Geheimnisvolle Nekropolen in Pomorskie

Geheimnisvolle Nekropolen in Pomorskie

Friedhöfe sind besondere Orte. Sie bringen uns zum Besinnen, Innehalten und Nachdenken über die Vergänglichkeit. Die dort aufbewahrten Geschichten sind oftmals damit verbunden, was leider aus unserem heutigen Leben langsam verschwindet – die multikulturelle Vielfalt der Region Pomorskie.

Ein wahres Denkmal derjenigen, die früher ein Teil unserer Gesellschaft waren ist der Jüdische Friedhof in Zoppot. Er befindet sich an der Malczewskiego Straße. Auf dem ältesten bis heute erhaltenen Grabstein ist das Jahr 1920 eingeritzt. Am Anfang des XX Jhds. war die jüdische Gemeinde in Zoppot so groß, dass sie sich den Bau einer Synagoge und eines eigenen Friedhofs leisten konnte. Die Judenvernichtung während des Krieges hat auch dieser Gemeinde nichts erspart.

Die wenigen Überlebenden pflegten den Friedhof noch bis in die 60er Jahre. Danach ist er in Vergessenheit geraten. Erst in den 80er Jahren wurde er umfangreich saniert und zeugt auch heute von der kulturellen Vielfalt dieser Gegend.

Unter den Friedhöfen in Gdingen zeichnet sich der im Stadtteil Oxhöft aus, der wegen seiner Lage mit Blick aufs Meer für einen der schönsten in Polen gehalten wurde. Ein wahrer Schatz in historischer und architektonischer Hinsicht, ist die dortige Erzengel Michael Kirche, die älteste Kirche Gdingens und eine der ältesten Kirchengemeinden in Polen. Auf dem Friedhof liegt u.a. der Aktivist Bernard Chrzanowki und der Volksschriftsteller und Aktivist Antoni Abraham, der „König der Kaschubei“ genannt wird.

Wenn man von den Danziger Friedhöfen spricht, darf man den alten Städtischen Friedhof, der im Jahre 1924 gegründet wurde und heute Srebrzysko (Silberhütte) heißt, nicht vergessen. Er liegt malerisch im Dreistädtischen Landschaftspark im Stadtteil Langfuhr (Wrzeszcz) und war nach dem II Weltkrieg der größte Friedhof Danzigs. Es ruhen hier bedeutende Persönlichkeiten der Stadt und Region, u.a. der kaschubische Schriftsteller Lech Bądkowski, die Schriftstellerin und Journalistin Izabella Trojanowska, der Arzt Zdzisław Kieturakis, der Oppositionelle Dariusz Kobzdej, der außergewöhnlicher Politiker Arkadiusz Rybicki, der bei dem Flugzeugabsturz bei Smolensk starb, der Stoßarbeiter in der Zeit der Volksrepublik Polen Stanisław Sołdek und die Solidarnośc-Aktivistin Anna Walentynowicz.

Die Stadt Danzig hat auch entschieden, diejenigen, deren Gräber und Friedhöfe nach dem Krieg zerstört wurden und nicht mehr existieren, auf besondere Art zu würdigen. Der Friedhof der nichtexistierenden Friedhöfe entstand im Jahre 2002 am Fuß des Hagelbergs , neben der Fronleichnam-Kirche und ist der einziger dieser Art in Polen. Außerdem hat die Stadt überall dort, wo die alten Friedhöfe nicht mehr existieren, Grabsteine mit deutscher und polnischer Beschriftung aufstellen lassen.

Nicht weit von hier befindet sich auch der Danziger Garnisonsfriedhof, auf dessen Gelände früher drei alte Friedhöfe existierten: im oberen Teil (an der heutigen Dabrowskiego Str.) - der alte Militärfriedhof, der im XIX Jhd. angelegt wurde; der evangelische Fronleichnamsfriedhof und ein kleiner Teil des früheren Friedhofs vom Beginn des XX Jhds. Man findet hier u.a. alte Gräber preußischer Offiziere, das Grab der Besatzung des Kreuzers MS Magdeburg von 1914 in der Nähe der historischen Friedhofskapelle aus dem Jahre 1896, das Denkmal der Danziger Schupo und ein deutsches Gräberfeld für die Gefallenen Danziger Soldaten im II Weltkrieg. 

Ein anderer interessanter Ort ist der Mennoniten-Friedhof im Dorf Stogi. Wer waren die Mennoniten und wie wichtig ihre Arbeit war, weißt heute nicht jeder. Sie kamen zu uns aus Holland als Vertreter einer evangelischen Glaubensrichtung, die auf die Täufer-Bewegungen der Reformation (Anabaptisten) zurückgeht. Mennoniten glauben, dass man sich erst nach Vollendung des 14ten Lebensjahrs taufen lassen kann. Außerdem dürfen Mennoniten keine Waffen bei sich tragen oder besitzen, dürfen auf nichts und niemanden schwören und keine hohen Ämter innehaben.

Bei uns ließen sie sich vor allem im Werder nieder. Sie waren sehr fleißig, bauten Hochwasserschutzwelle, Entwässerungskanäle, Mühlen und bereiten somit den Boden für eine moderne Bewirtschaftung vor. Sie waren es, die die sumpfigen Gebiete des Werders zum fruchtbarsten Boden der Region machten. Dank ihnen nennen wir das Werdergebiet auch „Klein Holland“. Die letzten Mennoniten verließen das Gebiet im März 1945 als die Rote Armee immer näher rückte. Sie hinterließen vor allem sehr gepflegte Dörfer aber auch geheimnisvolle und interessante Friedhöfe, u.a. den in Stogi.

Wer könnte es erwarten, in dieser Gegend auch Soldatengräber der österreichisch-ungarischen Armee zu finden? In der spannenden Geschichte unserer Region gab es auch solche Zeiten, an die uns der kleine Friedhof in Tczew (Dirschau) erinnert. Es liegen hier die Kriegsgefangenen aus dem damaligen preußischen Langer in Dorf Suchostrzygi (Lunau) begraben, Tschechen, Polen, Ungarn, Österreicher und Ukrainer. Sie kamen hier ins Lager während des Preußisch-Österreichischen Krieges, starben jedoch infolge der Cholera-Epidemie, die vom Juli bis September 1866 andauerte.

An den Friedhof würde heute niemand mehr denken, wenn da nicht ein gewisser Herr Franz Windrich gewesen wäre. Auch er war Gefangener dieses Lagers, hat es jedoch überlebt. Nach seiner Rückkehr nach Österreich beschloss er, Gelder für den Erhalt des Friedhofs zu sammeln. Das Schicksal des Friedhofs stand dennoch mehrmals unter dem Fragezeichen? Nach dem II Weltkrieg schien es, als ob niemand mehr an die damaligen Soldaten denken würde. Doch im Jahre 1994 wurde er endlich saniert. In seinem Zentrum befindet sich ein Obelisk mit der lateinischen Inschrift „Viribus Unitis!” (mit vereinten Kräften) – der Devise von Kaiser Franz-Joseph – und ein zweiköpfiger Adler aus Bronze, das Wappen der Habsburger Monarchie.

Es lohnt sich, diese Orte zu besuchen, vor allem im November an Allerheiligen bei einem der herbstlichen Spaziergänge. Sie erinnern an die vielseitige Geschichte der Region, doch in erster Linie an die Menschen, die hier seit Jahrhunderten lebten und starben.