In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Solidarität

Solidarität

     Die Unabhängige Selbstverwaltete Gewerkschaft NSZZ "Solidarność" (Solidarität), ein historisches Phänomen einer Gesellschaftsbewegung gegen das totalitäre Regime. Obwohl sie nur landesweit tätig war, ging deren Echo um die ganze Welt. 

Sie ist stark mit Danzig verbunden, denn gerade hier in Danzig können viele Spuren ihres Wirkens entdeckt werden. Die Gewerkschaftsbewegung NSZZ Solidarność ist in Folge der Umsetzung eines der 21 Postulate der im August 1980 streikenden Arbeiter der Danziger Werft gegründet worden. Dies war ein Teil des sog. Danziger Abkommens, einer beispiellosen Übereinkunft zwischen der Gesellschaft und dem Regime. Den Weg zum Abschluss des Abkommens öffnete der Ausbruch des Streiks in der Danziger Werft, mit dem die Werftarbeiter sich für ihre Arbeitskollegin, die Kranführerin Anna Walentynowicz, der wegen ihrer gesellschaftlichen und oppositionellen Arbeit gekündigt wurde, einsetzen wollten. Bald erfasste der Werftstreik ganz Polen, als Werksmannschaften von tausenden von Betrieben, eine nach der andern sich dem Streik angeschlossen haben. Die im Saal für Arbeitssicherheit und Hygiene der Danziger Lenin-Werft befindlichen Vertreter der streikenden Arbeiter gründeten das sog. Zwischenbetriebliche Streikkomitee, das zu einer gesellschaftlichen Kraft wurde, mit der das Regime zu rechnen hatte. Die Verhandlungen waren langwierig und wurden in einer unfreundlichen Atmosphäre geführt. Sie endeten mit dem Sieg der Streikenden: die Partei- und Staatsbehörden stimmten einem Teil der Postulate der streikenden Arbeiter zu, darunter dem ersten, der die Einrichtung freier, also von den Staatsbehörden unabhängiger Gewerkschaften vorsah. Auf diese Weise hat sich die Idee der Solidarität zwischen den Mitgliedern der vom Staatsapparat unterdrückten Gesellschaft in Form einer Gesellschaftsbewegung, deren Umfang und Bedeutung seinerzeit niemand sich hätte vorstellen können, materialisiert. Das Logo von Solidarność, das von Jerzy Janiszewski entworfen wurde, sollte auf lange Jahre hin zum Symbol des Kampfes der Arbeiter um ihre Rechte werden.

Die in Danzig registrierte Gewerkschaft hat auch in Danzig, in der Olivia Halle, ihren ersten Kongress im September 1981 veranstaltet, wo sie den Streikanführer von der Danziger Werft, den Elektriker Lech Wałęsa zu ihrem Vorsitzenden gewählt hatte.

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Die Euphorie wegen des errungenen Teilerfolgs gegen das System hat jedoch nicht lange gewährt. Die sich lawinenartig verschlechternde Wirtschaftssituation des Landes, erneute Streiks, wachsendes politisches Chaos - all das führte zur Einführung des Kriegsrechts im Dezember 1981, das für viele Jahre die mit der Entstehung der Solidarność begonnenen Prozesse stoppen sollte. Es konnte sie jedoch nicht aufhalten. Solidarność ging in den Untergrund und war über die gesamten 80-er Jahre hinweg eine Dissidentenorganisation, um vor dem Fall des Regimes, das sie jahrelang bekämpft hatte, auf der Hauptbühne der Ereignisse wieder in Erscheinung zu treten.

Danzig ist voller Orte, die mit der Solidarność-Bewegung in Verbindung stehen. Neben dem erwähnten historischen Saal für Arbeitsschutz und Hygiene und der Olivia Halle kann (und sollte) man in Danzig auch den Solidarität-Platz mit dem Denkmal zu Ehren der Werftarbeiter, die 1970 gefallen sind, besichtigen. Seine Errichtung war unter den ersten drei Forderungen der 1980 streikenden Werftarbeiter. Die Ausstellung "Wege zur Freiheit" stellt sehr detailliert und sehr eingängig die Geschichte des Ringens der Polen und anderer Nationen Europas um ihre Freiheit dar. Sie befindet sich in einem Bunker aus der Zeit des kalten Krieges, der nur einige hundert Meter vom Werftarbeiterdenkmal entfernt ist. Direkt hinter dem Denkmal wird gerade das Europäische Zentrum der Solidarität errichtet. Das Hauptanliegen dieses Projekts ist, die Idee der Solidarność Bewegung, als historisches Phänomen und deren Verdienste in Europa und der Welt darzustellen. Auf der Route entlang den Spuren der Solidarność gehört der Besuch der Brigittenkirche, die in der gesamten Zeit des Kriegsrechts und auch danach Versammlungsort der Oppositionellen war, zum Pflichtprogramm. Hier sind auch Andenken an die Zeit der frühen Tätigkeit der Solidarność und anderer oppositioneller und patriotischer Bewegungen zu besichtigen.

Danzig ist eine Stadt, in der einige bedeutende Ereignisse der Weltgeschichte stattgefunden haben, wobei die Ereignisse von August 1980 und die Entstehung der NSZZ Solidarność sicherlich dazu gehören. Das Verstehen der jüngsten polnischen und europäischen Geschichte ohne den Besuch in Danzig und die Besichtigung der Objekte auf der "Solidaritäts-Route" scheint einfach unmöglich.

Übers. EuroInterpret - D. Moser