Nordkaschubei. Seetradition auf kaschubische Art.

Von Hela über Władysławowo bis Białogóra. Von Putzig  über Wejherowo bis Sierakowice. Die Nordkaschubei mit dem Ostseelandschaftspark hat jede Menge zu bieten. Befreundet mit der Danziger Bucht, offen auf die Ostsee, mit Küstenlandschaften und grünen Hügeln.

Die Nordkaschubei gehört zu den beliebtesten Gegenden in Polen. Jedes Jahr wird sie von tausenden Touristen besucht. Man braucht sich auch nicht zu wundern. Der Zugang zur Ostsee ist einer der wichtigsten Vorzüge der Nordkaschubei. Ein touristischer, historischer, architektonischer und kultureller Vorteil.

Die Halbinsel Hela und ihre Sehenswürdigkeiten

Die Halbinsel Hela ist Europaweit ein Unikat. Umgeben von der Ostsee und der Danziger Bucht ist sie an der schmalsten Stelle, zwischen Chałupy und Kuźnica, nur 150 Meter breit. Die eigentliche 34 Meter lange Nehrung ist wie eine Sense in der Landschaft und auch von der Natur her sehr interessant. Es gibt hier Tannenwälder, Dunen und Heidelandschaften. Die Ornithologen schätzen die hiesigen Vogelarten und die Biologen untersuchen die in hiesigen Gewässern vorkommenden Robben und Schweinswale.

Die Halbinsel Hela, fot. pomorskie.travel

Die Halbinsel Hela ist ist heute ein Anziehungspunkt für alle, die gerne am Strand liegen, Wassersport lieben und gerne Fahrrad fahren. Die vielen Hotels und Restaurants ziehen sie alle genauso an wie  die sauberen Strände von Jastarnia und Jurata und die Atmosphäre der Nordkaschubei. Aber nicht nur auf Hela, sondern auch in Władysławowo, Karwia und Jastrzębia Góra finden wir 100 Jahre alte Fischerhütten. Den Weg zeigten den Fischern seit Jahrhunderten die Leuchttürme, von denen die bekannteste in Rozewie und die schönste (Stilo) in der Nähe von Sasin steht. Obwohl die Fischkutter heute immer moderner werden, kann man im Fischereimuseum in Hel die „Pomeranka”, ein altes Fischerboot, das im XIX Jhd. sehr verbreitet war, sehen. Boote und Fischkutter finden wir überall an der Strandlinie. Von Władysławowo kommt man leicht nach Jastrzębia Góra, wo die Steilküsten dominieren, nach Karwia, Dębki, Piaśnica und Białogóra.

Strand in der Nähe von Choczewo, fot. UG Choczewo

Beim Besuch der Nordkaschubei kann man auch nicht an Putzig vorbei. Diese malerische Ortschaft mit restaurierter Altstadt besitzt auch einen schönen Seesteg, von dem aus man das Kleine Meer, denn so nennen die Kaschuben die Putziger Wiek, bewundern. In der Nähe befinden sich auch die Zisterzienser-Route und viele kleine Ortschaften mit für diese Gegend typischer Architektur. An den Straßen treffen wir auch viele Kreuze und kleine Kapellen an.

Wejherowo und Umgebung

Und wenn wir schon bei den geistigen Angelegenheiten sind, so lohnt es sich das Sanktuarium in Swarzewo und den Kalvarienberg in Wejherowo zu besuchen. Das Kaschubische Jerusalem, wie man es hier nennt, ist der drittälteste Kalvarienberg Polens, der jedes Jahr von Tausenden von Gläubigern besucht wird.

Doch in der Nordkaschubei gibt es auch in Żarnowiec eine Benediktinerinnen-Abtei. Historiker betonen, dass die Kaschubische Stickerei eben auf die mittelalterliche Tradition der weiblichen Orden (hier sind es neben den Pränonstratenserinnen auch die Benediktinerinnen aus dem Kloster in Zuckau) zurückzuführen sei. Wenn jemand Legenden liebt, soll er nach Gniewino kommen, in dem die Stoleme herrschen, jene Riesen, die die Kaschubischen Schnecken mit Glanz lieben.

Kalvarienberg in Wejherowo, fot. pomorskie.travel

Zu Nordkaschubei gehören auch die hiesigen Herrenhäuser und Schlösser. Auf der Reise durch diese Region soll man unbedingt das Schloss Krokow besichtigen, in dem der Graf von Krokow wohnte, das herrliche Herrenhaus in Zackenzin (Ciekocinko) besuchen, in dem es ein Gourmet-Restaurant und daneben einen Pferdestall gibt, und einige mehr verteilt über die ganze Gegend.

Die Nordkaschubei begeistert nicht nur im Sommer. Auch im Herbst und Winter werden die Kaschuben Euch willkommen heißen, wenn es weniger Touristen gibt, die Landschaft dieselbe und doch anders ist und das kaschubischer Essen noch schmackhafter wird.

