Gotische, barocke, aus Holz, aus Backstein, mit Lehm gefüllt und verputzt, in Flechtwerk- bzw. Fachwerkbauweise errichtet, so abwechslungsreich sind Sakralobjekte nur in Pommern. Die kostbaren Einrichtungen, Wandmalereien und die unglaublichen Glasmalereien vervollständigen den Gesamteindruck der Bauwerke.

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Johannesdom in Kwidzyn

Der Dom wurde zwar später als das Schloss, jedoch ebenfalls im 14. Jahrhundert errichtet. Zuerst wurde das Presbyterium (ca. 1330), das auch als Grabkrypta oder als Hoher Chor bezeichnet wird, fertiggestellt.

Rund um das Presbyterium verläuft ein Verteidigungsbalkon, der 3,75 m hoch ist, und der von der Giebelseite mit vier Stützen verstärkt wurde. Die Mauern sind 1,25 m dick. Hier wurde 1330 der Großordensmeister Werner von Orlsen begraben, der in Malbork /Marienburg/ ermordet wurde. Nach 1343 wurde die frühere Kirche auseinandergenommen und man begann das Hauptschiff zu errichten, welches das Presbyterium mit der östlichen Schlosswand verbinden sollte. Schutzpatronen des Domes sind die heilige Jungfrau Maria und der heilige Johannes Evangelist. Die ganze Länge des Domes und des Presbyteriums beträgt 86,20 m, die Breite - 25 m. Die Kathedrale selbst hat die Form einer dreischiffigen Pseudobasilika mit fünf Jochen, die 62,15 bis 63,60 m lang ist. Der Unterschied in der Länge der Domwände ergibt sich daraus, dass der Schloss- und Domkomplex phasenweise errichtet wurde. Es ist ein Beweis dafür, dass zuerst das Schloss und anschließend erst der Dom, mit dem Presbyterium beginnend, errichtet wurden. Den Bau des Domgrundkörpers leitete der italienische Baumeister Eupertuss. Der Dom wurde nach 1360 fertiggestellt. In der letzten Bauphase wurde ca. um das Jahr 1385 ein Verteidigungsbalkon auf der ganzen Mauerlänge des Gotteshauses angebracht.


Den Verteidigungscharakter des Domes betonen der Schießbalkon, der mit einem für den ganzen Bau gemeinsamen Dach bedeckt wurde und zwei Verteidigungstürme, die das Presbyterium mit den Domschiffen verbinden. Die Fenster sind schmal, spitzbogenförmig und weisen Mosaikfenster auf. Das Satteldach ist steil und mit roten Dachziegeln bedeckt. Den gesamten Bau verstärken mächtige Stützen zwischen den Fenstern. In die Kathedrale führen drei Eingänge. Wir befinden uns am nördlichen Eingang. Zum Eingang an der Nordwand führt eine Treppen und über der Tür wurde 1946 eine Gedenktafel angebracht, die an die Übernahme des Gotteshauses durch die Polen erinnert. Wir gehen mehrere Meter weiter vor und bleiben vor der Grabkapelle des Generalmajors Otto Friedrich von Groeben stehen. Die Kapelle wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut. Der General war Starost von Kwidzyn /Marienwerder/ und Prabuty /Riesenburg/, Gutsbesitzer in Nowa Wioska /Neudörfchen /, seinen Ruhm verdankte er den Kämpfen mit den Türken. Er gründete auch die erste brandenburgische Kolonie in Westafrika. In der Kapelle sehen wir Skulpturen: zwei liegende Personen (der General mit seiner dritten Ehefrau) und zwei kniende (die zwei ersten Ehefrauen des Generals). Gleich neben der Kapelle wurde ein Obelisk aufgestellt, der Papst Johannes Paul II. gewidmet wurde. Der Eingang von der Ostseite wurde mit steinernen Kanonenkugeln, mit denen Kwidzyn einst beschossen wurde, "geschmückt".


