Gotische, barocke, aus Holz, aus Backstein, mit Lehm gefüllt und verputzt, in Flechtwerk- bzw. Fachwerkbauweise errichtet, so abwechslungsreich sind Sakralobjekte nur in Pommern. Die kostbaren Einrichtungen, Wandmalereien und die unglaublichen Glasmalereien vervollständigen den Gesamteindruck der Bauwerke.

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Trinitatiskirche in Danzig

Adresse:

Ul. Świętej Trójcy 4

80-822 Gdańsk

Kontaktdetails:

Tel. 58 320 79 80

Sie bildet einen Teil des Klosterkomplexes des Ordens der Minderen Brüder, der die Annakapelle, ein Fachwerkhaus sowie an die Kirche angelehnten Klostergebäude mit Klostergarten umfasst. Sie wurde von den Danziger Franziskanern errichtet.

Die Trinitatiskirche und das anlehnende Kloster bildeten eines der Zentren, wo Mönche aus aller Welt auftauchten und außer dem Glaubensgut, das von Giovanni Bernardone, also dem hl. Franz von Assisi, initiiert wurde, auch Elemente der Kulturen, in denen sie aufwuchsen, mitbrachten.


Auf die Ankunft der Mönche aus Wittenberg, dem Zentrum der religiösen "Revolution" von Martin Luther, im Franziskanerkloster wird die Tatsache zurückgeführt, dass gerade Franziskaner die Wegbereiter der Reformation in Danzig gewesen sind. Dies hatte jedoch zur Folge, dass die Gemeinschaft abgeschafft wurde und die Kirche und Klosteranlage im Jahre 1555 durch ihren letzten Guardian der Stadt übergeben wurde. So begann die Geschichte unterschiedlicher Institutionen, die seither innerhalb der Mauern des ehemaligen Klosterkomplexes der Franziskaner tätig waren.


Der wichtigste Aspekt der Geschichte des ehemaligen Klosterkomplexes der Vorstadt für die Danziger Kultur bildete die Tatsache, dass sich hier das Akademische Gymnasium befand. Diese Schule, die fast in eine regelrechte Universität umgewandelt worden wäre, hatte über Jahrhunderte hinweg die Danziger Intellektuellen- und Politikerelite bis 1817 herangebildet.


Das ehemalige Franziskanerkloster stellte auch den ersten Sitz der städtischen Bibliothek. Ihre Entstehung ist mit der Person eines italienischen Emigranten verbunden, der wegen seiner zu fortschrittlichen Denkweise und Sympathie gegenüber der Reformation aus seiner Heimat fliehen musste. Er hieß Giovanni Bonifacio Marquis d'Oria. Als er sich ins Exil aufmachte konnte er außer einer sehr großen Anzahl von Büchern nicht viel mitnehmen. Er wanderte durch Europa von Land zu Land, lernte Menschen kennen, wobei er viele Koryphäen damaliger Wissenschaft sowie Anführer weltanschaulicher Bewegungen traf. So verbrachte er den größten Teil seines erwachsenen Lebens.


Eine unglückliche Fügung sollte sich als ein Glücksfall für Danzig erweisen. Das Schiff, das den Marquis und seine Büchersammlung beförderte, erlitt am 25. August 1591 eine Havarie am Eingang zum Danziger Hafen und begann zu sinken. Die schnelle Rettungsaktion rettete nicht nur den Exilanten, sondern auch den Großteil seiner wertvollen Sammlung. Der lebensmüde und fast blinde Italiener schloss einen Vertrag mit der Stadt ab, laut dem seine Bücher, es waren ihrer über Tausend, der Stadt übereignet werden sollten. Dafür sollte ihr bisheriger Eigentümer bis zu seinem Lebensende Unterhalt von der Stadtkasse bekommen. So begann die Geschichte der Stadtbibliothek, die anfänglich als Ratsbibliothek, später als Senatsbibliothek bezeichnet wurde und gegenwärtig den Hauptteil der Sammlung der Danziger Bibliothek der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) bildet. Das Epitaph von Marquis d'Oria, der gemäß dem Vertrag mit der Stadt seinen Lebensabend im ehemaligen Franziskanerkloster verbrachte, ist bis heute in der Trinitatiskirche zu sehen.


In den Jahren der französischen "Freien Stadt" wurde die Kirche durch die Franzosen in ein Textillager umgewandelt und ist später zusammen mit dem Kloster zu einem Lazarett geworden. Im größten Klostersaal haben die Franzosen ein Heulager eingerichtet. Der Militär- und Krankenhauscharakter der Klosteranlage wurde auch nach der Rückkehr der Stadt unter die Herrschaft der Preußen beibehalten.


Einen Wandel zum Besseren brachte das Erscheinen des aus Wrocław /Breslau/ stammenden Rudolph Freitag Mitte des 19. Jahrhunderts, der ein Bildhauer und Liebhaber der "Antike", wie damals historische Objekte genannt wurden, gewesen ist. Im teilweise verwüsteten Kloster richtete er eine Bildhauerwerkstatt ein und begann alle Objekte zu sammeln, die von den Danziger Bürgerhäusern entfernt wurden, weil sie nicht mehr der neuesten Mode entsprachen und in denen er einen historischen Wert erblickte. Die Sammlung wuchs unbemerkt an und wurde allmählich zu einem Privatmuseum. Die Unterstützung seitens des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. ermöglichte die Bereitstellung der Klostergebäude für die Stadt und die nachträgliche offizielle Bestätigung der Anwesenheit von Freitag und seiner Sammlung in der Klosteranlage. Offiziell wurde das Städtische Museum im Jahre 1870 gegründet.


Das heutige Nationalmuseum, das den Nachfolger des ehemaligen Städtischen Museums bildet, ist eine Fundgrube der Kunstwerke, auch jener, die in entfernten Ländern entstanden sind und die führende kulturelle Strömungen unterschiedlicher europäischer Länder widerspiegeln. Das wertvollste Objekt ist jedoch wegen der Berühmtheit seines Autors sowie seiner künstlerischen Qualität unzweifelhaft das Triptychon " das Jüngste Gericht" von Hans Memling. Das Gemälde kam nach Danzig als Kriegsbeute des berühmtesten Danziger Seemanns aller Zeiten, Paul Beneke, der es in einer Seeschlacht an der Themsemündung im Jahre 1473 während des Kriegs zwischen der Hanse und England, den Gdańsk initiierte und an dem es rege teilnahm, erbeutete.


Die an die Dreifaltigkeitskirche anliegende Annakapelle entstand als eine Kirche für die in Gdańsk lebenden Polen und mit der Zeit hatte sie auch polnischsprachige Protestanten versammelte. Ihre Kanzel, ein Werk aus dem achtzehnten Jahrhundert von Paul Karde aus Frankfurt am Main, wurde mit religiösen Inskriptionen in schöner altpolnischer Sprache verziert. Im Kapellenaltar wurde nach dem Krieg die von der Firma Malinowski aus Wilna erschaffene Kopie des Gemäldes der Gottesmutter vom Tor der Morgenröte, das nach Danzig zusammen mit Franziskaner aus Wilna kam, angebracht.

Fot. R. Baranowski, Dep. Turystyki UMWP