Das Land, das als Werder bezeichnet wird, zeichnet sich durch sein absolut ebenes Gelände aus, das nirgendwo sonst in Polen zu finden ist. Im Deltagebiet des polnischen Königsflusses – der Weichsel, erstrecken sich, wohin man auch blickt, bunte rechteckige Felder, wo man ab und zu auch einige an Kanälen wachsende Weiden entdecken kann. Das Land, das einfach und monoton zu sein scheint, sticht in Wirklichkeit durch seine Dynamik und die perfekte Eintracht des Menschen und der Natur hervor. Der landwirtschaftliche Charakter des Werders wird durch die noch aus der Zeit der Ordensritter stammende Anordnung der Dörfer unterstrichen, wobei die schön gelegenen mennonitischen Friedhöfe an die Ankömmlinge aus den Niederlanden erinnern.

Die Fläche des Werders beträgt über 1740 km², wovon 450 km² Gebiete umfassen, die unter dem Meeresspiegel liegen. In der Ortschaft Raczki Elbląskie /Unterkerbswalde/ befindet sich die niedrigste Stelle in Polen, die 1,8 m unter dem Meeresspiegel liegt. Im Gebiet des Werders und der Umgebung befinden sich größere Städte, wie etwa Nowy Dwór Gdański /Tiegenhof/, Tczew /Dirschau/, Malbork /Marienburg/ sowie der Dreistädteverbund (Trójmiasto). Charakteristisch für den Werder ist seine Lage unter dem Meeresspiegel, wodurch sich eine Flutgefahr ergibt. Den Wasserüberschuss regeln Kanäle, Deiche, Meliorationsgräben sowie Pumpen.

Siedlertätigkeit fand im Gebiet des Werders höchstwahrscheinlich bereits in der Bronzezeit statt. Spätere Jahrhunderte brachten wegen schwieriger natürlicher Bedingungen keinen Bevölkerungszuwachs. Sumpflandschaften sowie eine ständige Überflutungsgefahr haben erfolgreich potentielle Siedler abgeschreckt. Dies begann sich unter der Herrschaft des Deutschritterordens zu ändern. Der Orden fing an, das Land trocken zu legen, Deiche und Dämme zu errichten. Dies führte dazu, dass das Gebiet des Werders sich langsam mit Menschen füllte. Man begann Wälder zu roden und das Land zu bewirtschaften. Bereits im 15. Jahrhundert zogen Mennoniten aus den Niederlanden ins Gebiet des Werders ein, die ihre Traditionen und Kultur mit einführten. Außerdem stand Werder auch unter dem Einfluss anderer Kulturen: der pommerschen Kultur, der Deutschritterordenskultur, der deutschen Kultur, der polnischen Kultur und nach dem 2. Weltkrieg auch der ukrainischen Kultur, deren Vertreter Ankömmlinge aus den südlichen Gebieten der polnischen Vorkriegsrepublik waren. Das Ende des 2. Weltkriegs brachte eine Katastrophe für das Gebiet des Werders. Im Jahre 1945 hat die zurückweichende deutsche Armee die Mehrheit der Deiche und Pumpen zerstört, was eine Überflutung dieses Gebiets herbeiführte. Die Nachkriegsjahre standen unter dem Zeichen der großen Anstrengung der erneuten Trockenlegung des Werders, was dazu führte, dass Siedler aus dem Landesinneren wieder hierher zuzogen.

Die historischen Objekte des Werders umfassen malerische Kirchen mit ihren charakteristischen Holztürmen, Laubenganghäuser und sehr schön gelegene mennonitischen Friedhöfe. Empfehlenswert ist auch der Ausflug mit der Schmalspurbahn, Fluss- und Kanalfahrten auf dem Weichselwerderring (Pętla Żuławska) und der Besuch im Werder Historischen Park (Żuławski Park Historyczny).


Übers. EuroInterpret - D. Moser

 

Nowy Dwór Gdański und Umgebung

Nowy Dwór Gdański und Umgebung

     Direkt im Herzen des Weichselwerders (Żuławy Wiślane) liegt an der Tiege zwischen der Weichsel und der Nogat die pittoreske Landschaft von Nowy Dwór Gdański /Tiegenhof/. Das Flachland, auf dem sich die Gemeinde und Stadt Nowy Dwór Gdański befinden, erinnert an Niederlande, deswegen wird es auch als polnische Niederlande bezeichnet.

Die ersten Spuren der Siedlertätigkeit im Gebiet des nördlichen Weichselwerders wird auf 2500 v. Chr. datiert. Trotz häufiger Überschwemmungen entwickelten sich die temporären menschlichen Behausungen mit der Zeit zu einem dichten Siedlungsnetz. Einen Durchbruch für die damalige Wirtschaft bildete die Ankunft der niederländischen und deutschen Gemeinschaften, die moderne Landtrockenlegungsmethoden mittels der Einrichtung sog. Polder einführten.


