Vom Reichtum und von der Verbundenheit der ehemaligen Pommernbewohner an den Wohlstand zeugen vor allem die bis heute aufbewahrten Bürgerhäuser sowie die Patritzenhäuser und –sitze. Gdańsk (Danzig) war unter dieser Hinsicht ein besonderer Ort, an dem die Bürgerhäuser einen der wertvollsten Bestandteile der Stadtarchitektur schufen. Die reichen Bewohner Danzigs bauten ihre Häuser mit besonderem Schwung und nahmen dabei die Dienste der berühmtesten Architekten und Bildhauer in Anspruch. Vom Ausmaß dieser Unternehmung kann die Tatsache zeugen, dass die polnischen Könige, die die Stadt am Fluss Motława (Motlau) besuchten, die Patritzenhäuser bewohnten, weil sie oft viel bequemer als die für die Könige bereitgestellten Gebäude (z.B. das Grüne Tor) waren. Somit können wir in Danzig die wundervollsten Beispiele von Bürgerhäusern landesweit bewundern. An interessanten historischen Häusern fehlt es auch nicht in anderen Städten: in Słupsk (Stolp), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) bzw. Wejherowo (Neustadt). Ein spezifisches Beispiel ist dagegen Gdynia (Gdingen), wo fast die ganze Innenstadt mit monumentalen, modernistischen Bürgerhäusern aus den 20-ger und 30-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bebaut ist. Heute stellen sie ein großartiges Beispiel von diesem Stil europaweit dar. Zu erwähnen ist auch die Kurortarchitektur in Sopot (Zoppot) und Ustka (Stolpmünde), wo die eklektischen und Sezessionsgebäude ein einzigartiges Klima schaffen.


     Besichtigt man die pommerischen Städte, lohnt es sich auf die interessanten, oft einzigartigen Wohngebäude aufmerksam zu werden, die raffinierten Verzierungen und architektonischen Details zu entdecken, die einzelnen Stils zu erkennen und wie die Menschen über Jahrhunderte gelebt haben zu erfahren.

Englisches Haus

Das Englische Haus ist eins der größten Danziger Bürgerhäuser, das die Fläche zweier Parzellen einnimmt und im Jahre 1570 von Hans Kramer (dem Erschaffer des Hohen Tors (Brama Wyżynna) im Renaissancestil errichtet wurde.

Anfänglich befanden sich hier ein Kaufmanshaus und ein Textillager, die häufig von englischen Kaufleuten besucht wurden. Seit dem 18. Jahrhundert beherbergte das Gebäude ein Hotel, das ebenfalls besonders bei den Engländern beliebt war. Daher stammt auch wahrscheinlich der Name des Bürgerhauses, obwohl das Haus auch als Engelshaus bezeichnet wurde, vielleicht wegen der auf seiner Spitze aufgestellten Engelsfigur. Die Wahrheit über seinen Namen wurde bis heute nicht geklärt. Das Gebäude wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Die einst sehr prachtvolle und bunte Fassade ist nur in kleinerem Umfang erhalten geblieben. Nach seinem Wiederaufbau im Jahre 1979 wurde hier das Studentenwohnheim der Akademie der Künste eingerichtet.


tłum. EuroInterpret D. Moser