu. Eines Tages hatte es auch ihm am Gold gefehlt, so entschied er sich, die gestohlenen Kostbarkeiten den Räubern wegzunehmen. Der gefangene und gefolterte Räuberanführer verriet den Schatzversteck nicht. Kurz vor seinem Tode offenbarte er nur, dass der Schatz unter einem großen Felsblock ruht. Die einzige Möglichkeit, den Schatz zu erobern, ist die Entfernung einer Nadel, die unter dem Felsblock liegt. Er fügte jedoch nicht hinzu, dass die Nadel mit dem Felsblock eine tödliche Falle für unaufmerksame Sucher ist.

Sehenswertes
Die Umgegend von Rowokół eignet sich hervorragend nicht nur zum eintägigen Ausflug, sondern auch zum längeren Aufenthalt. In dem am Fuße des Berges liegenden Smołdzino ist es wert, die 1632 errichtete St. Trinität-Kirche und Wasserkraftwerk, das in der Nähe von der Mündung des Łupawa-Flusses in den Gardno-See liegt, zu besichtigen. Bevor man zur Exploration der Natur aufbricht, sollte man Naturmuseum des Slovinzer Nationalparkes besichtigen. Seine Ausstellung präsentiert ausführlich Fauna und Flora diesen Teiles der Ostseeküste.

Museum des Slovinzen Dorfes - Kluki, pomorskie.travel

In dem unweit gelegenen Dorf Kluki funktioniert das Museum des Slovinzen Dorfes. Das Leben pulsiert in den alten Bauernhäusern und Bauernhöfen während verschiedener folkloristischen Veranstaltungen und dadurch wird es an das Leben der alten Bewohner erinnert werden.

Wandern wir zu den sandigen Dünen zwischen den Seen Gardno und Łebsko, erblicken wir einen Hügel, der hoch über den Wald an der See hinausragt. Auf dem Gipfel dieses Hügels befindet sich ein Touristen zugänglicher Leuchtturm in Czołpino. Da er beinahe in der Mitte des Slovinzer Nationalparkes steht, bietet er wunderbare Aussicht.

Inspiration für Maler
Den Slovinzer Berg kann man nicht nur während des Besuches in der Woiwodschaft Pomorskie bewundern. Dasselbe kann man im Berliner Brücke Museum tun. Rowokół wurde zum Thema eines 1937 geschaffenen Gemäldes "Lebasee mit Revekol", dessen Autor einer der führenden Vertreter des deutschen Expressionismus ist.

Karl Schmidt-Rottluff, Lebasee mit Revekol, 1934 r.