Sonnenuntergang an der Bucht von Puck, fot. pomorskie.travel

Was macht ein Leuchtturmwärter? „Wir sind dafür da, damit das Leuchtturmlicht niemals ausgeht“.

Gute Geister, die den Weg in den Hafen weisen. Immer anwesend, bei Sonne und Sturm. Sie geben das Licht der Hoffnung, das Licht der Leuchttürme. Leuchtturmwärter, ein sagenumwobener Beruf, nicht besonders verbreitet, jedoch auch in der heutigen Zeit unverzichtbar.

 An der polnischen Küste thronen 17 Leuchttürme. Die Leuchttürme in Rozewie, Zoppot, Hel und Ustka funktionieren bis heute. Unabhängig vom Wetter führen Sie die Schiffe durch die Ostsee. Der Leuchtturm Stilo befindet sich circa 1 km von der Strandlinie entfernt und genauso weit vom nächsten Dorf. Mitten im Wald ist er eine große Attraktion. Über die Arbeit auf dem Leuchtturm sprechen wir mit Darius Godula, dem Leuchtturmwärter von Stilo.

 

Pomorskie.travel: Der Leuchtturm in Stilo gilt aufgrund seiner Lage als einer der am schönsten gelegenen Leuchttürme. Umgeben von Wald, Dünen und natürlich auch der Ostsee. Der Leuchtturm selbst ist über 100 Jahre alt.

D. G.: Um zu dem Leuchtturm in Stilo zu gelangen, muss man erst durch den Wald und dann auf den      Berg gehen. Der Zugang ist also nicht leicht, doch es ist auch ein Vorteil zugleich. Der Leuchtturm entstand in den Jahren 1904-1906. Gebaut wurde er von Deutschen, weil das hier damals deutsche Gebiete waren. Für seinen Bau nutzte man einen Hügel, Düne und eine 54 m hohe Erhebung. So entstand hier ein fast 34 m hoher Turm, dessen Lichthöhe fast 80 m über dem Meeresspiegel beträgt. Der ganze Leuchtturm besteht aus Stahlelementen, die miteinander verschraubt wurden, die Fugen sind mit Blei ausgefüllt und der Innenraum mit einer Sprühfarbe mit Kork als Isolierschicht bedeckt.

Leuchtturm Czołpino, fot. pomorskie.travel

Von oben kann man eine tolle Aussicht genießen. Man kann hier Leba mit den Wanderdünen, der Hafeneinfahrt und den Seen Lebsko und Serbsko sehen. Übrigens haben wir hier auch unsere Wanderdünen. Die Westwinde schütten langsam den Wald zu und verschieben den Berg . Links von uns gibt es den Leuchtturm in Czolpino und rechts von uns den in Rozewie. Wir sind circa 40 km voneinander entfernt. Wir sehen uns nicht, auch durch ein Fernglas nicht. Doch in der Nacht bei guter Sicht sehen wir unsere Lichter und blinken zueinander.

Der Leuchtturm ist eine sehr interessante und sehenswerte Konstruktion.

Pomorskie.travel: Doch woher kommt der unpolnische Name Stilo?

D. G.: Viele Leute fragen mich danach. Ich kenne zwei Versionen. Die eine besagt, dass der Name Stilo vom deutschen „still“, windlos komme. Die zweite Vermutung, dass er von dem nahgelegenen Dorf Osetnik, das zur deutschen Zeit Stilow geheißen haben soll, abstammen sollte.

Pomorskie.travel: worin besteht die Arbeit eines Leuchtturmwärters?

D. G.: Wir sind dafür da, damit das Licht eines Leuchtturms niemals ausgeht. Unsere Arbeit heute besteht vor allem darin, den Leuchtturm in Bewegung zu halten. Wir passen auf, dass alle Glühbirnen leuchten und wenn es nicht der Fall ist, dann tauschen wir sie aus. Wir kümmern uns auch um die Lichtquellen, säubern Sie nach jeder Nacht, denn es kommen hier jede Menge Fliegen, Mücken und Motten rein. Wir konservieren auch die wichtigsten Gerätschaften wie zum Beispiel den Stromaggregat. Im Hauptraum des Leuchtturms befindet sich ein runder Metalltisch. Auf diesem Tisch stehen Säulen mit Glühbirnen, in jeder Säule sechs Hauptbirnen und zwei als Reserve. Sie leuchten ununterbrochen. Doch vom Weiten glaubt man, dass sie für nur 0,3 Sekunden aufleuchten. Der Tisch dreht sich und jeder Zyklus dauert 12 Sekunden. Ein guter Navigator erkennt jedoch dahinter das „S“ und Stilo. Nachts leuchten die Leuchttürme nach dem Morsealphabet - wir leuchten ein S und drei Punkte als Stilo.

