Die pommerischen Straßen schaffen einen spezifischen und einzigartigen Raum, in dem jeder Besucher eine Menge an Sehenswürdigkeiten findet. Die schönen Bürgerhäuser, die historischen Rathäuser, die stilvollen Restaurants und die gemütlichen Cafés werden durch viele bewundert und besucht. Das Herz einer jeden alten Stadt ist normalerweise der Markt, der bis heute noch seine repräsentative Funktion erfüllt. Die zu ihm führenden zauberhaften schmalen Straßen zeichnen sich oft mit einem spezifischen, für die gegebene Ortschaft charakteristischen Klima aus. Wie schön sind doch die Straßen von Gdańsk (Danzig), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) oder Wejherowo (Neustadt), die an einer Stelle, d.h. dem Markt, zusammentreffen. Es gibt auch junge Städte, wie Gdynia (Gdingen), wo die modernen Verkehrsadern, verbunden mit den modernistischen Gebäuden, eine vollkommen einzigartige Stadtanordnung europaweit schaffen.

     Die Chlebnicka Straße entstand als Verlängerung der Piwna Straße (Jopengasse), welche die Rechtstadt (Główne Miasto) mit dem Alten Hafen an der Mottlau verband.

Deren Lage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Langen Markt (Długi Targ) bewirkte, dass es sich um eine sehr exklusive Straße handelte, in der die Elite der Stadt wohnte. Bürgermeister, Stadträte, reiche Kaufleute haben gerne hier auf dem sog. "goldenen Grund" Häuser erworben bzw. errichten lassen, denn die Vermietung eines Kellerraums in der Chlebnicka Straße war so einträglich, dass manche Einwohner nur aus den Einnahmen für die Vermietung der Räumlichkeiten zur Lagerung von Fässern, Truhen und Textilien lebten. Die Ufernähe bewirkte, dass in der Blütezeit des Danziger Hafens Kaufleute hier ihre Waren lagerten.


Den Spaziergang über die Chlebnicka Straße beginnt am Schnuppermarkt (Rynek Wąchany), wo die Rückfassade des Artushofs bewundert werden kann. Der Name der Örtlichkeit beschreibt den Charakter dieses Marktes. Hier wurden die Qualität und die Frische der Lebensmittel eben über den Geruch ermittelt. Beim Weitergehen können wir ein zweigiebliges Gebäude an der Straßennummer 2 erblicken, das vom herausragendsten Architekten des alten Gdańsk /Danzig/, und zwar von Anton van Obberghen, entworfen wurde. Das Gebäude beherbergt gegenwärtig die Danziger Gesellschaft der Kunstfreunde. Das schöne Portal unter der Straßennummer 10 führt zur Gaststätte "U Szkota" /Beim Schotten/, die mit ihrer Inneneinrichtung bezaubert. Direkt daneben befindet sich unter der Straßennummer 14a das Schlieffhaus. Dieses ungewöhnliche Bürgerhaus sollte 1823 abgerissen werden, jedoch wurde der preußische König Friedrich Wilhelm III dazu bewegt, die kunstvoll verzierte Fassade dieses Hauses zu erwerben und an einer der Wände des Kavalierhauses auf der Pfaueninsel in Potsdam anzubringen. Die Fassade wurde akribisch rekonstruiert und am neuen Gebäude angebracht und zwar dort, wo das alte Bürgerhaus im 19. Jahrhundert stand. Es handelt sich um die prächtigste gotische Fassade eines Danziger Bürgerhauses. Die Straßennummer 16 bleibt dem Englischen Haus vorbehalten, das von Hans Kramer als Geschenk für den westfälischen Kaufmann Dirk Lilie errichtet wurde. Der Entwurf dieses Gebäudes sah die Verdopplung seiner Größe vor. Als einziges Haus in der Chlebnicka Straße beansprucht es zwei Grundstücke und anstatt der typischen drei Fenster im Obergeschoss weist es gar sechs Fenster auf, die je 2 Fenster gruppiert wurden. Das Ganze wird mit zwei Kreuzdächern und einem kleinen Turm bekrönt. Der Spaziergang über diese malerische Gasse der Rechtstadt endet mit dem Brotbänkertor (Brama Chlebnicka), das hier bereits 1378 gestanden hatte. Sein gegenwärtiges Aussehen stammt aus dem 15. Jahrhundert und es lohnt sich diesen Bau etwas näher in Augenschein zu nehmen. Von der Seite der Mottlau schmückt ihn das Danziger Wappen aus der Deutschritterzeit - ohne die goldene Krone, die erst durch König Kasimir dem Jagiellonen dem Wappen hinzugefügt wurde. Von der Seite der Chlebnicka Straße wurden Lilien angebracht, die einst zum Siegel der Danziger Herzöge gehörten.