Kociewie ist eine geographisch-ethnographische Region die einen Bestandteil der Westpommerschen Seenplatte bildet und im Laufe der Jahre sich mehrmals gewandelt hatte. Gegenwärtige Grenzen von Kociewie werden auf der Grundlage der Sprachforschungen abgesteckt, die von Kazimierz Nitsch durchgeführt werden.

Der Forscher unterteilte das Gebiet von Kociewie in den ursprünglichen Bereich, der die Umgebung von Pelplin umfasst, sowie den erweiterten Bereich, in dem der Dialekt von Kociewie vorkommt. Das heutige Kociewie ist ca. 3 Tsd. km² groß. Seine östliche Grenze stellt ein ca. hundert Kilometer langer Weichselabschnitt ab der Umgebung von Gruczno /Grutschno/ im Süden, bis zum Dorf Czatkowy /Czattkau/, das nördlich von Tczew /Dirschau/ liegt. Die nördliche Reichweite der Region wird durch die Linie Pszczółki /Hohenstein/ – Trąbki Wielkie /Groß Trampken/ – Wysin /Wyschin/ begrenzt, wogegen die Westgrenze über Stara Kiszewa /Alt Kirschau/, Bartoszy Las /Fersenau/, Czarna Woda /Schwarzwasser/, Szlachta /Schlachta/, Śliwiczki /Klein Schliewitz/, Drzycim /Dirtschmin/ bis nach Gruczno und in Richtung der Weichsel verläuft. Verwaltungstechnisch gehört Kociewie der Wojewodschaft Pomorskie an (gesamte Kreise: Starogardzki und Tczewski, ein Teil des Kreises Gdański: ein Teil der Gemeinde Trąbki Wielkie /Groß Trampken/ sowie des Kościerski Kreises mit den Gemeindegebieten Liniewo /Lienfelde/ und Stara Kiszewa /Alt Kirschau/) sowie Kujawsko-Pomorskie (Mehrheit der Gebiete des Świecki Kreises und ein Teil der Gemeinde Śliwce /Schliewitz/ des Tucholski Kreises). Das Gebiet von Kociewie umfasst neun Städte: Tczew /Dirschau/, Starogard Gdański /Preußisch Stargard/, Skarszewy /Schöneck/, Skórcz /Skurz/, Czarna Woda /Schwarzwasser/, Gniew /Mewe/, Pelplin /Pelplin/, Nowe /Neuenburg/ und Świecie /Schwetz/. Als Hauptstadt der Region wird Starogard Gdański angesehen.

Die Bezeichnung Kociewie ist in Dokumenten vom Anfang des 19. Jahrhunderts zu finden. Die erste Erwähnung stammt von1807. Inmilitärisch-geschichtlichen Quellen Pommerns wird die Meldung von Oberstleutnant Hurting an General Dąbrowski angeführt, wo der Name Gociewie vorkommt. In den obigen Quellen fanden sich viele Ortsnamensentstellungen, daher wird angenommen, dass die Verwendung des Buchstaben G anstatt K eine solche irrtümliche Namensverwendung darstellte. Eine andere Namensgebung war Koczewie, die im Gedicht Szczaściejipon, das in der Kociewie-Mundart verfasst wurde, Verwendung findet. Das Dokument stammt aus Świecie  aus den Jahren 1810 – 1820. Bei Florian Ceynowa findet man dagegen die Verwendung des Namens Koczevije. Den Namen Kociewie hat auch Oskar Kolberg im Buchband Pommern verwendet.


Es ist den Forschern bis heute nicht gelungen eindeutig die Etymologie des Wortes Kociewie zu bestimmen. Dazu sind viele unterschiedliche Konzeptionen und Hypothesen entstanden, jedoch keine von ihnen wurde eindeutig bestätigt. Die Mehrzahl der etymologischen Ansätze konzentriert sich auf den Stamm Koć-. Danach stamme der Name Kociewie von den Ausdrücken:

- kociełki, das heißt zahlreiche kotliny /Schluchten/, Moore und kleinere Moore, die von Bergen umgeben werden (Konzept von Pfarrer Fankidejski);

kotten,  also Hütten (nach J. Łęgowski);

- kocza, kuczen – leicht zusammengezimmerte Laubhütten (nach Pfarrer J. Kujot);

- kociewie – Laubspäne, Schlamm (nach S. Kozierski, A. Brückner);

- kocanki – Pflanzenbezeichnung (nach W. Taszycki);

- koc – Fischfalle (nach J. Treder);

- kaczy /Entenähnlich/ – Kociewie, also Kacewie ‘kraina nad Kaczą rzeką’ /Land am Entenfluss/ (nach J. Haliczer);

- Gocie – Goten (nach F. Bujak, J. Czekanowski).


