In seiner über tausendjähriger Geschichte war Danzig Zeuge weltgeschichteverändernder Ereignisse. Hier wurde am 01. September 1939 der 2. Weltkrieg begonnen, der das Antlitz der damaligen Welt verändert hatte. Gleichzeitig ist Danzig die Wiege der "Solidarność" Bewegung, die das Ende des Kommunismus einläutete. 

Danziger Niederstadt

„Niederstadt? in Danzig? Irgendein altes Stadtviertel mit den alten Gebäuden. Es hat ja do keinen Zweck, dorthin zu gehen.” So war es. Einst.

In Danzig zu sein und sich die Niederstadt zu sparen, ist es, als ob man in Krakau wäre, ohne einen Abend in Kazimierz verbracht zu haben. Das wäre ein unersetzlicher Verlust für das Wohlbefinden, für die Eindrücke und denkwürdige Erinnerungen. Das einzigartige Klima des postindustriellen Stadtviertels, das die Künstler, Freizeitanimateure und kreative Unternehmer mit den Businessideen gern haben, macht dieses Gelände zum idealen Ort, wo man weitab von den überfüllten touristischen Routen erleichtert aufatmen kann. Hier gibt es keinen Straßenlärm, hier vergeht die Zeit langsamer und der Rhythmus der Schritte wird etwas ruhiger. Unsere Gedanken kreisen im Kopf etwas lockerer herum, man konzentriert sich auf die städtische Landschaft, ohne Eile und Druck der rasenden Passanten, Touristen und Autos.  

Und wenn schon von der Landschaft die Rede ist, dann muss man zugestehen, dass diese unbestreitbar einzigartig ist. In einem Teil dieses ungewöhnlichen Stadtviertels, wenige Minuten von belebten Verkehrsadern entfernt, können wir uns fühlen, als ob wir ... die Stadt verlassen hätten. So etwas geschieht dank den mit dem Grass bedeckten fünf Bastionen, die sich über die Mäander der Mottlau erheben. Die Aussicht von ihnen ist wirklich majestätisch und die um die Bastionen herum markierte Fußwege sind für die geruhsame Spaziergänge besonders günstig.

Zentrum für die moderne Art „Łaźnia”, fot. M.Ochocki

Dieser ehemalige Arbeiterstadtteil, offizieller Teil der Danziger Innenstadt und doch ein bisschen abgelegen, ist vom Klima aus den älteren Kinofilmen durchtränkt. Dieses magische Ortspotenzial machen sich die Danziger Institutionen zunutze. Seinen Sitz hat hier das Zentrum für die moderne Art „Łaźnia”. Es befindet sich im Gebäude der ehemaligen städtischen Badeanstalt aus der Zeit, als das Baden in der Wohnung unmöglich war.     

Das Zentrum ist zur einen der wichtigsten Ausstellungsinstitutionen Polens geworden. Neben der Darstellung von moderner Art ersten Ranges bietet es Filmschauen, Konzerte und Treffen mit den Künstlern an. Seine Marke verdankt „Łaźnia” dem umfangreichen künstlerischen Programm und der Promotion der jungen und unabhängigen Art. Am wichtigsten sind jedoch die Zusammenarbeit mit den bekannten Künstlern und das Einführen der Kunst in den Raum des Stadtviertels. Dadurch gewinnt seine Überdurchschnittlichkeit noch mehr an Wert.

Zur Nachlese eines der Kunstprojekte wurde eine an der Jaskółcza-Straße befindliche Wagen-Installation. Es geht um einen unter der Überführung geklemmten Lastkraftwagen, der zum Markenzeichen der Niederstadt geworden ist. Unmöglich? Nicht in der Niederstadt. Interessanterweise gibt es hier andere Transportmittel, die als Stammgäste unter den hiesigen Gebäuden eingekehrt sind.

Im Andenken an ehemalige, heutzutage geschlossene Straßenbahnlinie hat man in der Nähe des alten Depots, auf dem zu nichts führenden und mit dem Grass überwucherten Gleis eine rote Straßenbahn gestellt, die früher in Rahmen der Linie 8 in diesen Stadtteil verkehrt hatte. Eine ausgezeichnete Möglichkeit, um verschiedene Finessen dieses Stadtviertels zu entdecken, bietet ein Spaziergang mit dem lokalen Stadtführer. Er wird uns unglaubliche Winkel zeigen und Anekdoten erzählen, die in den touristischen Büchern nicht zu finden sind. Die Gelegenheit der alternativen Besichtigung der Niederstadt in Begleitung der wahren Stadtviertelliebhaber bietet Instytut Kultury Miejskiej (Das Institut für die Stadtkultur), von dem das Angebot der kostenlosen Spaziergänge alljährlich aktualisiert wird.

Das ist nur ein, sozusagen „tägliches” Antlitz der Niederstadt. Ein ganz anderes Gesicht zeigt sich nach Sonnenuntergang. Die bisher stillen und bei Tage schläfrigen Gassen und schweigsamen Höfe füllen sich um diese Zeit mit dem Stimmengewirr und Musik. Die alten Mauern der Niederstadt sind von der jugendlichen Energie der positiven Emotionen erfüllt. Auf diese Weise wird diese Gegend zum idealen Ort für Abendtreffen mit den Freunden, mit der Familie, oder solo. Hier gibt es eine Fülle von den frappierenden und beeindruckenden Ecken. Von den Danzigern beliebt und von den Gästen entdeckt locken sie an und ermuntern zum wiederholten Besuch. Am jeden Wochenende in den Sommermonaten, von den Ziegelmauern der Königlichen Gewehrfabrik (!) umgeben, präsentiert „Podwórko” sein kulinarisch-künstlerisches Angebot.

Podwórko, fot: fb/podworkokfk

Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vernissagen und... der nächtliche Markt, „der sich von den nächtlichen Supermärkten Asiens inspirieren lässt. Diese Märkte verwandeln am Wochenende die städtische Infrastruktur in einen großen Marktplatz, auf dem man etwas Gutes essen, trinken, mit den Bekannten sitzen, Musik hören oder Ausstellung bewundern kann.“

Podwórko, fot: fb/podworkokfk

Ein außergewöhnlich besonderer Ort in der Niederstadt, der vom jeden Liebhaber der Seeerzählungen, vom Shanty und Segeln besucht werden sollte, ist der Kult-Klub „Zejman“. Nur hier findet man so viele passionierten Leute, für die das Segeln eine tolle Lebensweise und das Meer zum Haus geworden ist. Einzigartige Inneneinrichtung des im historischen Niedertor befindlichen Klubs versetzt uns auf den Deck eines Kahns, in dem jedes Zentimeter der Wand und der Decke von den ungewöhnlichen Geräten überfüllt ist, als ob diese die im Meer gefischten, versunkenen Schätze dargestellt hätten. Die Gastfreundlichkeit der Wirte und der Zauber dieses Ortes sucht ihresgleichen an der ganzen Küste Pommerns.

Die Niederstadt – so sehr verschieden, so sehr lokal, so sehr unterschiedlich, anders als irgendwo. Es ist wert.