Vom Reichtum und von der Verbundenheit der ehemaligen Pommernbewohner an den Wohlstand zeugen vor allem die bis heute aufbewahrten Bürgerhäuser sowie die Patritzenhäuser und –sitze. Gdańsk (Danzig) war unter dieser Hinsicht ein besonderer Ort, an dem die Bürgerhäuser einen der wertvollsten Bestandteile der Stadtarchitektur schufen. Die reichen Bewohner Danzigs bauten ihre Häuser mit besonderem Schwung und nahmen dabei die Dienste der berühmtesten Architekten und Bildhauer in Anspruch. Vom Ausmaß dieser Unternehmung kann die Tatsache zeugen, dass die polnischen Könige, die die Stadt am Fluss Motława (Motlau) besuchten, die Patritzenhäuser bewohnten, weil sie oft viel bequemer als die für die Könige bereitgestellten Gebäude (z.B. das Grüne Tor) waren. Somit können wir in Danzig die wundervollsten Beispiele von Bürgerhäusern landesweit bewundern. An interessanten historischen Häusern fehlt es auch nicht in anderen Städten: in Słupsk (Stolp), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) bzw. Wejherowo (Neustadt). Ein spezifisches Beispiel ist dagegen Gdynia (Gdingen), wo fast die ganze Innenstadt mit monumentalen, modernistischen Bürgerhäusern aus den 20-ger und 30-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bebaut ist. Heute stellen sie ein großartiges Beispiel von diesem Stil europaweit dar. Zu erwähnen ist auch die Kurortarchitektur in Sopot (Zoppot) und Ustka (Stolpmünde), wo die eklektischen und Sezessionsgebäude ein einzigartiges Klima schaffen.


     Besichtigt man die pommerischen Städte, lohnt es sich auf die interessanten, oft einzigartigen Wohngebäude aufmerksam zu werden, die raffinierten Verzierungen und architektonischen Details zu entdecken, die einzelnen Stils zu erkennen und wie die Menschen über Jahrhunderte gelebt haben zu erfahren.

Speymanhaus (Goldenes Haus)

Das Speymanhaus wird auch das Goldene Haus und manchmal auch Steffenshaus genannt, weil den Letzteren dieses Haus in den Jahren 1786-1918 gehört hatte.

Es handelt sich um eins der schönsten Danziger Gebäuden, die sich am Długi Targ (Langer Markt) befinden.


Anfang des 15. Jahrhunderts war der in der Danziger Geschichte bekannte Bürgermeister Arnold Hecht der Eigentümer des Anwesens. Nach 1411 ging das Anwesen in andere Hände über. Im Jahre 1601 nahm es der Danziger Patrizier, späterer königlicher Burggraf und Bürgermeister in den Jahren 1612 bis 1625, Johann Speyman in Besitz. Auf seinen Auftrag hin wurde hier in den Jahren 1609-1617 ein wunderschönes Renaissancehaus nach dem Entwurf von Abraham van den Block errichtet.

Seine Fassade wurde reich mit Reliefs geschmückt, die Herrscher und Kriegerhäupter, Kampfszenen und Wappen der Stifter darstellen. Über dem Eingang wurde die Skulptur der Barmherzigkeit mit den darunter sichtbaren lateinischen Aufschriften: "Liebe die Tugend, das wird dich glücklich machen, willst du plagen, das wird dich stürzen", "Handle gerecht, fürchte niemanden" angebracht. Die Gebäudefassade wird von Skulpturen bekrönt, die Kardinaltugenden darstellen: Umsicht, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung. Die Gebäudespitze weist die Skulptur der Fortuna auf.

Die Legende besagt, dass von Zeit zu Zeit der Geist der schönen Judith Speyman in den Fluren des Hauses umher wandelt und "handle gerecht, fürchte niemanden" flüstert.

Einer Sage nach sind Steinmetzverzierungen der Fassade des Goldenen Hauses, die in Italien bestellt wurden auf dem Seeweg nach Gdańsk /Danzig/ untergegangen. Ihre Stelle nahmen Verzierungen auf, die für die Hinterseite des Hauses bestimmt waren.