Eine wichtige Bedeutung für das Tiegenhofer Land hatte die Anwesenheit der Mennoniten, die hierher Mitte des 16. Jahrhunderts aus den Niederlanden übersiedelten, weil sie in ihrer alten Heimat religiös unterdrückt wurden. Die Mennoniten stellten eine pazifistische Abspaltung der Anabaptisten, also der Täufer. Sie siedelten in verlassenen und durch Flutkatastrophen zerstörten Dörfern an, wo sie durch harte und systematische Arbeit die Ortschaft wieder zum Erblühen brachten. Ihr bescheidenes Leben und religiöse Prinzipien (Verbot der Übernahme jeglicher Ämter, der Abgabe von Schwüren, des Tragens überflüssigen Schmucks), die geheimnisvoll und manchmal gar merkwürdig anmuteten, trugen mit der Zeit zur Legendenbildung über diese Gemeinschaft bei. Bis in die Gegenwart kann man auf den ehemaligen mennonitischen Friedhöfen die Spuren einstiger Siedler finden. Ein Zeugnis ihrer einstigen Anwesenheit legen auch Windmühlen zur Landtrockenlegung ab. Die ersten Bauten dieser Art wurden im 14. Jahrhundert durch den Deutschritterorden errichtet, doch erst durch die niederländischen Siedler haben sie enorm an Bedeutung gewonnen.


Die Landschaft von Nowy Dwór Gdański, einst so reich an Windmühlen, weist heute kaum noch Spuren der einstigen Errungenschaften der Siedler auf. Um die Überreste dieses Erbes zu schützen, sind Rekonstruktionsarbeiten an der letzten Windmühle zur Landtrockenlegung im Gebiet des Weichselwerders in Angriff genommen worden. Diese einzige Windmühle, die gefunden wurde, ist eine Windpumpe aus dem 18. Jahrhundert aus der Ortschaft Ostaszewo /Schöneberg/. Im Jahre 2006 wurden nach Zustimmung des Pommerschen Denkmalschutzamts die erhaltenen Überreste der Mühle unter Leitung von Marek Opitz (Mitglied des Tiegenhofer Klubs) und unter Aufsicht von Jerzy Domino von der Staatlichen Denkmalschutzbehörde in Elbląg /Elbing/ von der Bohnsacker Insel (Wyspa Sobieszewska) nach Nowy Dwór Gdański überführt. Jedes überführte Teil wurde im Werder Museum aufgestellt.


Von der multikulturellen Vergangenheit des Tiegenhofer Landes zeugt auch die für diese Region unverwechselbare Architektur. Typisch für dieses Gebiet, wie auch für den gesamten Weichselwerder, sind die Laubenganghäuser. Hölzerne oder gemauerte Fachwerkhäuser mit einem auf mehreren Säulen fein abgestützten Laubengang verleihen dieser Architektur eine einzigartige Note. Andere historische Objekte, die von der Anwesenheit einstiger Siedlern zeugen, stellen niederländische Gehöfte dar, die auf eigens dafür errichteten Hügeln, den sog. Warften, errichtet wurden. Häuser dieser Art zeichnen sich durch einen zusammenliegenden Wohn- und Wirtschaftsgebäudekomplex, der aus der Verbindung beider Enden des Kuhstalls und der Scheue besteht, sowie durch die Anordnung der Gebäude in Form eines länglichen Rechtecks, manchmal auch in Form des Buchstaben L oder T, aus. Von großem landeskundlichem Wert sind auch historische Sakralbauten, gotische Dorfkirchen aus Backstein.


Zu den prioritären Aufgaben der Gemeinde Nowy Dwór Gdański gehört die Förderung der kontinuierlichen Entwicklung mit dem Ziel den naturlandschaftlichen Reichtum des Weichselwerders zu präsentieren. Der dynamische Einsatz der Regionalbehörden zur Hebung der Attraktivität der Region bewirkte, dass die Gemeinde und die Stadt einen erhöhten Stellenwert erreichen konnten. Die Aufnahme der Zusammenarbeit mit anderen Städten aus dem Ausland ermöglicht der Gemeinde einen großen Fortschritt im touristischen, kulturellen und sportlichen Bereich. Die Gemeinde Nowy Dwór Gdański hat bereits Partnerschaftsvereinbarungen mit solchen Städten wie Hennef (Sieg) in Deutschlad oder Swetly in Kaliningrad unterzeichnet. In die internationale Kooperation wurden zwei neue Städte aufgenommen: Sarny in der Ukraine und Velka nad Velićkou in der Tschechischen Republik.


Im Stadt- und Gemeindegebiet von Nowy Dwór Gdański gibt es viele dynamisch tätige Vereinigungen, die Einfluss auf den lokalen Kultur- und Kunstbereich nehmen. Zu ihnen gehören: Vereinigung der Freunde von Nowy Dwór Gdański - Tiegenhofer Klub, Kulturgesellschaft IWA sowie die Werder Sportgesellschaft. Es gibt auch Organisationen, die innerhalb der Dörfer tätig sind: Vereinigung Unser Dorf Stobna, Vereinigung Jazowa und Vereinigung der Freunde von Marzęcino /Jungfrau/.

Übers. EuroInterpret - D. Moser

Quelle: Wrota Pomorza

Foto: M. Bieliński - Dep. Turystyki UMWP