In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Königsweg

Königsweg

      Der sog. Königsweg in Danzig war die längste Stadtachse des mittelalterlichen Europas. Diese interessante, heute historische Route, war ein Ort, wo wichtige Paraden, Feiern und triumphale Einzüge in die Stadt abgehalten wurden. 

Die mehrere tausend Personen starken Gefolge brauchten sogar bis zu acht Stunden, um den sog. Königsweg zu bewältigen. Sie fuhren in den Königsweg über das Hohe Tor (Brama Wyżynna) ein, das nur etwas über zehn Meter vor dem westlichen Teil des Vortors der Langgasse, der späteren Peinkammer (Katownia), lag. Vor diesem Bau haben die Stadtvertreter dann die Besucher die offiziell begrüßt.

Zu den Klängen der Glocken der Danziger Kirchen, Gesängen der Geistlichkeit und Hochrufen der Danziger überquerten die hohen Besucher das Langgassertor (Złota Brama) und fuhren an der Georghalle (Dwór Bractwa św. Jerzego) vorbei. Hinter dem Tor füllte das freudenerregte Volk die gesamte Langgasse aus, in der die reichsten Stadteinwohner ihre Häuser hatten.

Die Gefolge hielten öfters kurz an, um die Vorführungen der Seiltänzer und der Straßenakrobaten zu beäugen, Straßenmusikanten anzuhören, die Rede des Bürgermeisters zu vernehmen oder Ritterkämpfe zu verfolgen. Gleichzeitig bot dies die Möglichkeit die reiche Verzierung der Bürgerhäuser der Langgasse zu bewundern, in den in späteren Jahrhunderten einflussreiche Danziger Familien wohnten. Besondere Aufmerksamkeit verdienen bis heute u.a. das Uphagenhaus, das Ferberhaus, das Schumannhaus sowie das Löwenschloss. In dem letzteren trafen sich Vertreter der Wissenschaft und Kultur.

Kurz vor dem Ende der Langgasse haben Könige vor dem Rechtsstädtischen Rathaus (Ratusz Głównego Miasta), dem Sitz der Danziger Rats, Halt gemacht. Hier wurden für die Herrscher ihre Quartiere vorbereitet, hier wurde über für die Stadt wichtige Angelegenheiten debattiert. Direkt hinter dem Rathaus erstreckte sich der Lange Markt (Długi Targ), der über Jahrhunderte hinweg ein pulsierendes Zentrum des städtischen Lebens bildete. Hier blühte der Handel, war die Getreidebörse ansässig, fanden Ritterturniere statt und wurden Königen Eide geleistet.

Die polnischen Herrscher, welche die Stadt an der Mottlau besuchten, hatten für ihren Übernachtungsort oft Häuser am Langen Markt gewählt und schätzten die Schönheit und Pracht dieses Standorts. Deswegen wurden auch die ersten vier Gebäude am Langen Markt als Königshäuser bezeichnet.

Von den Fenstern dieser Häuser konnten die Könige eines der schönsten Objekte seiner Art in Nordeuropa - den Artushof erblicken. Es war ein Versammlungsort des vermögenden Patriziats und ein wichtiges Zentrum des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens der Stadt. Der Neptunbrunnen, ein Symbol der Hinwendung der Stadt zur See, passt ebenfalls hervorragend in die Szenerie des Langen Markts.

Neben dem Artushof verdienen auch die benachbarten Bürgerhäuser Aufmerksamkeit, die sich auf derselben Seite des Danziger Markts befinden. Im Besonderen ist hier das Speymanhaus (Złota Kamienica) am Langen Markt 41 zu nennen, das als eines der schönsten Danziger Gebäude gilt. Direkt daneben steht mit der Straßennummer 43 das als Neue Schöffenhaus (Nowy Dom Ławy) oder auch als Danziger Diele (Sień Gdańska) bezeichnete Objekt, das fast über 100 Jahre den Sitz des Städtischen Gerichts stellte.

Obwohl den gekrönten Häuptern die Bürgerhäuser am Langen Markt 1-4 sehr zusagten und von ihnen als Unterkünfte gerne genommen wurden, haben die Danziger sich dazu verpflichtet, ihnen eine offizielle Residenz zu errichten. So entstand als Nachfolgerbau des Koggentors (Brama Kogi), das Grüne Tor (Zielona Brama). Letztendlich hat die offizielle Residenz der polnischen Könige ihren Zweck nicht erfüllt. Nur einmal, im Jahre 1646, hat hier Luisa Maria Gonzaga auf ihrer Flucht nach Frankreich zur Hochzeit mit Wladislaus IV. Wasa Halt gemacht.

Heute beendet die Mehrheit der Touristen ihre Besichtigung des Königswegs kurz hinter dem Grünen Tor. Ein paar Jahrhunderte zuvor haben sich die königlichen Gefolge bis zum Langgarter Tor (Brama Żuławska) und Langgarten (Długie Ogrody) begeben, wo die Gefolgschaft des Monarchen sich ausruhen konnte.


Übers. EuroInterpret - D. Moser

Foto: M.Bieliński, R. Baranowski, PROT