In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Goldwasser

Goldwasser

     Goldwasser – die derzeit berühmteste Danziger Spirituose, eine außergewöhnliche Mischung aus Alkohol, Kräutern, Gewürzen, Gold, Legenden und Danziger Geschichte. Obwohl es seinen Ruhm erst in der Gegenwart erlangte, umfasst seine Tradition vier Jahrhunderte außergewöhnlicher Geschichte der Stadt an der Mottlau.

Ende des 16. Jahrhunderts kam nach Danzig ein Flüchtling aus den Niederlanden, der an die Ostseeküste vor Überbevölkerung und religiöser Verfolgung flüchtete. Er hieß Ambrosius Vermoellen und war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mennonit, Mitglied einer radikalen protestantischen Strömung, die besonders brutal durch die Gegenreformation bekämpft wurde. Er brachte nach Danzig Rezepturen einiger Spirituosen mit, die für Jahrhunderte einen festen Platz in der kulinarischen Landschaft Danzigs einnahmen. Ambrosius ließ sich in Danzig nieder und begann mit der Herstellung von Likören, zu denen außer dem Goldwasser auch andere, wie etwa der Kurfürsten, Pommeranzen und Krambambuli gehörten. Die Nachfahren von Ambrosius eröffneten mit der Zeit in der Breitgasse eine Likörfabrik, und zwar in einem Haus, dessen Fassade eine Lachsskulptur zierte. Der Fisch wurde zum Aushängeschild der Likörfabrik und gab dem Familienbetrieb seinen Namen. Der Lachs zu Danzig wurde auf dem Danziger Alkoholmarkt zu einem namhaften Familienunternehmen und sein Ruhm ging über die Landesgrenzen hinaus.

Den größten Ruhm erlangte das Goldwasser wahrscheinlich wegen seiner in der Flüssigkeit schwimmenden Goldblättchen. Der Likör wurde über die Jahrhunderte schon alleine wegen seiner Entstehungslegende zu einem legendären Trank.

Trotz der Verdienste des niederländischen Immigranten begannen die Menschen mit der Zeit davon zu sprechen, dass das Goldwasser vom Gott der Meere, dem Neptun selbst geschaffen worden sei, und zwar selbstverständlich von jenen Neptun, der am Brunnen steht und seit Jahrhunderten den Langen Markt (Długi Targ) ziert. Der Legende nach sollte der Herrscher der Meere durch das Einwerfen von Münzen in den Brunnen irritiert worden sein und wühlte mit seinem Dreizack das Brunnenwasser auf, wodurch er die goldenen Münzen in kleine Stücke zerschmetterte und das Wasser auf wundersamer Weise in den schmackhaften Likör verwandelte. Der erste, der dies entdeckt hatte, war einer der Kaufleute, der daraufhin alle Fässer, die er nur zusammen bekommen konnte, mit dem "Brunnenwasser" auffüllen ließ. Die mit dem goldenen Likör gefüllten Fässer lagerten in tiefen Kellerräumen und wurden somit zur Einkommensquelle für ihn und für viele Generationen seiner Nachfahren.

Die von Vermoellen gegründete Firma war in Danzig bis zum Ende des 2. Weltkriegs tätig, wobei ihr Sitz unverändert das Haus mit dem Lachs auf der Fassade in der Breitgasse (Szeroka) blieb. Trotz Kriegszerstörungen wurde das Haus wiederaufgebaut und es befindet sich heute dort eines der besten Restaurants der Stadt "Pod Łososiem" (Zum Lachs), das die Tradition dieses Ortes pflegt.

Das Original Danziger Goldwasser, das heute von dem zweitgrößten Spirituosenhersteller Deutschlands, der Hardenberg-Wilthen AG mit Sitz in Nörten-Hardenberg auf der Grundlage der Rezeptur aus dem 16. Jahrhundert produziert wird, kann fast in jedem Danziger Restaurant gekostet werden und damit auch der Geschmack der 400 Jahre Danziger Geschichte.

Übers. EuroInterpret - D. Moser