Gdynia /Gdingen/ eine Stadt, die aus der See und den Träumen der Vorkriegsgeneration der Polen hervorgegangen ist,  wie es der polnische Schriftsteller aus dieser Zeit, Stefan Żeromski, zu sagen vermochte: „… ein Meisterstück, das in Holz, Stein, Beton und Eisen geschaffen wurde – dieses übermächtige Drama, das zu zeigen vermag, wie dem Meer sein Wasser, Kraft, Tiefe und Macht entrissen wird…“. Heute stellt es eine moderne und sich dynamisch entwickelnde Stadt mit einer modernen Architektur und ihrer zur See hin ausgerichteten Wirtschaft dar.

tłum. EuroInterpret-D. Moser

ORP „Błyskawica“

ORP „Błyskawica“

      Direkt hinter dem Kościuszki Boulevard sieht man am Anfang der Südmole die schlanke Silhouette eines Kriegsschiffs, das überraschend in graublaue Dreiecke bemalt ist. Es handelt sich um den Schiffszerstörer ORP „Błyskawica“, eine lebendige Legende der polnischen Kriegsmarine.

Der Bau von "Błyskawica" wurde begonnen, als über Europa langsam aber immer beunruhigender die dunklen Wolken des voraussichtlichen Konflikts heraufzogen. Den Bauauftrag des neuen Zerstörers für die polnische Kriegsmarine hatte die englische Werft in Cowes bekommen. Die Bau- und Ausstattungsarbeiten wurden fast genau zwei Jahre vor dem Kriegsausbruch beendet. "Błyskawica" und sein Zwillingsschiff "Grom" gehörten seinerzeit zu den schnellsten und modernsten Kriegsschiffen weltweit. Beide waren der Stolz der polnischen Marine und ihre Gefechtstauglichkeit erhöhte etwas das bereits schwankende Gefühl der nationalen Sicherheit. Die Ironie des Schicksals wollte, dass "Grom" und "Błyskawica" nicht einmal ein einziges Geschoss während der Landesverteidigung beim Überfall der Deutschen auf Polen 1939 abfeuern konnten. Ein kontroverser Befehl des Befehlstabs der Kriegsmarine schickte beide Schiffe am Vortag des Kriegsausbruchs nach Großbritannien. Grund für diesen Befehl war die Erklärung, dass auf dem kleinen Gewässer der Danziger Bucht die großen Kriegsschiffe ein einfaches Ziel für einen Bombenangriff der deutschen Luftwaffe bieten würden. Mit dieser Argumentationsweise konnten sich die Marinesoldaten auf den Schiffen, die kämpfen wollten, nicht einverstanden erklären und je schrecklichere Notizen sie über das Radio vernahmen, umso weiter waren sie von ihrem Heimatland entfernt. So begann die große Odyssee der polnischen Kriegsschiffe, im Rahmen deren "Błyskawica" an vielen Orten in Erscheinung getreten ist und an vielen legendären Gefechten und Operationen, wie zum Beispiel bei der Schlacht um Narvik oder der Operation Overlord, teilgenommen hatte. Aus allen Gefechten ging es glücklicherweise unversehrt davon. Nach Polen kam es zwei Jahre nach Kriegsende um weiterhin in der polnischen Kriegsmarine zu dienen und den Ruf des besten polnischen Kriegsschiffs zu genießen. Die großen Tage des "Błyskawica" beendete ein tragischer Zwischenfall, als nach dreißig Jahren Dienst der aus der zersprungenen Rohrleitung im Maschinenraum austretende Dampf sieben Seeleute umbrachte. Eine Renovierung nach diesem Vorfall wurde als nicht rentabel gewertet, aber das festliegende Schiff wurde weiterhin als schwimmende Flugzeugabwehrbatterie genutzt. Vierzig Jahre nach der Kiellegung in der englischen Werft wurde "Błyskawica" außer Dienst gesetzt und liegt seitdem in seiner Funktion als Museumsschiff vor der Südmole in Gdynia /Gdingen/ festverankert. Heute ist es der älteste existierende Zerstörer weltweit.


ORP "Błyskawica" gehört zum Pflichtprogramm bei der Besichtigung von Gdynia. Das Kriegsschiff und seine Bewaffnung sowie die unter Deck eingerichtete Museumsausstellung erzählen die Geschichte von heldenhaften Taten polnischer Matrosen, der Mühsal der Gefechte und dem Seealltag.


tłum. EuroInterpret D. Moser