In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Marienkirche

Marienkirche

      Die Marienkirche, die größte Kirche in Danzig und in Polen, die größte gotische Backsteinkirche weltweit ist ein besonderer Ort, sowohl wegen ihrer Ausmaße, als auch wegen der Geschichte, die sie wie eine Schatzkiste in sich birgt.

Die Marienkirche in Danzig, d.h. die Mariä-Himmelfahrts-Basilika, wie deren offizielle Bezeichnung heute lautet, ist der prachtvollste Bau des historischen Danzigs. Für die Errichtung dieses Riesenbaus brauchte man 159 Jahre. Er wurde etappenweise errichtet, entsprechend den technischen und finanziellen Möglichkeiten, über die mit der Zeit die städtische Glaubensgemeinschaft verfügen konnte. Das Kircheninnere ist groß genug für mindestens 20 tausend Menschen. Dies spiegelt jedoch nicht die Bedürfnisse wieder, die zur Zeit ihrer Entstehung herrschten, es war vielmehr Ausdruck des Reichtums, denn Danzig zählte damals lediglich doppelt so viele Einwohner, wie die Kirche fassen konnte. Das große Bauwerk aus dunkelrotem Backstein überragt ein Häusermeer und der riesige stämmige und flach abgeschlossene 78 m hohe Turm ist bis heute der höchste Bau in Danzig. Beim Betrachten des Danziger Panoramas ist es schwer dem Vergleich nicht zuzustimmen, dass die Kirche einem großen Schiff ähnelt, das über die Wellen der Häuser fährt.

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Als katholische Kirche errichtet, diente sie seit Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1945 den Protestanten - sie haben auch die interessantesten Einrichtungselemente überlassen, die wunderbar mit den früheren gotischen Altären und Gemälden im Einklang stehen. Das Gotteshaus, dessen solide Konstruktion die Kriegszerstörungen überdauert hatte, büßte es dafür mit seiner Einrichtung ein, wodurch es heute relativ leer erscheint, aber dadurch umso mehr mit den Ausmaßen seiner Schiffe und der Regelmäßigkeit der weißen Pfeiler und Gewölben beeindruckt.

Trotz großer Kriegsschäden kann man in der Marienkirche immer noch eine beeindruckende Sammlung gotischer Altäre, angeführt von dem goldenen Hauptaltar, der majestätisch die Krönung der heiligen Maria und zahlreiche biblische Szenen darstellt, besichtigen. Großen Eindruck macht auch die mächtige astronomische Uhr, die seit über fünfhundert Jahren das nördliche Querschiff schmückt. Sie ist ein Kunstwerk und ein historisches Denkmal mittelalterlicher Ingenieurskunst zugleich und erlangte nach der Renovierung vor einigen Jahren ihren alten Glanz. An der Uhr werden Legenden erzählt über das Übel, das ihrem Erschaffer widerfahren ist und über den Fluch auf all denen, die es wagen die Uhr zu reparieren. Es ist schwierig dem Zauber der Danziger Schönen Madonna - einer spätgotischen Statue, die eine lächelnde Gottesmutter mit goldener Haarpracht und dem verspielten Christkind darstellt, zu widerstehen. Der Legende nach sollte die Statue während nur einer Nacht in einer Gefängniszelle durch die Hand des Bildhauerlehrlings, der unverdient zum Tode verurteilt und wundersam kurz davor gerettet wurde, entstanden worden sein.

Die Marienkirche - Danzigs Krone - ist ein in würdiger Bewegungslosigkeit der Geschichte erstarrter Ort voller herausragender Kunstwerke und Erinnerungen an die einstigen Bewohner. Das auch während heißester Tage kühle Kircheninnere lädt zum Betreten und Nachdenken über das Dasein und die Vergänglichkeit, doch besonders über die Kunst der alten Meister, ein.

Übers. EuroInterpret - D. Moser