Und wo trifft sich das alternative Danzig!?

Und wo trifft sich das alternative Danzig!?

Stolze Werftkrane und die mit faszinierenden Geschichten gefüllten alten Hallen der ehemaligen Danziger Werft oder die geheimnisvollen Ecken der Niederstadt (Dolne Miasto) und das imponierende Gelände der Königlichen Gewehrfabrik (Królewska Fabryka Karabinów). Alte, Danziger, postindustrielle Anlagen locken die Stadtaktivisten und werden immer beliebter als Kultur- und Party Locations der Stadt.

Noch vor 17 Jahren arbeiteten hier 17 Tausend Menschen. Die Produktion lief rund um die Uhr und deren Effekte zählten zur Weltspitze.  Die Danziger Werft (Stocznia Gdańska). Ein gigantisches Werk, ein Symbol des Arbeiterpolens und der vergangenen Epoche. Nach jahrelangen und nicht immer für die Danziger Werftindustrie vorteilhaften Veränderungen erfreut sich das ehemalige Werftgelände wieder eines neuen Lebens. Es entstehen hier zahlreiche Kulturprojekte und in Zukunft soll es gar ein neues Wohnviertel werden.

Doch jetzt treffen sich hier Fans der alternativen Unterhaltung, die ihre Freizeit nicht unbedingt im Stadtzentrum in den dortigen Lokalen, Diskotheken und Biergärten verbringen wollen.

Sie bevorzugen eine andere Adresse – die Elektriker Gasse (ulica Elektryków). Hier, wie der Name vermuten lässt, befanden sich früher die Elektrischen Werke der Werft. Die Gasse führt zur der Halle B90, in der einst Ausstattungselemente für Tanker und Collier gebaut wurden. Heute ist B90 ein Konzertsaal, der zu den bestbeschallten Polens gehört. Die Elektrikergasse und B90 bilden eine Einheit mit dem kleinen Unterschied, dass in der Halle Konzerte das ganze Jahr und in der Elektrikergasse die Partys nur in der Sommersaison stattfinden. Es reicht jedoch um abzufeiern, denn das Angebot der Elektrikergasse ist enorm. Jedes Wochenende finden hier Konzerte und DJ-Partys unter freiem Himmel statt. Tanzende Menschenschaaren vor einer postindustriellen Kulisse aus Werftkranen, Gebäuden und Geräten, die einst den Werftarbeitern dienten – eine solche Landschaft findet man sonst nirgendwo in der Stadt und schon das alleine soll Grund genug sein, die Elektrikergasse zu besuchen. Doch es fehlt hier auch nicht tan anderen Initiativen – u.a. die Faulenzer-Sonntagsfrühstücke oder die Nachtmärkte.

Gleich um die Ecke, nicht weit von der ehemaligen Werkstatt von Lech Walesa, befindet sich eine weitere Kultur- und Unterhaltungsstätte, 100cznia – eine Art Containersiedlung. Man findet hier zahlreiche Gastronomiebetriebe und einen Stadtstrand.  Entspannen kann man hier am Tag und in der Nacht. Diese Location funktioniert sieben Tage die Woche und ist eine weitere Alternative für Entdecker untypischer Orte in Danzig.

Dieser Ort ist jedoch nicht nur für Erwachsene gedacht. Der Strand eignet sich hervorragend als Spielplatz für die jüngsten Besucher, während die Eltern in der Zeit auf den Liegen entspannen. Das Projekt 100cznia gilt nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Kultur. Hier wird jedes Jahr zusammen mit der Stadt Danzig der Tag der Vielfalt veranstaltet. Man findet hier auch einen Designer-Laden und eine Boutique vom Jungdesigner Patryk Wojciechowski.

Aber nicht nur das ehemalige Werftgelände kam zum neuen Leben. Eine enorme Verwandlung erlebte auch die Danziger Niederstadt (Dolne Miasto), die langsam zur Erweiterung der Danziger Rechtstadt wird. Hier an der sanierten Weidengasse (ulica Łąkowa) befindet sich die ehemalige Königliche Gewährfabrik und der Innenhof (Podwórko) – eine weitere Initiative zur anderen Freizeitgestaltung in Danzig. Es ist ein Ort für alle Altersgruppen – tagsüber treffen sich hier Familien zum Mittagessen und abends all diejenigen, die den DJ-Rhythmen entsprechend zucken und nicht nur Samstags vom Partyfieber gepackt werden. Im Innenhof werden auch Filmabende und Sonntags Themenmärkte veranstaltet. Den Kultstatus erreichte inzwischen auch der Danziger Pflanzenmarkt, der Aussteller aus ganz Polen lockt. So wie auf dem ehemaligen Werftgelände, so auch in der Niederstadt geht es darum, den alten Industrieanlagen ein neues Gesicht zu verpassen, mit ihnen zu experimentieren und damit neue Treffpunkte für Einwohner und Touristen unter freiem Himmel zu schaffen.

Sowohl die Betreiber von 100cznia als auch die der Elektrikergasse und des Innenhofs betonen, dass sie von der Magie dieser Orte beeindruckt wurden. Es ist ihnen gelungen, originelle und ungezwungene Plätze zu schaffen. Räume, die einen festen Platz auf der Kulturkarte der Stadt bekommen haben.