Hanna Popowska – Taborska hat in ihrer Forschungsarbeit an die Aussagen von Pfarrer Bernard Sychta angeknüpft, der Kociewie mit dem Ausdruck kocie wiarë, also „tiefe, öde Umgebung“ sowie mit dem Ausdruck kocevinë mit ähnlicher Bedeutung verglichen hatte. Für Popowska – Taborska hat Kociewie einen Spitznamencharakter, der genetisch pejorativ ist (was die Tatsache erklären könnte, dass während der Untersuchungen, die von Z. Stamirowska geführt wurden, die Bevölkerung der Region sich mit dieser Regionsbezeichnung nicht identifiziert hatte). Ihre wörtliche Grundlage würde der Begriff kot /Katze/ darstellen, wir hätten also mit analoger Wortbildung zu tun, wie im Falle des im „Kociewie-Wörterbuch“ zitierten chrószczewie /Gebüsch, Gestrüpp/. Sporadisch auftretende Bezeichnung koćejeve würde den um das Suffix –ej erweiterten Stamm beinhalten.

Dagegen ist Bogusław Kreja der Meinung, dass die Bezeichnung Kociewie von einer der ostslawischen Sprachen angenommen wurde. In der russischen Sprache bedeutet das Wort kočevьe lagern, kampieren. Es ist ein adverbiales Substantiv, das mittels der Verwendung des Suffixes –ьe vom Verb kočevat, also kampieren, gebildet wird. Die Bezeichnung Koczewie, die bei Ceynowa vorkommt, ist der russischen Ursprungsbedeutung ähnlich.

Kreja übernahm die Annahmen von Kujot hinsichtlich der in der Vergangenheit kleineren Gebietsfläche von Kociewie (welche die Umgebung auf der linken Flussseite der Ferse umfasste, und zwar zwischen Nowa Cerkiew /Nuwokirche/ und Królówlas /Königswalde/) und hat angenommen, dass bevor sie den Eingang in schriftliche Überlieferungen gefunden hatte, bereits in der mündlichen Überlieferung verwendet wurde, es handelte sich also nach Kreja um das 18. Jahrhundert. In dieser Zeit erfolgten in Pommern Armeedurchmärsche, darunter der russischen Armee, die auch in diesem Gebiet stationierte. In den Quellen gibt es keine direkten Hinweise darauf, dass Russen sich in der Umgebung von Gniew /Mewe/ und Pelplin /Pelplin/ aufgehalten haben sollten, aber auf dem Gelände des Pelpliner Klosters wurden russische Münzen aus den Jahren 1759 – 1762 gefunden. Außerdem führt Kreja toponomastische Beispiele (z.B. Dorf Rusek, Weiler Rusin) sowie antroponimische Beispiele (Nachnamen wie etwa Sobkow, Kołokolcow) an, die auf den Aufenthalt der russischen Armee in Pommern im 18. Jahrhundert hinweisen.

 

 tłum. EuroInterpret D. Moser

 

 

 

Regionalküche von Kociewie

Regionalküche von Kociewie

      Das, was Menschen gegessen haben, wurde durch geographisch-klimatische Bedingungen sowie durch die Menschen selbst beeinflusst: hier war vor allem ihre Abstammung ausschlaggebend. Kociewie war niemals ein Land, das von seinen Nachbarn vollständig isoliert war und zwar in der Form, dass die Nachbarn keinerlei Einfluss aufeinander ausüben würden. Ähnlich verhielt es sich mit der Küche.

