Vom Reichtum und von der Verbundenheit der ehemaligen Pommernbewohner an den Wohlstand zeugen vor allem die bis heute aufbewahrten Bürgerhäuser sowie die Patritzenhäuser und –sitze. Gdańsk (Danzig) war unter dieser Hinsicht ein besonderer Ort, an dem die Bürgerhäuser einen der wertvollsten Bestandteile der Stadtarchitektur schufen. Die reichen Bewohner Danzigs bauten ihre Häuser mit besonderem Schwung und nahmen dabei die Dienste der berühmtesten Architekten und Bildhauer in Anspruch. Vom Ausmaß dieser Unternehmung kann die Tatsache zeugen, dass die polnischen Könige, die die Stadt am Fluss Motława (Motlau) besuchten, die Patritzenhäuser bewohnten, weil sie oft viel bequemer als die für die Könige bereitgestellten Gebäude (z.B. das Grüne Tor) waren. Somit können wir in Danzig die wundervollsten Beispiele von Bürgerhäusern landesweit bewundern. An interessanten historischen Häusern fehlt es auch nicht in anderen Städten: in Słupsk (Stolp), Chojnice (Konitz), Tczew (Dirschau) bzw. Wejherowo (Neustadt). Ein spezifisches Beispiel ist dagegen Gdynia (Gdingen), wo fast die ganze Innenstadt mit monumentalen, modernistischen Bürgerhäusern aus den 20-ger und 30-ger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bebaut ist. Heute stellen sie ein großartiges Beispiel von diesem Stil europaweit dar. Zu erwähnen ist auch die Kurortarchitektur in Sopot (Zoppot) und Ustka (Stolpmünde), wo die eklektischen und Sezessionsgebäude ein einzigartiges Klima schaffen.


     Besichtigt man die pommerischen Städte, lohnt es sich auf die interessanten, oft einzigartigen Wohngebäude aufmerksam zu werden, die raffinierten Verzierungen und architektonischen Details zu entdecken, die einzelnen Stils zu erkennen und wie die Menschen über Jahrhunderte gelebt haben zu erfahren.

Neues Schöffenhaus (Nowy Dom Ławy)

Das Neue Schöffenhaus, das sich in der Nachbarschaft des Artushofs befindet, ist einen barocken Patriziersaal, der reich mit Gegenständen des Danziger und holländischen Handwerks geschmückt ist.

In seinem Inneren , der als Danziger Diele bezeichnet wird, kann man die Inneneinrichtung der Diele eines typischen Patrizierhauses aus dem 17. und 18. Jahrhundert bewundern. Es handelt sich um einen Bau mit gotischer Konstruktion, einem Renaissanceportal und einer barocken Gebäudespitze. Vom Mittelalter bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts bewohnten es Patrizierfamilien. Später wurde es mit dem Artushof verbunden und seit 1709 beherbergte es den Sitz des Schöffengerichts. Davon zeugt u.a. die auf der Gebäudespitze befindliche Gerechtigkeitsstatue. In den Jahren 1901-1945 wurden in der authentischen Diele des Danziger Bürgerhauses Kunstwerke aus der Giełdzińskischen Sammlung ausgestellt.

Aus den Fenstern der Danziger Diele schaut täglich um 13.00 Uhr und in der Hauptsaison auch um 15.00 und 17.00 Uhr die schöne Hedwig herab - die Danziger Stadtbürgerin aus dem 17. Jahrhundert, die von ihrem Onkel gefangen gehalten wurde und die Heldin der alten Romanze "Fräulein aus dem Fenster" (Panienka z okienka), die im Jahre 1891 durch Jadwiga Łuszczewska (Deotyma) geschrieben wurde.

Die Romanze wurde von nachkommenden Generationen der Polen mit größtem Interesse gelesen, um später bei einem Aufenthalt in Gdańsk nach dem Bernsteinhaus und dem schönen Fräulein in einem der Fenster zu suchen.


tłum. EuroInterpret-D. Moser