Gdingen. Hier hört man immer das Möwengeschrei

Es war zu Beginn des XX nur ein Fischerdorf. Die Stadtrechte bekam Gdingen erst vor knapp 100 Jahren im Jahre 1926. Seit dem ist die Stadt eines der interessantesten Beispiele des durchdachten Städtebaus und Anziehungspunkt fier Liebhaber der Moderne. Das ist eben Gdingen, eine Stadt aus Meer und Traumen, wo man überall das Geschrei der Möwen hört.

Die Entstehung Gdingens hatte einen Zweck zu erfüllen. Da Danzig nach dem zweiten Weltkrieg als Freistaat funktionierte und Polen einen Zugang zum Meer und einen modernen Hafen brauchte, setzte man eben auf den Ausbau Gdingens..

Die Stadt entwickelte sich beeindruckend und was wichtig ist, die Entwicklung Dauer auch heute noch an. In Gdingen haben ihre Sitz viele moderne und international Unternehmen. In einem riesigen Glasbau im Stadtteil Redłowo funktioniert der Pommersche Park für Wissenschaft und Technologie.

Eine moderne Stadt, die die Geschichte nicht vergisst

Gdingen ist der zweitgrößte Hafen Polens. Von hier aus starten die Fähren nach Skandinavien und vor 100 Jahren liefen von hier die Linienschiffe nach Amerika aus (darunter die MS Batory), die das Auswandern nach Amerika ermöglichten. Übrigens, haben die Geschichten der Auswanderer die Stadt dazu angeregt, ein Auswanderer-Museum mitten im Hafen in dem ehemaligen Seebahnhof zu eröffnen.

Die Innenstadt von Gdingen ist auch interessant für die Liebhaber des Modernismus. Die Architektur Gdingens ist ein Beispiel dafür, wie man vor 100 Jahren moderne Städte baute, in dem man das Klassische mit der Moderne verband. Zu den interessantesten Objekten gehört u.a. der Komplex der Markthallen aus den 30er Jahren, in dem man auch in der grauen kommunistischen Zeit alles kaufen konnte, vom Gemüse über Jeanshosen, die die Matrosen aus Amerika brachten, bis hin zu den Düften aus China und Perser Teppichen. Hier konnte man praktisch die ganze Welt treffen. Und so pulsiert das Leben auch heute darin.

Open'er und mehr - große Stars an der Ostsee

Gdynia setzt auch auf Kultur. Die junge Generation der Europäer verbindet Gdingen vor allem mit einem der größten Musikfestivals – dem Open'er Festival. Hier sind schon u.a. solche Stars wie Red Hot Chili Peppers, Depeche Mode, Pearl Jam, Rihanna, Coldplay und Radiohead aufgetreten.

Gleichzeitig ist Gdingen die Filmhauptstadt Polens. Hier findet nämlich das Polnische Spielfilmfestival statt und jedes Jahr im September kommen nach Gdingen die größten Stars des polnischen Kinos.

Deshalb funktionieren in Gdingen auch das Gdinger Filmzentrum und die Gdinger Filmschule. Steht auch das größte Musik-Theater Polens.

Um die ganze Stadt von oben zu bewundern, lohnt es sich mit der Bahn auf den Steinberg zu fahren, Denjenigen, die lieber die frische Ostseeluft einatmen wollen, empfehlen wir einen Spaziergang nach Orłowo (Adlershorst), wo man anschließend in der Taverne frischen Fisch essen und danach auf die Steilküste gehen kann. Von dort auch kann man den Blich auf die Danziger Bucht, Zoppot und Danzig genießen.

ORP „Błyskawica“

ORP „Błyskawica“

      Direkt hinter dem Kościuszki Boulevard sieht man am Anfang der Südmole die schlanke Silhouette eines Kriegsschiffs, das überraschend in graublaue Dreiecke bemalt ist. Es handelt sich um den Schiffszerstörer ORP „Błyskawica“, eine lebendige Legende der polnischen Kriegsmarine.

Der Bau von "Błyskawica" wurde begonnen, als über Europa langsam aber immer beunruhigender die dunklen Wolken des voraussichtlichen Konflikts heraufzogen. Den Bauauftrag des neuen Zerstörers für die polnische Kriegsmarine hatte die englische Werft in Cowes bekommen. Die Bau- und Ausstattungsarbeiten wurden fast genau zwei Jahre vor dem Kriegsausbruch beendet. "Błyskawica" und sein Zwillingsschiff "Grom" gehörten seinerzeit zu den schnellsten und modernsten Kriegsschiffen weltweit. Beide waren der Stolz der polnischen Marine und ihre Gefechtstauglichkeit erhöhte etwas das bereits schwankende Gefühl der nationalen Sicherheit. Die Ironie des Schicksals wollte, dass "Grom" und "Błyskawica" nicht einmal ein einziges Geschoss während der Landesverteidigung beim Überfall der Deutschen auf Polen 1939 abfeuern konnten. Ein kontroverser Befehl des Befehlstabs der Kriegsmarine schickte beide Schiffe am Vortag des Kriegsausbruchs nach Großbritannien. Grund für diesen Befehl war die Erklärung, dass auf dem kleinen Gewässer der Danziger Bucht die großen Kriegsschiffe ein einfaches Ziel für einen Bombenangriff der deutschen Luftwaffe bieten würden. Mit dieser Argumentationsweise konnten sich die Marinesoldaten auf den Schiffen, die kämpfen wollten, nicht einverstanden erklären und je schrecklichere Notizen sie über das Radio vernahmen, umso weiter waren sie von ihrem Heimatland entfernt. So begann die große Odyssee der polnischen Kriegsschiffe, im Rahmen deren "Błyskawica" an vielen Orten in Erscheinung getreten ist und an vielen legendären Gefechten und Operationen, wie zum Beispiel bei der Schlacht um Narvik oder der Operation Overlord, teilgenommen hatte. Aus allen Gefechten ging es glücklicherweise unversehrt davon. Nach Polen kam es zwei Jahre nach Kriegsende um weiterhin in der polnischen Kriegsmarine zu dienen und den Ruf des besten polnischen Kriegsschiffs zu genießen. Die großen Tage des "Błyskawica" beendete ein tragischer Zwischenfall, als nach dreißig Jahren Dienst der aus der zersprungenen Rohrleitung im Maschinenraum austretende Dampf sieben Seeleute umbrachte. Eine Renovierung nach diesem Vorfall wurde als nicht rentabel gewertet, aber das festliegende Schiff wurde weiterhin als schwimmende Flugzeugabwehrbatterie genutzt. Vierzig Jahre nach der Kiellegung in der englischen Werft wurde "Błyskawica" außer Dienst gesetzt und liegt seitdem in seiner Funktion als Museumsschiff vor der Südmole in Gdynia /Gdingen/ festverankert. Heute ist es der älteste existierende Zerstörer weltweit.


ORP "Błyskawica" gehört zum Pflichtprogramm bei der Besichtigung von Gdynia. Das Kriegsschiff und seine Bewaffnung sowie die unter Deck eingerichtete Museumsausstellung erzählen die Geschichte von heldenhaften Taten polnischer Matrosen, der Mühsal der Gefechte und dem Seealltag.


tłum. EuroInterpret D. Moser