Die Gerichte von Kociewie begreifen viele Geschmacksrichtungen, die Küche selbst ist nicht einheitlich. Die Speisekarte sah anders in Waldgebieten, anders an den Flüssen und Seen und noch anders in den Tiefebenen aus. Die polnischen Dörfer waren lange Zeit autark, die Lebensmittel stammten aus eigener Tierhaltung, eigenen Beeten und Wäldern. Das Menü der Landbevölkerung war nicht allzu differenziert. Es überwiegten Lebensmittel pflanzlicher Herkunft, man aß viel Gemüse, Obst, (hausgebackenes) Brot, Waldfrüchte sowie Milcherzeugnisse und Eier. In den Küstenregionen sowie in Ortschaften, die an fischreichen Seen gelegen sind, bildeten Fische ein wichtiges Element der lokalen Speisekarte. Das beliebteste Fleisch in Pommern war das Schweinefleisch, man aß aber auch Lammfleisch und Rindfleisch. Dies rührte ohne Zweifel daher, dass das Schweinfleisch sich am besten verarbeiten ließ. Schinken und Würste wurden in Pommern in der Zeit des Schweineschlachtens erzeugt, das vor allem zum Anlass großer kirchlicher Feste (Ostern und Weihnachten) sowie wichtiger Familienfeiern (Taufen und Hochzeiten) vorgenommen wurde. Ein Schwein wurde nach jeweiligen Fleischarten zerteilt. Man war bemüht alle Teile zu nutzen und machte aus ihnen Schinken, Würste, Blutwürste, Leberwürste, Presswürste. Knochen wurden für Suppen verwendet. Das Fleisch wurde konserviert: gesalzen oder geräuchert. Aus dem Schweinfleisch wurde in Kociewie u.a. Fleischwurst gemacht, die eine Mischung aus Mettwurst und normaler Wurst war. Ein wichtiger Zusatz zu den Speisen bildete der Speck: roh oder geräuchert, der für die gesamte Zeit zwischen dem einen und dem nächsten Schweineschlachten ausreichen musste. Der Speck wurde auch in Schmalz umgewandelt. Vom Schwein aß man am liebsten den Schweineschnitzel (Karbonada), sowohl gebraten als auch gedünstet. Am besten schmeckte er aber mit gedünstetem Kraut. Die Kociewie-Einwohner hielten neben Schweinen auch Hühner, von denen sie täglich mit Eiern versorgt wurden. Aus dem Geflügel wurden verschiedene Pastetesorten gemacht, besonders beliebt war ausgelassener Gänsespeck, der zum St. Martin zubereitet wurde.


Neben Weizenprodukten waren unterschiedliche Gemüsesorten, vor allem Kartoffeln, Erbsen, Kohl, Möhren und Kohlrüben besonders wichtig. Zu den beliebtesten Gemüsesorten der Kociewie-Küche gehörte zweifellos der Kohl, der auf viele unterschiedliche Arten zubereitet werden konnte. Er wurde für die Zubereitung von Rohkost- und Krautsalaten, Sauerkraut für den Winter in großen Holzfässern oder für Suppen verwendet. In Pommern werden seit je her zwei Krautsuppen zubereitet - der Brühbart, der aus frischem Kohl zubereitet wird, sowie Zupfkraut - eine Sauerkrautsuppe. Zupfkraut war eine sehr beliebte und einfach zuzubereitende Suppe.


Die wichtigste Speise in Kociewie bildete das Brot, meist Vollkorn oder Reisbrot. Üblicherweise wurden 3 Speisen am Tag eingenommen. Morgens herrschten Milchsuppe mit Roggenklunkern, Malzkaffee und pürierte Kartoffeln vor. Das Mittagessen bestand aus einer Suppe, meistens einer Kartoffelsuppe oder Sauerteigsuppe mit Sauermilch und mit Klunkern und als zweiten Gang aß man Kartoffeln oder Nudeln mit Kohl oder Graupen mit Erbsen. Fleisch wurde an Sonntagen und an Feiertagen gegessen. Zu Abend wurden wieder Klunker mit Milch und Kartoffeln mit Mehlschwitze gegessen. Sehr oft wurden Bratkartoffeln zubereitet, die zu Mittag nicht aufgegessen wurden.


Zu den süßen Delikatessen der Kociewie-Einwohner gehören alle möglichen Arten von Hefegebäck. Gebacken wurden Kołaczek (Brötchen), Szneki z glacem (Schneckenudel mit Überguss), Kuchy (Kuchen), Kuszki (Kleingebäck), Purcle (Butterbrötchen) und Pómle (Krapfen). Das Gebäck wurde mit süßem Streusel verziert, man gab auch Früchte zu: Äpfel, Birnen, Pflaumen, Waldbeeren. Ostern war sicherlich die Zeit, welche die ganze kulinarische Backkunst erforderte. Die Hausfrauen haben dann ihre Hefenapfkuchen gebacken, in wohlhabenderen Haushalten wurden Osterkuchen gebacken.


In der letzten Zeit bemühen sich die Kociewie-Einwohner um die Erfassung ihrer Gerichte in der Liste Traditioneller Produkte. Gegenwärtig sind dort ca. 30 unterschiedliche Speisen erfasst, die aus der Region Kociewie stammen.


tłum. EuroInterpret D. Moser