Gotische, barocke, aus Holz, aus Backstein, mit Lehm gefüllt und verputzt, in Flechtwerk- bzw. Fachwerkbauweise errichtet, so abwechslungsreich sind Sakralobjekte nur in Pommern. Die kostbaren Einrichtungen, Wandmalereien und die unglaublichen Glasmalereien vervollständigen den Gesamteindruck der Bauwerke.

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Hyazinthkirche in Słupsk

Die schmale Turmsilhouette im Panorama der Altstadt (Stare Miasto) in Słupsk /Stolp/ weist auf die alte Dominikanerkirche, gegenwärtig die Hyazinthpfarrkirche hin.

Die Kirche liegt am südlichen Rand der Altstadt, in der Nähe des Gebäudekomplexes des Schlosses der Pommerschen Herzöge. Die Anfänge der Geschichte des Dominikanerklosters in Słupsk reichen ins 13. Jahrhundert zurück, als 1278 der Danziger Herzog Mestwin II, der seinerzeit über das Stolper Land herrschte, auf Wunsch des Danziger Dominikanerabtes Woyan, dem Orden die Stiftungsurkunde schenkte.

Im Jahre 1395 brannten die Klostergebäude samt der Kirche beim großen Stadtbrand ab. Im Jahre 1524 haben aufgewiegelte Menschenmassen bei Ausschreitungen mit religiösem Hintergrund die 100 Jahre zuvor wiederaufgebauten Kirche und Kloster geplündert und die Mönche verjagt. Die vernachlässigten und verlassenen Kirchengebäude verfielen allmählich zu Ruine. Einen Wandel in der Kirchengeschichte brachte der Anfang des 17. Jahrhunderts als die Herzögin Erdmuthe, die Frau des westpommerschen Herzogs Johann Friedrich, das Werk des Wiederaufbaus der Kirche aufnahm. Der Wiederaufbau wurde 1602 abgeschlossen, am 24. Juni wurde das Gotteshaus als Johanneskirche eingeweiht. Die Funktion der Schlosskirche erfüllte das restaurierte Gebäude bis zum Erlöschen des Greifengeschlechts. In jener Zeit haben sich die jeweiligen Residenten des benachbarten Schlosses um den Unterhalt der Kirche gekümmert und sorgten für ihre prachtvolle Inneneinrichtung, indem sie die Kirche mit vielen wunderschönen Kunstwerken ausstatteten. Nach 1693 wurde die Kirche zum Eigentum der protestantischen Gemeinde.

Während des 2. Weltkriegs blieb das Kirchengebäude vor Zerstörung größtenteils verschont. Es wurden lediglich die Fenster und das Dach beschädigt. Nach der Renovierung im Jahre 1946 wurde die Kirche erneut, diesmal jedoch als Hyazinthkirche, eingeweiht. Der Renaissancealtar stammt vom Anfang des 17. Jahrhunderts und zeichnet sich durch eine transparente und harmonische Konstruktion aus. Er ist mit Schnitzornamenten und Gemälden geschmückt. Aus der Renaissancezeit stammt auch die Kirchenkanzel. Sie ist reich mit Gemälden und Schnitzelementen verziert.

Auf der Nordseite der Kirche befindet sich ein reich verziertes marmornes Epitaph der Fürstin Anna, wogegen auf der rechten Altarseite die barocke Grabplatte von Ernst Bogislaw zu sehen ist. Das Ganze ist von einem schmiedeeisernen Gitter umgeben. Die Grabplatte wurde vom Danziger Bildhauer Hans Caspar Gockheller entworfen und wahrscheinlich angefertigt.

Der Herzog Ernst Bogislaw ist auch der Stifter der Kirchorgel. Sie zeichnet sich durch einen sehr reich mit Schnitzwerk verzierten Prospekt, auf dem die Wappen von de Croys und der Greifen zu sehen sind. Die Orgel wird während der veranstalteten Konzerte, die jeden Sommer stattfinden, gespielt. Ein wichtiges historisches Element der Inneneinrichtung der Kirche bilden die Grabsteinplatten aus dem 17. und 18. Jahrhundert sowie die Kirchenkonsekrationstafel von 1602.

Im Laufe der Jahre erfüllte die Kirche die wichtige Funktion eines Bestattungsorts von Menschen, die für die Geschichte Westpommerns bedeutend waren. Es wurden hier u.a. die 1454 verstorbene Herzogin Maria (Ehefraus des Herzogs Bogislaw IX), Herzogin Sophia (Mutter von Bogislaw X), die 1497 verstorben ist, bestattet. In einer der Krypten wurden die sterblichen Überreste der Herzogin Anna und ihres Sohns Ernst Bogislaw beigesetzt. Die Sarkophage aus Zinn, die hölzerne Särge beherbergten, wurden 1976 geborgen und nach ihrer Konservierung im Rahmen einer ständigen Ausstellung des Mittelpommerschen Museums präsentiert.