Gotische, barocke, aus Holz, aus Backstein, mit Lehm gefüllt und verputzt, in Flechtwerk- bzw. Fachwerkbauweise errichtet, so abwechslungsreich sind Sakralobjekte nur in Pommern. Die kostbaren Einrichtungen, Wandmalereien und die unglaublichen Glasmalereien vervollständigen den Gesamteindruck der Bauwerke.

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Josefkirche in Danzig

Adresse:

Ul. Elżbietańska 9/10

80-894 Gdańsk

Kontaktdetails:

Tel. 58 305 22 85

Eine Rektorenkirche der Brigittenpfarrei in der Danziger Erzdiözese. Ursprünglich funktionierten hier ein Hospital. An die Kirche grenzt eine Kapelle an, in der den ganzen Tag lang die Verehrung des Heiligen Sakraments stattfindet.

1467 erhielt der Karmeliterorden als Entschädigung das Gelände des St.-Georg-Hosptital und bald danach begann der Bau der Kirche. Der Bau wurde mit einem prächtigen Portal begonnen, jedoch der Mangel an Mitteln führte dazu, dass die ursprünglichen Baupläne nicht verwirklicht wurden. Heute befindet sich das Tor in einiger Entfernung vom Hauptgebäude. Es ist auch nicht gelungen, die geplanten drei Schiffe zu bauen, bis 1623 entstanden nur ein Gebäudeschiff, ein Presbyterium und eine Kapelle. 1663 brannte die Kirche ab, nach dem Brand wurde sie wiederaufgebaut und im Barockstil eingerichtet. Im Jahre 1840, nach der Ausweisung der Mönche, wurde hier eine Pfarrei gebildet.

Am 27. März 1945 rollten Soldaten der Roten Armee Fässer mit Zündflüssigkeit in die Kirche hinein und setzten diese in Brand. Zusammen mit der Kirche verbrannten auch über 100 Menschen, die dort Zuflucht suchten. An diesem Tag kam es zur Vernichtung der Josefkirche, worüber der damalige Vikar, Priester Georg Klein auf ergreifende Weise berichtete:

"Die Kirche, das Pfarrhaus und das umliegende Häuserquartier waren mit Ausnahme des UFA-Palasts (ein neues Kino neben der Elisabethkirche), der am 23. März verbrannte, nur wenig beschädigt. Am Samstag, dem 24. März begann um 8 Uhr morgens eine Trauermesse in der Kirche, als kurz danach eine Granate in das Kirchendach, genau über dem Hauptaltar, einschlug und Putz, Steine und Schutt auf den Altar niederstürzten und man die Messe unterbrechen musste. Das war der einzige Schaden, den das Gebäude durch die Kriegsoperationen erlitten hatte.

Die Frauen, Kinder und Alten flüchteten aus Angst ins Pfarrhaus und in die Kirche. Dort verbrachten wir mit den Menschen aus der Umgebung am Montag, dem 26 März, die Nacht. Am Morgen wurde es sehr still. Kein Schuss, kein Fluglärm keine Stimmen. Vorsichtig beschritten wir die Kellertreppe, als wir schwere Schritte von jemandem vernahmen, der ins Gebäude eintrat. Der erste sowjetische Soldat stand vor uns, bereit zu schießen, dann kam ein anderer und nahm uns die Uhren weg. Wir durften ausgehen und wir sahen sowjetische Fahrzeuge und viele Soldaten, aber wir sahen auch, dass alles nicht beschädigt stand. Die Soldaten begannen durch das Pfarrhaus und die Kirche zu laufen und kamen gleich mit der Beute heraus, um den nächsten Platz zu machen. Wir waren wie gelähmt und zogen uns in ein halbleeres Zimmer zurück. Einer der Soldaten ging hinter uns her drohte uns mit seinen Gesten, warf uns aus dem Haus und zwang ein 18-jähriges Mädchen da zu bleiben. Nach einiger Zeit erschien es draußen, erregt, zerzaust und schweigend. Es ist geschehen. Da erschienen auch andere Gruppen, bereits unter Alkoholeinfluss. Angeblich fanden sie Alkoholvorräte im Keller des naheliegenden Altstädtischen Rathauses. Sie jagten uns mit Schreien, Lachen und Schlägen zurück in das Pfarrhaus und in die Kirche. Jedem, der hinausgehen wollte, drohten sie mit Maschinenpistolen. Ein Auto voller Fässer ist gekommen. Eines brachten sie in die Kirche hinein, ein anderes ins Pfarrhaus. Man konnte Benzin riechen und dann wussten wir schon, was uns erwarten würde. Eine Frau, die in der Kirche war, lief hinaus und wurde gleich erschossen. Ein betrunkener Soldat kam in die Kirche. Wir sahen aus dem Pfarrhaus, wie die Kirche in Brand stand und hörten das Schreien und Weinen der Menschen, die sich dort befanden. Der Soldat ging hinaus und verschloss die Tür hinter sich.

Inzwischen bemerkte der Probst Fedtke von einem nicht beobachteten Fenster im hinteren Teil des Pfarrhauses aus einen scheinbar noch nüchternen Offizier und mit Gesten lenkte er seine Aufmerksamkeit darauf, was im Kirchenhof geschah. Als einer der Soldaten das Pfarrhaus betreten wollte, um wohl auch hier Feuer anzuzünden, erschien der Offizier auf dem Hof, jagte die Soldaten weg und warf uns hinaus. Die Menschen aus der brennenden Kirche konnten nicht mehr entkommen."

Der Autor des obigen Berichts, Priester Klein, musste später, wie die meisten deutschen Danziger, seine Heimatstadt verlassen. Eine Zeit lang wirkte er in Berlin. Im Jahre 1994 ist er verstorben. Die Willkür der betrunkenen Soldaten machte das prächtige Erbe der Jahrhunderte langen Geschichte zunichte. Das historische Objekt, zwar ruiniert, stellte jedoch einen so großen Wert dar, dass bereits für 1946/47 sein Wiederaufbau geplant wurde. 1948 übernahmen die Kirche und das Kloster Missionare Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria.

Im Jubiläumsjahr 2000 wurde auf die Initiative des Ordenssuperiors und Kirchenrektors Bernard Briks hin am 27. März das Epitaph zum Gedenken an die über 100 Opfer, Einwohner von Danzig, die lebendig am 27. März 1945 durch die Soldaten der Roten Armee verbrannt wurden, durch Bischof Zygmunt Pawłowicz und den Missionar Oblaten Bischof Eugeniusz Juretschko feierlich eingeweiht.