In der südlichen Wand des Presbyteriums befindet sich die Kapelle der gesegneten Dorothea von Montau. Dorothea, die Tochter von Agathe und Wilhelm Swarcze, wurde am 25. Januar 1347 im Dorf Mątowy /Montau/ bei Malbork geboren und war das jüngste von neun Kindern. Im Jahre 1363 heiratete sie den zwanzig Jahre älteren Albrecht, der ebenfalls aus diesem Dorf stammte. Der Ehemann von Dorothea war Waffenschmied und sie wohnten zusammen in Danzig. Aus dieser Ehe sind neun Kinder hervorgegangen. Dorothea beschäftigte sich nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit der Schmiede (als der Mann nicht da war). Schon am Anfang ihrer Ehe hatte sie "Visionen". Durch Arbeit, Gebet und Kasteiung suchte sie die Einheit mit Gott. Die Epidemien und Seuchen überlebten nur zwei ihrer Töchter und die Eheleute unternahmen Mitte der 80-er Jahre des 14. Jahrhunderts ein paar Pilgerfahrten. 1390 Starb der Ehemann von Dorothea und sie begab sich auf eine Pilgerfahrt nach Rom. Nach Kwidzyń kam sie im Jahre 1931. Ihre Seelsorge übernahm der Präpositus des Domkapitels, der Priester Johannes von Marienwerder, der auch ihr Beichtvater wurde. Dorothea bat den Beichtvater um die Erlaubnis, in einer Zelle am Dom in Kwidzyń zugemauert werden zu dürfen. Nachdem sie eine spezielle Erlaubnis erhalten hatte, wurde Dorothea, nach einem vom Bischof Johannes abgehaltenen Gottesdienst, in eine neu errichtete Zelle begleitet. Sie starb am 25. Juni 1394, nach 14 Monaten Aufenthalt in der Zelle. Zu ihrem Grab begannen zahlreiche Pilger zu kommen und der Paps Bonifatius IX. verlass am 18. März 1404 eine Bulle, die den Seligsprechungsprozess begann. Am 09. Januar 1976 wurde eine Verfügung erlassen, die den öffentlichen Kult von Dorothea, Witwe und Inklusin, die fortab als "Gesegnete" oder "Heilige" bezeichnet werden durfte, verfügte.


In den Jahren 2005 - 2007 wurden unter dem Dom Ausgrabungsarbeiten geführt. Es wurden die weltweit einzigartigen Gräber von drei Ordensgroßmeistern der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Mariens in Jerusalem gefunden: Werner von Orseln, Ludolf König von Wattzau und Heinrich von Plauen. Das Grab von Dorothea wird immer noch gesucht.


Der Haupteingang befindet sich an der Südseite und wurde 1585 aus Kalkstein aus Gotland angefertigt. Über der Krypta wurde ein einzigartiges, vergoldetes Mosaik aus dem Jahr 1380 angebracht. Es wurde 1902 renoviert, seine Ausmäße betragen 1,90 x 2,15 m. Es stellt den hl. Johannes Evangelisten mit der römischen Porta Latina im Hintergrund dar, wo sein Martyrium geschah. Links kniet ein Bischof im liturgischen Gewand. Es handelt sich um Johannes I. Mönch, der den Bau des Domes beendete und das Mosaik stiftete.


Der Turm, der sich im westlichen Teil des Domes befindet, war gemeinsam für das Kapitelschloss und die Kirche. Dieser Bau war 56,50 m hoch und bildete einen typischen Verteidigungsbau. Von ihm aus erstreckt sich ein prächtiger Ausblick auf die Stadt und auf das Weichseltal. Er diente auch als Glockenturm. Seine Basis hat die Form eines Vierecks von 15 x 10 m, seine Mauern sind 3 m dick. Von diesem Turm aus sind zwei andere Türme zu sehen: in Nowe /Neuenburg/ und in Gniew /Mewe/.


Unter dem neogotischen Musikchor kann man zwei hölzerne Beichtstühle aus der Spätbarockzeit entdecken. Zu bewundern sind auch zahlreiche Flachreliefs, die Bibelgestalten und Bibelszenen darstellen. Unter dem Chor sehen wir zwei Glocken mit Aufschriften: eine größere von 1584, von Hermann Benningk aus Danzig und eine kleinere aus dem Jahr 1512 von einem unbekannten Handwerker. Auf dem Pfeiler befindet sich ein barockes Epitaph des Brigadiers Thomas Fraser, das auf das Jahr 1715 datiert ist. Die zweite Tafel ist seiner Ehefrau gewidmet und befindet sich auf dem nächsten Pfeiler. Wir entdecken noch ein paar Sargtafeln aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Hier befinden sich auch gegenwärtige Gedenktafeln aus der neusten Zeit.