Leuchtturm Rozewie, fot. pomorskie.travel

Der Leuchtturmwärter ist der Vertreter eines alten Berufs. Früher war die Technik nicht so fortgeschritten wie heute und im Stilo arbeiteten vier Leuchtturmwärter. Der Leuchtturm wurde von Hand bedient. Im Kalender notierte man die Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge. Beim Sonnenuntergang machte man den Leuchtturm an, beim Sonnenaufgang wurde er ausgemacht. Heute gibt es Fotozellen, die den Leuchtturm automatisch an und ausmachen. Deshalb arbeiten jetzt nur drei Leuchtturmwärter auf Stilo.

Pomorskie.travel: Darunter auch Sie

D. G.: Ja, obwohl es gar nicht so sicher war, ob ich Leuchtturmwärter  sein werde. Letztendlich überzeugte mich mein Vater, Longin Godula, der 1998 pensioniert wurde. Er arbeitete hier 38 Jahre lang und hat mir die Leuchtturmtradition weitergegeben. Man kann auch sagen, dass ich im gewissen Sinne gar nicht anders konnte. Die Arbeit auf dem Leuchtturm Stilo lernte ich ja schon in den jungen Jahren kennen. Mein Vater nahm mich schon in den siebziger Jahren mit, als es hier noch ein Grenzgebiet war und das Militär hier stationierte.

Es ist so, dass dieser Beruf vom Vater auf den Sohn übergeht. Ich selbst sitze hier schon seit über 20 Jahren.

Pomorskie.travel: Und wie es aussieht, mögen Sie diese Arbeit…

D. G.: Es ist ein wunderbarer Beruf. Die Stille und Ruhe. Man kann die Natur beobachten, dem Zwitschern der Vögel und dem Rauschen des Meeres lauschen. Auf der Arbeit arbeite ich, aber ich erhole mich auch.

Pomorskie.travel: so ein Leuchtturmwärter ist eine gute Seele. Er hilft tagtäglich, aber auch in hoffnungslosen Situationen…

D. G.: Gegenwärtig gibt es weniger gefährliche Situationen als in alten Zeiten. Früher passierte es auch öfter, dass wir am nahgelegenen Strand Zigaretten und Orangen fanden. Das war meistens nach einem Sturm der Fall, wenn ein Schiff einen Container verlor. Ich kann mich an die Geschichte erinnern, die mein Vater erzählte. Im Oktober 1971 fuhr das dänische Schiff West Star von DANZIG nach England. Am Bord war Holz, genauer gesagt Holzbretter. Es war beladen bis an die Oberkante als es auf der Höhe von Stilo vom Sturm erwischt wurde. Sein Motor ist kaputt gegangen und es fing an sich einseitig zu neigen.

Leuchtturm Hel, fot. pomorskie.travel

Der Kapitän sendete somit das Alarmsignal: Mayday, Mayday! Mein Vater, der damals Dienst auf dem Leuchtturm hatte, schaltete sich sofort in die Rettungsaktion ein. Er benachrichtigte die Wasserrettungsstation, doch wegen des schlechten Wetters konnte kein Rettungsschiff geschickt werden. Man befiel meinem Vater, die Lage des Schiffs regelmäßig zu kontrollieren und zu gucken ob man seine Lichte noch sieht. Letztendlich wurde am Morgen ein Rettungsschiff geschickt doch in der Zwischenzeit wardie West Star 200 m von der Strandlinie auf eine Sandbank aufgefahren. Alle Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Heute, wenn wir am Strand spazieren gehen, auf der Höhe von Ulinii, sieht man zwei aus dem Wasser ragenden Masten. Das sind die Masten der West Star.

Pomorskie.Travel: Werden heute, im Zeitalter der unglaublichen Entwicklung der Technologie und der Automatisierung, Leuchtturmwärter noch gebraucht?

D. G.: Eben. Jeder denkt, dass in der heutigen Zeit, im Computer- und GPS-Zeitalter, ein jeder auf dem Wasser klarkommen würde. Doch wenn plötzlich der Sturm oder eine hohe Welle kommt, unser Akku dann nass wird bzw. wir es vergessen, unser Handy aufzuladen… dann sieht es nicht mehr so rosig aus und der Leuchtturm wird plötzlich zum letzten „Rettungsbrett“. Wenn der Mensch die Orientierung verliert, bekommt er Panik und ein Leuchtturm ist dann die Hoffnung, die am Horizont leuchtet…

Den Leuchtturms Stilo kann man in der Sommersaison vom 1. Mai bis 31. August besichtigen.

Touristen nutzen auch die Leuchtturm-Route, die von der östlichen bis zur westlichen Ostseeküste verläuft.

Leuchtturm in Ustka, fot.pomorskie.travel