Die Untere Weichsel ist eine Region, die von der Wojewodschaft Pomorskie und der Wojewodschaft Kujawsko-Pomorskie miteinander geteilt wird und im Tal der Unteren Weichsel am rechten Flussufer liegt. Es ist ein Gebiet, das eine sehr interessante und komplizierte Geschichte aufweist, das oftmals seine staatliche Zugehörigkeit änderte, wovon bis heute Beispiele seiner historischen Architektur zeugen.

Die ältesten historischen Erwähnungen über diese Region stammen aus der Zeit, als sie von den Prußen beherrscht wurde und im Gebiet der Unteren Weichsel sich  zwei prußische Länder befanden: Pomesanien und Pogesanien. Die Prußen gingen in die Geschichte ein, als sie von der politischen Realität mit Schwert und Kreuz vom Deutschritterorden getilgt wurden. Der Letztere hat auch die Geschichte der Region am meisten geprägt. Entlang der Weichsel, von Grudziądz /Graudenz/ bis zur Stelle, wo die Nogat in die Weichsel mündet, herrschen unter anderen Sehenswürdigkeiten mittelalterliche Burgen vor – ein Zeugnis dunkler Zeit der Christianisierung des prußischen Territoriums. Einst  gab es sehr viele dieser Burgen, praktisch jede Stadt hatte ihre eigene Burg. Bis zu unserer Zeit sind in der Region der Unteren Weichsel zwei Burgen erhalten geblieben: in Kwidzyń /Marienwerder/ und in Sztum /Stuhm/. Das Marienwerder Schloss des Pomesaner Domkapitels bildet zusammen mit dem anliegenden Dom eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Wehrfestungen in Polen. Sie wurde nach dem Vorbild der Deutschritterburgen erbaut und verzaubert mit ihrer Einfachheit und Harmonie eines rohen Baukörpers. In der Krypta der Johanneskathedrale ruhen die Überreste dreier Ordensgroßmeister. Die Stuhmer Burgfestung, die teilweise erhalten gebliebene Sommerresidenz des Großmeisters, ist heutzutage ein Veranstaltungsort von mittelalterlichen Jahrmärkten und Ritterturnieren.

 Eine andere Sehenswürdigkeit der Region Untere Weichsel, der Palast der Familie Sierakowski in Waplewo Wielkie /Waplitz/, stammt aus einer etwas jüngeren Zeit. Der Sitz des in Pommern bekannten Geschlechts war der Ort, an dem die polnische Kultur in der Zeit der Polenteilung kultiviert wurde. Gegenwärtig beherbergt er das Museum für Tradition des Polnischen Adels sowie das Pommersche Kontaktzentrum für Auslandspolen. Die Schleusen auf der Nogat in Biała Góra /Weißenberg/ besitzen den Status eines historisch-technischen Denkmals. Sie reichen in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, wobei die bis heute betriebene hydrotechnische Konstruktion vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt.

Die Untere Weichsel ist eine Region die sich für den Kulturtourismus hervorragend eignet. Die mehrere Jahrhunderte alte Tradition, wunderschöne historische Objekte sowie interessante Orte – das alles wartet darauf, entdeckt zu werden.


tłum. EuroInterpret D. Moser

Schloss in Kwidzyn

Schloss in Kwidzyn

     Die Wehrburg wurde im 14. Jahrhundert auf dem Plan eines Rechtecks angelegt und verfügte über einen Innenhof mit vier Ecktürmen.

Sie wurde aus Ziegeln auf Granitfundamenten gebaut, war unterkellert und entstand etappenweise während des gesamten 14. Jahrhunderts. Sie wurde auf dem Plan eines Quadrats mit der Seitenlänge von ca. 44 m errichtet. Der Schlossinnenhof war 12,80 m mal 16 m groß und verfügte von drei Seiten, vom Süden, Westen und Norden her, über zweigeschossige Kreuzgänge, die als Korridore dienten. Während den Bauarbeiten wurde die architektonische Konzeption verändert, genaue Daten des Baubeginns und Bauabschlusses können heute nicht mehr bestimmt werden. Die Schlossflügel, von denen der erste auf der östlichen Seite entstand, gefolgt vom Süd- und Nordflügel, hatten je fünf bis sechs Geschosse und waren mit einem Satteldach bedeckt. Die Außenfassade wies unterschiedlich große Spitzbogenblenden und Spitzbogenfenster sowie Schießscharten auf. Über dem rundherum verlaufenden Maßwerkfries wurden die Schießscharten des Verteidigungsbereichs angelegt. Es befindet sich hier auch das Einfahrtstor (das auch als Kaltes Tor genannt wird), das in die reich verzierte Tornische aus Ziegeln eingesetzt wurde. In der Nische, die mit einem gotischen Bogen bekrönt wurde, ist die Führungsschiene des einstigen Schutzgitters zu sehen.

