Das Fernrohr von Hevelius - Der da Vinci aus Danzig

Das Fernrohr von Hevelius - Der da Vinci aus Danzig

Johannes Hevelius ging in die Geschichte als berühmter Wissenschaftler ein. Der berühmter Danziger und bedeutendster Astronom des XVII Jhds. Zeichnete Sternrouten der Kometen vor, untersuchte die Mondoberfläche und benannte zahlreiche Sternbilder. Seine größten Entdeckungen machte er Nachts, doch tagsüber war er ein smarter Kaufmann, genialer Bierbrauer und vor allem Erfinder, der heute als „Danziger da Vinci” bezeichnet wird.

Ein Mensch mit so vielen Begabungen wie Hevelius konnte sich nicht nur einer Sache widmen. Auf vielen Gebieten war er unumstrittener Meister seines Fachs, auf anderen war er seiner Zeit weit voraus. So war es auch in der Astronomie – der größten Liebe des Wissenschaftlers.


Sein Engagement bei der Untersuchung der Himmelskörper war so groß, dass seine Danziger „Beobachtungskammer” die Fläche von drei Hausdächern in der Korzenna Strasse (Pfefferstadt) beanspruchte. In der damaligen Zeit war es das größte um am besten ausgestattete Observatorium der Welt. Dort machte er seine Berechnungen, zeichnete Himmelskarten und aufbewahrte seine Mess- und Beobachtungsgeräte. Den Großteil von ihnen entwarf, baute und gar verzierte er selbst. Seine Fernrohre, Quadranten, Sextanten und Oktanten waren so genau, dass für Staunen und  Misstrauen bei den berühmtesten Astronomen der damaligen Epoche sorgten.

Heweliuszowski teleskop pod murami Gdańska Sztych z dzieła

Hevelius-Teleskop unter den Mauern von Danzig
Stich aus der Arbeit von "Machina Coelestis" der Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften

In seinem monumentalen Werk „Machinae Coelestis pars priori”, das im Jahre 1673 veröffentlicht wurde, beschrieb Hevelius gutausgestattetes Observatorium, die Geschichte der Astronomie und sein Leben. In seinem Buch findet man auch die Beschreibung eines Gerätes, das im XVII Jhd. eine Weltsensation war.  

Na den Seiten seines Werkes, neben genauen Beschreibungen, befinden sich auch wunderschöne Abbildungen von Izaak Saal. Eine von ihnen zeigt die Danziger versammelt um ein großes und geheimnisvolles Gerät. Es war der größte Teleskop der damaligen Zeit– der ganze Stolz des Astronomen und der ganzen Stadt, aber auch Neid anderer Beobachtungszentren Europas.

Das riesige Fernrohr hing an einer 30m hohen Säule. Der barocke Vorläufer der heutigen Teleskope unterschied sich von ihnen vor allem mit seiner Konstruktion. Er war nicht komplett verhüllt in einem Gehäuse, sondern war mehr durchbrochen, wodurch er leichter war. Der Grund, warum Hevelius sich für solche Größe entschied (das Danziger Fernrohr war 50 m lang), war die Unzulänglichkeit der damaligen Linsen – die Ansicht, die sie ermöglichten, war um so verschwommener, je kleiner der Abstand zwischen den Linsen war. Durch die größere Distanz zwischen den Linsen, war die Ansicht genauerer und lieferte mehr Daten.

Projekt wieży, na której zawieczony miał zostać teleskop Heweliusza Sztych z dzieła

Turmdesign für das Hevelius-Teleskop
Ein Stich aus der Arbeit von "Machina Coelestis" aus der Sammlung der Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften

Das Fernrohr stelle man auf der Wiese vor dem Olivaer Tor auf, wo es alle bewundern konnten. Im Laufe der Zeit wurde es auf die Terrasse des Observatoriums gebracht. Trotz seiner Gerüstkonstruktion, die das Gewicht reduzierte, war es aufgrund seiner Größe schwer zu handhaben. Das angebaute Seil- und Hebelsystem zur genauen erleichtete die Bedienung nur geringfügig, deshalb bediente sich der Meister meistens der kleineren Fernrohre. Ursprünglich wollte man das Fernrohr auf einem extra dafür gebauten Holzturm installieren, der weit über die Dächer der tausendjährigen Stadt ragen sollte, doch man verzichtete letztendlich auf diese Idee. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das „Tor zum Himmel”, also der Danziger Teleskop, nicht nur neue Entdeckungen ermöglichte, sondern auch den Anfang einer neuen Ära im Bau der Observatorien einläutete.

Das astronomische Danzig heute

Heute wird Hevelius’ Erbe im Zentrum Hevelianum gepflegt, wo man auch die Astronomie als seine größte Leidenschaft propagiert. Das moderne naturwissenschaftliche Zentrum befindet sich im Herzen der Stadt, in den alten Befestigungsanlagen auf dem Hagelsberg (Góra Gradowa). Von hier aus kann man auch den tollen Ausblick auf das Panorama der Stadt genießen oder nachts den Himmel beobachten.

Weniger bekannt jedoch ebenso interessant ist das Robert Głębocki-Observatorium bei den Autonomen Danziger Schulen. Zweimal pro Woche öffnet es abends seine Tore für alle großen und kleinen Astronomiefans. Die nächtlichen Beobachtungen mithilfe eines mechanischen Teleskops vom Dach der Schule aus werden von qualifizierten Astronomen veranstaltet, die die Besucher gerne mit ihrer Leidenschaft anstecken. Es finden hier außerdem auch populärwissenschaftliche Vorträge und Workshops statt.

Das Observatorium befindet sich im Gebäude der Autonomen Danziger Schule in der Osiek Str. 11/12. Die offenen Abende finden Mittwochs (19.00-22.00) und Donnerstags (18.00-22.00) statt.