Stonehenge in Pommern

Stonehenge in Pommern

Woher sind sie hergekommen? Warum sind sie entstanden? Was waren sie? Ein Tempel, ein Kalender, oder vielmehr eine Familiengruft eines der altertümlichen Stämme? Im Laufe mehrerer Jahrzehnte wurde das umliegende Gebiet von Archäologen, Historikern, Astronomen und sogar Botaniker oftmals erforscht. Obwohl heutzutage man ziemlich viel davon weiß, kann man heute mit absoluter Sicherheit nicht sagen..., wozu diese Steinkreise eigentlich gedient haben.

Odry ist ein kleines kaschubisches Dorf in der Nähe des malerischen Städtchens Czersk (Landkreis Chojnice). Gerade hier befindet sich das Naturreservat Kręgi Kamienne (Steinkreise) in Odry. Es bildet die größte in Polen und Europas zweitgrößte Anhäufung der Steinkreise und Grabhügel, d.h. Anhäufung von mysteriösen Steinkonstruktionen und Erdhügeln, derer Ursprung auf das 1. und 2. Jahrhundert unserer Zeit datiert wird. Sie sind Relikte der hier vor Jahrhunderten ansässigen Goten und Gepiden, die dieses Gebiet während der großen Wanderung von Skandinavien zum Schwarzen Meer zeitweise besiedelt haben.     

Ein bisschen Geschichte

Das auf 8 ha gelegene Gräberfeld besteht aus 10 Steinkreisen und 30 Grabhügeln mit insgesamt zirka 600 Gräbern. Im Laufe der Jahre schlugen die Wissenschaftler verschiedene Herkunfts- und Bestimmungstheorien. Der in Kościerzyna (1874) geborene Archäologe Abraham Lissauer stellte fest, dass die gefundenen Werkzeuge im Neolithikum entstanden waren. 50 Jahre später schrieb Prof. Józef Kostrzewski die Errichtung der Konstruktionen den Urslawen zu. Nazi-Forscher beurteilten, die Steinkreise seien germanisches Heiligtum gewesen. Letztendlich stellte Dr. Jerzy Kmieciński 1962 fest, dass das Gräberfeld das Relikt der skandinavischen Völker ist. Diese sollen das Gebiet von Pomorze (Pommern) nach zwei Jahrhunderten des Aufenthaltes verlassen haben.  

Eine große Ausstellung der während der Ausgrabungen gefundenen Geräte kann man im Historisch-Ethnografischen Museum in Chojnice besichtigen. Dort werden die wertvollsten, archäologischen Funde (Keramik, Schmuck, Geräte, Werkzeuge) präsentiert, die materielle und geistige Kultur der Goten, das Gräberfeld-Modell und Gräberrekonstruktion dokumentieren.

Geister, Außerirdische und positive Energie

Seit Jahren wird dieser Ort zum Objekt intensiver Forschungen professioneller Forscher und Amateure. Zu Gast waren hier auch Astronomen, die festzustellen versuchten, ob Verteilung der Steine in irgendwelchem Zusammenhang mit urgeschichtlichen Himmelsbeobachtungen stand. Nach den  Wünschelrutengängern bilden die Steinkreise und Grabhügel sogenannte Kraftstelle, die Erden- und Weltall-Energie versammelt. Liebhaber der Geomantie empfehlen dieses Gelände und meinen, es sei die Zone einer „äußerst positiven Energie“.

Nach manchen Milieus stehen Steinkreise aus Odry und andere Objekte solcher Art in enger (obwohl nicht ganz verständlicher) Verbindung mit außerirdischen Lebensformen. Zeugen behaupten, sie hätten u.a. merkwürdige Erscheinungen im nächtlichen Himmel und woanders bemerkt. Zu diesen Erscheinungen gehören u.a.: „Verschiebung“  ganzer Sternbilder, oder vorübergehendes Verschwinden und Auftauchen der Personen.

Viel zu tun gibt es hier auch für Geisterjäger. Laut der Legende liegt in irgendeinem Steinkreis oder Grabhügel ein slawischer Fürst begraben, dessen Sarg en bloc aus Bernsteinmasse gemacht worden ist. Frühere Schatzsucher versuchten, diesen wertvollen Grab zu finden. Daran soll sie der Geist des Verstorbenen gehindert haben. Dem Vernehmen nach taucht er seit dieser Zeit unter den Bäumen auf, um seine Geheimnisse vor den Ruhmsüchtigen und Geldgierigen zu hüten.

Steine unter Rechtsschutz

Von Besonderheit geheimnisvoller, mehrere hunderte alter Überreste überzeugen auch Biologen. Seit 1958 wird die Gegend von Odry zum rechtlich geschützten Naturreservat. Man hat es ins Leben nicht nur aufgrund archäologischer Funde gerufen, sondern auch dazu, 90 Gattungen äußerst rarer, auf den Steinen vegetierenden Flechten zu schützen. Es wäre nichts Außergewöhnliches daran, wenn nicht diese Flechten typisch für Hochgebirge wären. Manche von ihnen sind hauptsächlich für das Gebiet von Skandinavien typisch.

Zufahrt
Das Reservat ist ungefähr 1,5 km nordöstlich vom Dorf Odry gelegen, am südlichen Ufer des Wda-Flusses. Vom Dorf fährt man dorthin Zawodzińskiego-Strasse entlang. Im Wald sollte man nach 200 Meter links (nach dem Wegweiser) in den Waldweg Richtung Dorf Miedzno abbiegen. Nach folgenden 500 Metern sollte man der rechten Abzweigung folgen, die zum Parkplatz am Eingangstor führt.  Im Sommer ist der Eintritt ins Reservat kostenpflichtig.

Eine Idee für Zeitreise, d.h. Steinkreise-Route

Andere Sehenswürdigkeiten:

►Leśno (Gemeinde Brusy, Landkreis Chojnice) – das Reservat mit dem Gräberfeld befindet sich südlich vom Dorf  Leśno, im Walde am Leśno Górne See, am Wanderweg. Man kann dorthin zweierlei kommen, entweder direkt vom Dorf (mit dem Weg am Friedhof, ungefähr 1,5 km südlich), oder von der Straße Leśno-Brusy (wenn man den Wald südlich von Leśno erreicht, sollte man links in einen Feldweg abbiegen, der markiert ist).

►Piaszno (Gemeinde Tuchomie,  Landkreis Bytów) – dortige Ahäufung von Grabhügeln befindet sich zirka 1,2 km südlich von Piaszno. Man gelangt dorthin mit dem Weg, der am Aussichtsturm vorbei und durch den Bauernhof führt.

►Trątkownica (Gemeinde Somonino, Landkreis Kartuzy) – das Gräberfeld in Trątkownica liegt am rechten Ufer des Radunia-Flusses, zirka 3 km westlich vom Dorf Babi Dół. Man erreicht es von der Straße Żukowo-Kościerzyna, indem man gleich nach Babi Dół in einen breiten Waldweg westlich abbiegt. Dortige Steinkreise werden von den Einheimischen „Steinerne Hochzeit“ genannt. Warum? Am besten wäre es, hiesige Bevölkerung darüber auszufragen.

►Węsiory (Gemeinde Sulęczyno, Landkreis Kartuzy) – das Gräberfeld der Goten befindet sich zirka 1,5 km südlich vom Dorf, am nordwestlich Ufer des Długie-Sees. Der Parkplatz ist 800 Meter von Denkmälern entfernt, deswegen wird die letzte Etappe der Reise zu Fuß gemacht. Es ist wirklich wert, sich beim Ausflug anzustrenge