Nach dem Betreten des Schlosshofs kann man auf die Aussichtsterrasse gelangen, von der aus das Panorama des Weichseltals bewundert werden kann. Es stehen hier zwei Kanonen von 1861 und 1863, die von den Preußen im Krieg gegen Frankreich in den Jahren 1870-1871 erbeutet wurden. Im Mittelalter beherbergten die Kellerräume und das Erdgeschoss des Schlosses u.a. eine Küche, eine Vorratskammer, eine Brennstelle der alten Zentralheizung sowie Aufenthaltsräume für Bedienstete. Im ersten Stockwerk befand sich im Nordflügel das Winterrefektorium (Speiseraum) mit einem einzigartigen Palmgewölbe mit sternenförmig auseinander führenden Rippen. Es befanden sich hier auch eine Kapelle und der Wohnraum des Pfarrers. Im Westteil wurde der Schlafraum (Dormitorium) eingerichtet. Im heute nicht mehr bestehenden Ostflügel befand sich ein Spital (Infirmeria). Im Erdgeschoss wurde in den 70-er und 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts das "Schlosscafé" eröffnet. Der Südflügel beherbergte das Sommerrefektorium und den Sitzungssaal (Kapitelhaus). Die Mehrheit der Räume wies sternenförmige Gewölbe auf. Zu den touristischen Besonderheiten des Schlosses in Kwidzyn gehört der Dansker, ein Abortturm.

Das Schloss stellte den Sitz des Domkapitels der Pomesaner Bistums bis zum Jahr 1525, als Bischof Erhard von Queis zum Protestantismus konvertierte. Nach den evangelischen Bischöfen residierten hier seit der zweiten Hälfte es 16. Jahrhundert über zweihundert Jahre lang Marienwerder Starosten. Nach 1772 wurde das Schloss zum Sitz eines Gerichts und seine Innenräume wurden zu Gerichtssälen und Gefängnisräumen umgebaut. Im Jahre 1798 haben die preußischen Behörden den Abriss des Ost- und Südflügels angeordnet. Die Spuren der Nähte und der Gewölbebögen sind jedoch an der Ost- und Südwand des Schlosshofs erhalten geblieben. Der restliche Schlossteil wurde in den Jahren 1855-1885 gründlich renoviert. Diese Renovierungsarbeiten verfolgten vor allem das Ziel dem Schloss sein mittelalterliches Aussehen zurückzugeben. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss zur Schule für erblindete Soldaten und zu einer Berufsschule umfunktioniert. In der Nazizeit befand sich hier die Schule für den Nazi-Führungsjungkader. Nach dem Krieg wurde das Schloss beschädigt und verwüstet, bis es erst im Jahre 1950 zum Sitz des Schlossmuseums wurde.

Das Museum befindet sich im gotischen Schloss des Pomesaner Domkapitels, das in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Museumssammlung präsentiert die gegenständliche Kultur der Region der Unteren Weichsel (Powiśle), welche die ehemalige Kreise Kwidzyński, Sztumski und Suski umfasst. Das Museum hat einige sehr interessante ständige Ausstellungen aufbauen können. Zu ihnen gehören Bestrafungs- und Foltergeräte (16. bis 18. Jh.), Kunsthandwerk in Ermland und Pommern (15. bis 20. Jh.), barocke Skulptur in Pommern, Volkskultur der Region Untere Weichsel sowie Natur von Nordpolen (im Jahre 2006 hat diese Ausstellung eine neue Präsentationsform bekommen). Außerdem werden jedes Jahr temporäre Ausstellungen vorgestellt, die thematisch differenziert sind und die Themenbereiche Natur, Geschichte, Kunst und Volkskunst der Gebiete Untere Weichsel, Pommern, Ermland und Masuren aufgreifen.

tłum. EuroInterpret D. Moser